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Ostholstein Teehaus: Richtfest voller Harmonie
Lokales Ostholstein Teehaus: Richtfest voller Harmonie
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22:31 08.11.2013
Erst gab‘s den Richtspruch, dann wurde ein Schnapsglas zerschmettert — beim Teehaus-Richtfest ging‘s ganz traditionell zu. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Timmendorfer Strand

Eines gleich vorweg: Nein, es gab keinen Tee gestern beim Richtfest fürs Timmendorfer Teehaus, auf der Baustelle auf der Plattform am Ende der Seeschlösschen-Brücke. Stattdessen wurden Saft, Wasser und eine wärmende Gulaschsuppe ausgegeben. Und auch den Richtspruch beendete Zimmermann Wolfgang Hargus ganz traditionell mit einem erfrischenden Schluck Weizenkorn anstatt mit einer Chai-Mischung.

Überhaupt schienen die Richtfest-Feiernden - hauptsächlich Vertreter von Verwaltung und Kommunalpolitik - eingedenk der zähen und zuweilen heftigen Auseinandersetzungen, die dem Baustart vorausgegangen waren, um Zurückhaltung und Freundlichkeit bemüht. Da mochte selbst das Wetter nicht zurückstehen: Pünktlich zu Hargus‘ Worten „Frohsinn und Eintracht und Seelenfrieden seien immer des Hauses Bewohnern beschieden“ blitzte die Sonne hervor und ließ die hellen Fichte-Tanne-Balken der aufwendigen Dachkonstruktion vor blauem Himmel leuchten.

Natürlich sei das Richtfest bei einem solchen Dach etwas Besonderes, sagte der Architekt Andreas Schuberth. „Das ist eine komplexe Konstruktion aus verschnittenen Ellipsoiden, die einst komplett am Rechner entstanden ist.“ Doch trotz der Kompliziertheit kämen die Arbeiten gut voran, „schneller als gedacht“ - was weiterhin auf eine Eröffnung im Juni 2014 hoffen lässt.

Es sei eine „lange Odyssee“ bis zur Feier des Richtfestes gewesen, erklärte Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) ohne Umschweife: „Ja, es war ein sehr umstrittenes Projekt, das die Gemüter in unserer Gemeinde bewegte.“ Doch jetzt sei es die Aufgabe der Entscheidungsträger in der Gemeinde, dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. „Wir schaffen einen attraktiven Ort der Begegnung, an dem man sich trifft und gern lange aufhält“, so die Bürgermeisterin. Sie dankte ausdrücklich dem Investor Jürgen Hunke, „dass Sie weiter Wort halten und dieses Projekt vorantreiben. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam die Eröffnung feiern werden“.

Er sei zwar eigentlich nicht für die netten, sondern für die konkreten Worte zuständig, meinte Hunke dazu. „Ideen und Kreativität haben es heute oft schwer“, erklärte er. „Doch Timmendorfer Strand liegt mir besonders am Herzen, und hier wird etwas Einzigartiges geschaffen.“ Hunke dankte „Freunden und Gegnern, dass es doch noch geklappt hat“ und gedachte des verstorbenen Bürgermeisters Volker Popp: „Wir waren beide von diesem Projekt wirklich überzeugt.“

Auf jeden Fall freue er sich auf den Moment, in dem das weiße Teehaus zum ersten Mal im Dunkeln erstrahlen werde, fügte Hunke hinzu - „und die großen Worte möchte ich mir für diese Einweihung aufheben“. Bei der es dann im nächsten Sommer vermutlich auch tatsächlich, neben weitreichender Harmonie, Tee geben wird.

Der lange Weg zum schmucken Häuschen
2011: Im Frühjahr wird die alte Seeschlösschen-Brücke abgerissen, die Arbeiten an der neuen beginnen im November. Der damalige Deal: Die Gemeinde zahlt den Bau der 135-Meter-Brücke mit Plattform — 2,4 Millionen Euro, 600 000 Euro mehr als eine Brücke ohne Vorrichtung für das Teehaus gekostet hätte. Investor Jürgen Hunke übernimmt 1,2 Millionen Euro fürs Teehaus, das Eigentum der Gemeinde wird.

2012: Die für Juni geplante Teehaus-Eröffnung wird abgesagt. Ein endgültiger Vertrag zwischen der Gemeinde und Hunke platzt wegen verschiedener Details. In den Reihen der Kommunalpolitiker fliegen die Fetzen, die Brücke wird vorerst ohne Teehaus eröffnet.

2013: Gemeinde und Hunke einigen sich schließlich doch hinter den Kulissen. Mit den Stimmen von CDU, WUB und FDP nickt die Gemeindevertretung folgenden Kompromiss ab: Hunke bringt eine Million Euro in den Bau des Teehauses ein, die Gemeinde übernimmt den Rest der Baukosten — laut Verwaltung 1,3 Millionen Euro — und wird Eigentümerin des Gebäudes. Ein Pächter wird per Ausschreibung gesucht und soll mittlerweile auch gefunden sein. Die Arbeiten am Teehaus beginnen im Herbst.

Sabine Latzel

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