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Tempo 30 und weniger Ampeln für mehr Fahrradfreundlichkeit

Eutin Tempo 30 und weniger Ampeln für mehr Fahrradfreundlichkeit

Radfahren in Eutin soll bequemer, schneller und sicherer werden. Was dafür passieren muss, darüber wird schon lange diskutiert. Doch jetzt bekommt der Weg zur fahrradfreundlichen Stadt Konturen. Die beiden Planungsbüros „urbanus“ aus Lübeck und „PGV Dargel Hildenbrandt“ aus Hannover haben einen Entwurf für ein Radverkehrskonzept vorgestellt.

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Schutzstreifen für Radfahrer wie hier in Bad Oldesloe soll es künftig auch auf zahlreichen Eutiner Straßen geben.

Quelle: V. Bosslet

Eutin. Der Auftrag kam von der Stadt, auch der Mobilitätsbeirat ist in die Planungen eingebunden. Das Konzept steht unter der großen Überschrift Verkehrsberuhigung. Der Innenstadtbereich einschließlich Plöner Straße, Jungfernstieg, Weidestraße und bis zur Elisabethstraße soll zur Tempo-30-Zone, Ampel-Kreuzungen sollen teilweise zu Mini-Kreiseln werden. Die Albert-Mahlstedt-Straße stellen sich die Planer künftig als Fahrradstraße vor, verlängert um die Lübsche Koppel. Aus der Lübecker Straße / Schlossstraße könnte nach ihren Vorstellungen eine verkehrsberuhigte Geschäftsstraße mit Tempo 20 werden, zu befahren in beide Richtungen vorbehaltlich des geplanten Verkehrsversuchs.

LN-Bild

So soll Eutin für Radler attraktiver werden – Experten legen Konzeptentwurf vor.

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Am Montagabend stellten die beiden Verkehrsexperten Stefan Luft („urbanus“) und Edzard Hildebrandt („PGV“) ihre seit September entwickelten Ideen auf einem Bürgerforum Radverkehr im Eutiner Stadtbauamt vor. Ausdrücklich kennzeichneten sie ihr Konzept als Diskussionsvorschlag. Von den rund 40 Teilnehmern des Forums kamen zahlreiche weitere Anregungen. Diese sollen jetzt geprüft und wenn möglich berücksichtigt werden. Noch im August wollen die beiden Planungsbüros ihr Radverkehrskonzept fertigstellen. Dann geht es in den Mobilitätsbeirat und in die städtischen Gremien. „Wir müssen viele Menschen mitnehmen“, stellt sich Bauamtsleiter Bernd Rubelt auf noch manchen Konflikt bei der Umsetzung ein. Die soll Zug um Zug über mehrere Jahre erfolgen.

Die Gutachter halten die Ausgangslage für günstig. In Eutin bestehe „eine große Begeisterung für das Radfahren“, die sich weiter steigern lasse. Denn rund 50 Prozent der Wege, die dort mit dem Auto zurückgelegt werden, seien kürzer als fünf Kilometer. Als Problemzone gilt die Altstadt. Während es im Außenbereich zahlreiche Radwege gebe, sei das Netz dort lückenhaft. Viele Hauptverkehrsachsen hätten keine Radwege oder Radspuren. Rutschiges Kopfsteinpflaster und teilweise enge Gassen machten den Radfahrern zusätzlich zu schaffen.

Der Schlüssel für mehr Fahrradfreundlichkeit in der Innenstadt liegt für die Experten, die bereits für zahlreiche Städte Radverkehrskonzepte entwickelt haben, im Beruhigen des Verkehrs. Das bedeutet für sie mehr als Tempo 30. Weil Ampeln Autofahrer zum Gasgeben verleiten, um noch die Grünphase zu erwischen, wollen sie auf diese möglichst verzichten und etwa am Voßplatz einen Kreisel einrichten, ebenfalls an der Schnittstelle Albert-Mahlstedt-Straße/HeinrichWestphalstraße. Im gesamten Innenstadtbereich soll die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben werden und die Radführung auf der Fahrbahn erfolgen. In der Elisabethstraße, der Bürgermeister-Steenbock-Straße, der Lübecker Straße oder der Oldenburger Landstraße wollen die Planer zum Teil wechselnde Schutzstreifen anlegen, also auf der Fahrbahn markierte Radspuren. Das Kopfsteinpflaster in der Altstadt soll nach ihrer Empfehlung bewahrt, aber für Radfahrer verträglicher gestaltet oder auf Hauptrouten ersetzt werden.

Beim radfahrenden Publikum kamen die Vorschläge gut an. Gewünscht wurden zudem unter anderem eine schnelle Aufhebung der Einbahnstraßenregelung für Radfahrer in der City und komplett Tempo 30 in der Riemannstraße mit Entschärfung der „Flaschenhälse“. Ebenfalls auf dem Wunschzettel standen mehr sichere Rad-Stellplätze in der Innenstadt.

Das kleine Einmaleins des Radwegebaus

In der Innenstadt ist der Platz knapp, aber alle wollen zu ihrem Recht kommen: Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer. Das macht die Verkehrsführung schwierig. Auch bei Wegen und Streifen für Radfahrer müssen Mindestbreiten berücksichtigt werden. Schutzstreifen sind platzsparend. Sie müssen nur 1,50 Meter breit sein. Für Radfahrstreifen (mit durchgehender Linie von der Fahrbahn getrennt) gelten 1,85 Meter. Radwege in eine Richtung müssen mindestens zwei Meter, Zweirichtungswege drei Meter und gemeinsame Geh- und Radwege vier Meter breit sein.

 Arnold Petersen

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