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Ostholstein Test mit dem Löschfahrzeug: Eine enge Sache
Lokales Ostholstein Test mit dem Löschfahrzeug: Eine enge Sache
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21:21 01.07.2013
Ein Lkw blockiert die Zufahrt zu einer Anliegerstraße. Monika Pinnow dokumentiert das fotografisch . . .

„Wenn der hier rausfährt, macht es plopp.“ Mit dem Zeigefinger im Mund erzeugt Ortswehrführer Dirk Westphal vor dem engen Gerätehaus in Sereetz das Geräusch. Fast neun Meter lang, zweieinhalb Meter breit und 15 Tonnen schwer. Ein wirklich dickes Ding. Welche Probleme sich mit dem brandneuen, modernsten Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) des Kreises in zugeparkten Wohnstraßen ergeben können, das soll bei einer Testfahrt gedankenlosen Verkehrsteilnehmern bewusst gemacht werden.

„Wir hatten mal eine Türöffnung in einer zugestellten Straße an einem Sonntagmorgen. Da haben alle mitgekriegt, dass es um Menschenleben ging. Seitdem ist diese Straße wie leergefegt von blockierenden Fahrzeugen“, sagt Westphal erfreut. Ähnliche Lerneffekte bei den Autofahrern erhofft er sich auch an diesem Tag gemeinsam mit den Polizeihauptmeistern Monika Pinnow und Thomas Geske von der Polizei Ratekau, die die Aktion begleiten.

Die Blätter am Straßenrand rascheln, aber nicht im Wind, sondern auf dem Dach des roten Riesen. „Ich sitz‘ hier gut zwei Meter hoch“, schätzt Dirk Zuther, Löschmeister und Gerätewart. Den Überblick braucht er, wenn er an Hecken vorbeizirkelt, unter Bäumen die Höhe abschätzen muss und Rückspiegel abgestellter Fahrzeuge verschonen soll. Sechs Spiegel und eine Rückfahrkamera helfen dem versierten Lenker, das Einsatzfahrzeug die Bürgersteige rauf und wieder runter zu bugsieren, durch schmale Spuren und in winzigen Wendehammern zu dirigieren. Schwerstarbeit trotz modernster Technik. Zuther saß

schon in Sattelzügen hinterm Lenkrad. Seine Devise: „Wo ich reinkomme, komme ich wieder raus . . .“ Im Ernstfall voller Adrenalin geht das natürlich auch „in schnell“.

Im Heidacker eine Paradesituation: Im Wendehammer parkt ein Lastwagen, die Zufahrt zu einer sich anschließenden schmalen Anliegerstraße ist für das HLF versperrt. Da hätte selbst ein Rettungswagen Probleme.

Polizeihauptmeister Thomas Geske klingelt Sturm beim mutmaßlich Verantwortlichen. Null Reaktion. Seine Kollegin Monika Pinnow zückt den Informationszettel und klemmt ihn hinter den Scheibenwischer des Lkw. Darauf steht unter anderem: „Im Falle eines Realeinsatzes hätte Ihr Fehlverhalten Menschenleben gefährdet.“ Geske schiebt nach: „Das lernt man in den ersten Fahrstunden, ein Wendehammer ist kein Parkplatz.“ Und die verbleibende Fahrbahnbreite soll drei Meter betragen, ergänzt Brandmeister Dirk Westphal.

In die Fahrbahn ragendes Grünzeug, das Sicht- und Rangiermöglichkeiten einschränkt, und achtlos geparkte Kleinwagen, die zum Riesenhindernis werden können, finden sich noch einige während der rund zehn Kilometer langen Testfahrt. „Schön ist auch immer, wenn Leute die Straße zuparken, obwohl die Einfahrt vor ihrem Häuschen frei ist“, stellt Westphal ironisch fest. Platz, den die Einsatzfahrzeuge im Notfall benötigen. Das HLF transportiert hochmoderne Ausrüstung, die eine schlagkräftige Wehr ausmacht. Mit zwei ausgeklappten Seitenteilen, nötig, um an das Equipment zu gelangen, wird der Riese schnell dreieinhalb Meter breit. Der Wehrführer dazu: „Früher hat eine Brechstange gereicht, wenn wir eine Person nach einem Unfall aus dem Wagen retten mussten. Damit kommen wir heute nicht mehr weit . . .“

Der Info-Zettel wird an diesem Vormittag noch hinter so manchem Scheibenwischer flattern. In einigen Fällen werden daraus echte Knöllchen. Das Fazit von Feuerwehr und Polizei: „Wir sind zwar längst nicht alle engen Straßen abgefahren, hätten aber mit mehr Behinderungen gerechnet.“ Dennoch appellieren die Einsatzkräfte an die Verkehrsteilnehmer: „Nachts im Einsatz ist das alles nicht so entspannt, wie an diesem Vormittag. Denken Sie daran, dass Sie selbst einmal Hilfe benötigen könnten.“

Dirk Zuther braucht jetzt einen Kaffee. Er hat das HLF wieder im engen Feuerwehrgerätehaus abgestellt. Ohne die kleinste Schramme.

Zettel hinterm Wischer
Mit Informationszetteln haben die Polizeistation Ratekau und die Freiwillige Feuerwehr Sereetz Verkehrsteilnehmer auf Fehlverhalten hingewiesen. „Das betrifft nicht nur Autofahrer in Sereetz. Enge Wohnstraßen, in denen unachtsam geparkte Autos zum Problem werden können bei einem Rettungseinsatz, die gibt es überall“, weiß Brandmeister Dirk Westphal.


Folgenden Text fanden Betroffene hinter dem Scheibenwischer ihres Wagens: „Sehr geehrter Verkehrsteilnehmer, am heutigen Vormittag fand in Ihrer Straße eine Probefahrt mit dem neuen Hilfeleistungslöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Sereetz statt. Hierbei stellten wir fest, dass aufgrund Ihres abgestellten Fahrzeuges die Restfahrbahnbreite so eingeschränkt war, dass ein Passieren des Einsatzfahrzeuges nicht mehr möglich war. Im Falle eines Realeinsatzes hätte Ihr Fehlverhalten Menschenleben gefährdet. Bitte achten Sie in Zukunft auf ein ordnungsgemäßes Abstellen Ihres Fahrzeuges! Achten Sie auf Feuerwehrzufahrten, Zugänge zu Hydranten und auf die Restfahrbahnbreite!“

Manuela Boller

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