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Testbuhnen in Heiligenhafen: Sandwarder statt Steinwarder

Heiligenhafen Testbuhnen in Heiligenhafen: Sandwarder statt Steinwarder

Die Strömung spült seit Jahren Sand vom Badestrand auf dem Steinwarder weg. Ein Testbuhnenfeld soll das jetzt nach Großenbroder Vorbild verhindern - Heiligenhafen investiert 1,3 Millionen Euro. Am Dienstag begannen die Rammarbeiten.

HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel sitzt auf den Lerchenstämmen und studiert die Karte zu der Testbuhnen-Maßnahme.

Quelle: Peter Mantik

Heiligenhafen. Der Hauptbadestrand auf dem Steinwarder in Heiligenhafen ist seit vielen Jahren ein Problemkind. Denn die Strömung der Ostsee spült den feinen Sand vom Strand weg. In einigen Bereichen müssen Badegäste über Kiesel ins Wasser waten. Dem tritt die Politik nun mit einer Sandgewinnungs-Maßnahme entgegen. Für 1,3 Millionen Euro entsteht ein Testbuhnenfeld, durch das sich der angespülte Sand am Steinwarder festsetzen soll.

LN-Bild

Testbuhnenfeld soll nach Großenbroder Vorbild Sandaufspülung erzeugen — Stadt investiert 1,3 Millionen Euro — Monitoring soll neue Erkenntnisse liefern.

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Gestern wurde das Holz angeliefert, heute beginnen die Rammarbeiten. Joachim Gabriel, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), wurde von der Politik mit der Umsetzung beauftragt.

Gestern schaute er sich am Strand die vorbereitenden Arbeiten an. Hier wird die Firma Bünnich unter Vorgabe des Ingenieurbüros Mohn die Rammarbeiten vornehmen. „Am Graswarderhals sind es fünf Buhnen, auf Höhe des Dünenparks sieben“, erläutert Gabriel. Es handelt sich um 36 bis 80 Meter lange Buhnen aus Eukalyptushölzern aus Südafrika. Deutlich kürzere Lerchenstämme werden als Verbindung im Trockenbereich gesetzt. Das erfolgreiche Buhnenrammen in Großenbrode sei für Heiligenhafen laut Gabriel ein Vorzeigebeispiel, wie es auch am Warder klappen könnte mit der Strandgewinnung.

Heiligenhafen aber wäre nicht Heiligenhafen, wenn es nicht verschiedene Auffassungen zu diesem Thema gäbe. Der ehemalige Bürgermeisterkandidat Niclas Boldt glaubt mit seinem Fachwissen, dass die von der Politik beschlossene Variante nicht den gewünschten Erfolg bringen werde (siehe Beistück). Boldt hat Zweifel. „Die Buhnen am Graswarderhals werden sich nicht negativ auswirken, aber die beim Dünenpark machen überhaupt keinen Sinn“, sagt Boldt. „Schlimm wäre es auch, die Betonbuhnen zu entfernen.“

Ob das Testbuhnenfeld, so wie es dieser Tage umgesetzt wird, den gewünschten Effekt erzielt, oder aber eine alternative Art der Sandgewinnung mehr Erfolg versprechen würde — die Antwort auf diese Fragen kennt allein die Ostsee. Deshalb betont auch Gabriel: „Natürlich hoffen wir, mit dieser Methode des Büros Mohn richtig zu liegen, aber es ist und bleibt ein Testbuhnenfeld.“

Ersten sichtbaren Aufschluss werden die nächsten Hochwasser- Situationen geben. Denn bei Hochwasser wird Sand abgetragen. Im Frühjahr des kommenden Jahres werden zudem 48000 Kubikmeter Sand aus Dänemark per Schiff angeliefert und über zwölf Tage an den Steinwarder gepumpt. Begleitet wird diese Maßnahme durch ein aufwendiges Monitoring.

Joachim Gabriel erläutert: „Wir erhoffen uns durch die Aufzeichnungen neue Kenntnisse.“ Durch dieses soll die Umlagerung des Sandes im Buhnenfeld und die sandfangende Wirkung der Bauwerke dokumentiert werden. Geprüft würde auch, ob sich aus den Buhnen Auswirkungen für den Graswarder ergeben würden. Man will Fakten schaffen.

Das Monitoring soll über fünf Jahre punktuell erfolgen. Laut Gabriel könne sich daraus auch eine modifizierte Strategie ergeben. Am Ende all diesen großen Aufwandes soll das uneingeschränkte Stranderlebnis stehen. Die touristische Erfolgsformel lautet: Neue Hotels, neue Gäste und neuer Sand.

Es gibt auch Bedenken

Niclas Boldt kennt seit Kindestagen die Wasserbauwerke in Heiligenhafen, beobachtet seit Jahrzehnten die Strömungsverhältnisse. Bereits im Bürgermeister-Wahlkampf, wo er als Kandidat antrat, äußerte er sich kritisch über das beschlossene Testbuhnenfeld.

„Hier werden 1,3 Millionen Euro in der Ostsee aus Unwissenheit versenkt — Steuergeld der Bürger.“ Seiner Meinung nach verhalten sich die Strömungsverhältnisse konträr zur Auffassung des Ingenieurbüros Mohn. Vor Großenbrode würde der Sand an der Küste auf- und abgespült, in Heiligenhafen sei dies nicht der Fall. Boldt zieht seine Kenntnisse unter anderem aus Kartenmaterial des militärisch geografischen Instituts in Kiel. Auch hat er die Diplomarbeit seines Bruders zum Thema Küste Hohwachter Bucht bis Warderspitze intensiv begleitet. Was Boldt aufstößt: „In Heiligenhafen wird seit 50 Jahren Geld in der Ostsee versenkt. Niemand ist bereit, die Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten.“ Was Boldt kritisiert: „Ich habe meine Bedenken öffentlich geäußert, aber weder die Politik noch die HVB sind auf mich zugekommen. Ich kann mein Wissen belegen.“

Dabei wohnt beispielsweise SPD-Chef Siebel gleich nebenan. Boldt höre zu den Rammarbeiten von allen Seiten nur, dass man hoffe, dass dies der richtige Schritt sei. „Das Prinzip Hoffnung ist mir zu dünn, um so viel Geld zu investieren“, sagt Boldt dazu. Leider fehle in der Politik eine langfristige Planung. Obendrein sei das Bauamt nicht in die Planungen einbezogen, obwohl dort profundes Wissen bestünde. Die Lösung des Sandproblems könnte nach Auffassung von Boldt ein Bauwerk im Wasser östlich der Hensenbuhne sein. „Das wäre ein echter Versuch.“ pm

Von Peter Mantik

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