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Ostholstein Theater-Ensemble kämpft mit Mafia und Polizei
Lokales Ostholstein Theater-Ensemble kämpft mit Mafia und Polizei
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20:40 19.01.2016
Auf der Bühne wird ordentlich gebechert. Schnaps und Bier fließen und natürlich darf auch die obligatorische Zigarre nicht fehlen. Doch wer weiß, wie sich der Abend in der Bar entwickelt. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter
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Neustadt

Schnaps und Bier fließen, es ist laut. Eine leichtbekleidete Dame, oder ist es doch ein Mann, spielt Klavier. Auf der Bühne steht eine junge Frau in einem engen roten Kleid. Sexy — mag so manch ein Betrachter denken. Doch ihre Stimme ist es, die den Besucher der Bar verzaubern soll. „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ — singt sie in das Mikrofon und wen wundert es, die Gäste gröhlen mit. Die Stimmung scheint prächtig, wäre da nicht der seit langem schwelende Konflikt zwischen Mafiosi Giovanni und der Polizei.

Die beschriebene Szene stammt aus dem aktuellen Stück des Neustädter Theater-Ensembles. Die Schüler des Küstengymnasiums haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Komödie „Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß“ beschäftigt. Montagvormittag besuchten die LN die vorletzte Probe und erlebten hochmotivierte junge Erwachsene, die ihre Texte sicher beherrschen, das Bühnenbild selbstständig gestaltet haben, Klavier spielen und singen können sowie für passendes Licht und Sound sorgen. Lehrer sind keine zu sehen.

„Wir haben mehr Freiheit, können freier sprechen, das Stück an unser Alter anpassen. Das macht unglaublich viel Spaß“, sagt Madeline Wiedemann. Die 19-Jährige führt mit Dominik Hartz und Timon Steinmetz (17) Regie. „Wir haben ein Grundkonzept entwickelt, planen alles durch und stellen unsere Ideen während der Proben vor“, sagt Steinmetz. Anschließend beginne der Feinschliff. Schließlich haben die Schauspieler eigene Vorstellungen und bringen diese ein. „Wir genießen eine Schein-Autorität, müssen aber auch dafür sorgen, dass die Stimmung gut bleibt“, erklärt Timon Steinmetz.

Dass nicht immer alles reibungslos läuft, ist klar. Geprobt wird seit März 2015. Aufgeführt werden sollte das Stück eigentlich im November. Dann wurde die Aula der Lienau-Schule Ende August gesperrt. Die Decke hing durch, Teile drohten herabzustürzen. Die Schüler gingen auf Nummer sicher und entschieden sich, die Präsentation auf dieses Jahr zu verschieben. Positiver Nebeneffekt war, dass einige der Schauspieler mehr Zeit hatten, sich auf wichtige Vorabi-Klausuren zu konzentrieren.

Doch damit nicht genug: Erst vor wenigen Tagen musste ein Schauspieler aus Krankheitsgründen abspringen, eine andere kann nicht an allen Abenden auf der Bühne stehen. „Wir haben das geregelt und ein Junge aus unserem Jahrgang ist kurzfristig eingesprungen. Es klappt alles gut“, betont Madeline Wiedemann.

Die Premiere kann also kommen. Vorab sei gesagt, dass die Besucher deutlich weniger Gesangsanteile als im Original erleben werden. „Wir haben 90 Prozent gestrichen“, so Timon Steinmetz. Dennoch wird das eingangs erwähnte Lied sicherlich zu einem der Höhepunkte der Aufführung werden. Und Kenner des 1938 in dem Film „Tanz auf dem Vulkan“ erstmals von Gustav Gründgens gesungenen Stücks sollten genau hinhören, ob in dem Text nicht eine geheime Botschaft verpackt wurde.

Die Premiere gibt es heute ab 19.30 Uhr im Theatersaal der Neustädter Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule. Einlass ist ab 19 Uhr.



Weitere Aufführungen stehen am 21. und 22. Januar an. Karten sind an der Abendkasse erhältlich.

Sebastian Rosenkötter

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