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Ostholstein Theater hinter Mauern und Stacheldraht
Lokales Ostholstein Theater hinter Mauern und Stacheldraht
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20:20 30.03.2016
Das Leben hat viele Türen. Hinter jeder verbirgt sich eine Möglichkeit. Es gibt Verlockungen und Versuchungen. Dieser Darsteller macht deutlich, dass jeder für seinen Weg verantwortlich ist. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Blaue Plastiküberzieher für die Schuhe statt Sekt im Glas. Ausweis-Kontrolle statt Abriss von Eintrittskarte. In Kleingruppen werden die Besucher in die Sporthalle geführt. Drei Türen müssen geöffnet und wieder verschlossen werden. Das Gelände ist schwer gesichert. Es gehört zur Forensik des Neustädter Ameos-Klinikums. Hier werden verurteilte Straftäter, bei denen eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, therapiert. Ziel ist, sie langfristig auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten. Ein wichtiger Baustein ist das Theaterspiel.

Ameos-Patienten der forensischen Abteilung machen auf der Bühne ganz neue Erfahrungen.

„Das Theater hat geholfen. Ich bin positiver geworden.“Ameos-Schauspieler

Mittwoch, 30. März 2016. Auf diesen Tag haben die 13 Männer der Gruppe „ARTgerecht“ fast ein Jahr lang hingearbeitet. Sie haben gelacht und geschrien. Sie stießen an Grenzen und überwanden sie.

„Viele hatten das erste Mal Berührung mit dem Medium Theater“, erläutert der Lübecker Theaterpädagoge Torsten Haberjoh. Einstudiert haben sie kleine Szenen, in denen es um Begegnungen geht. Das Bühnenbild ist schlicht gestaltet. Blaue Hocker, schwarze Stellwände, zwei weiße Türen. Das reicht. Mit wenigen Worten ziehen die Darsteller die Zuschauer in die Geschichten hinein. Die spielen im Zug, Kino oder Fitnessstudio. Mal treffen sich Bekannte und Freunde, mal Fremde. Sie nähern sich an, stoßen sich ab.

Es sind alltägliche Szenen. Zumindest für den Zuschauer. Für die Männer auf der Bühne sind es teils oft schwer erreichbare Momente. Sie leben hinter hohen Mauer, auf denen Stacheldraht befestigt ist.

Sie dürfen das Gelände nicht verlassen. Für immer?

In dem Stück zeigen sie auf, dass es Türen gibt. Hinter jeder verbirgt sich eine Möglichkeit, das alte Leben hinter sich zulassen. „Die Welt besteht aus Angeboten, aus Sonderangeboten. So viele, dass wir das Wesentliche nicht mehr bemerken, uns selbst“, heißt es gegen Ende der Aufführung. Dabei habe es jeder in der Hand, „es ist niemals zu spät“ und wer weiß, vielleicht bekommt einer der 13 Männer eine Chance. Doch der Weg ist weit. Therapien müssen absolviert und Medikamente genommen werden. Nur wer als nicht mehr gefährlich eingestuft wird, kann in einen weniger gesicherten Bereich wechseln. All das kann viele Jahre dauern. Einer der Darsteller erzählt nach dem Theater, dass er im Spätsommer umziehen wird. „In eine offene Einrichtung“, sagt er. Dass er diesen Schritt gehen werde, habe auch mit der Gruppe „ARTgerecht“ zu tun. Ruhiger sei er geworden und habe gelernt, mit Situationen besser umzugehen. Ein anderer erzählt, dass ihm das Theaterspiel gezeigt habe, dass er auch mit schwierigen Menschen umgehen könne.

Zu erleben wie die Patienten, Straftäter, Männer, Menschen im Schauspiel aufleben und sich öffnen, ist es, was Silke Bölter stolz macht. Die Heilerzieherin vom pädagogisch-therapeutischen Zentrum weiß, dass die Patienten andere Rollen übernehmen und an Selbstbewusstsein gewinnen. „Es sind neue Erfahrungen, die sie machen. Es ist toll, was sie schaffen können“, betont sie.

Von Sebastian Rosenkötter

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