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Ostholstein Tier-Drama im Niendorfer Kurpark
Lokales Ostholstein Tier-Drama im Niendorfer Kurpark
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20:10 30.07.2015
Wulf Hönicke zeigt im Niendorfer Kurpark die Waben, die aus einem abgebrochenen hohlen Ast einer Eiche fielen. Quelle: Peyronnet
Niendorf

Tote Fledermäuse und zerbrochene Waben: Der Sturm vom Wochenende hat im Niendorfer Kurpark, auch Wittinhaargehölz genannt, ziemlich gewütet. Als der Ast einer alten Eiche abbrach, zeigte sich, wie viel Leben in den großen Bäumen steckte — bis es vom Sturm zerstört wurde.

Wulf Hönicke wohnt in der Nähe und geht oft im Kurpark spazieren. Er hat den dicken, abgebrochenen Ast und sein Innenleben gesehen und sich gewundert: „In einem Hohlraum waren Bienenwaben und an der Bruchstelle Fledermäuse. Alle tot.“ Diese beiden Tierarten in einem Baum haben Hönicke überrascht. Er informierte die Gemeinde Timmendorfer Strand, die ihrerseits die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein einschaltete.

Deren Leiter, Joachim Siebrecht, bestätigt, dass diese Wohngemeinschaft ungewöhnlich ist. Unmöglich sei sie aber nicht. „Sie werden sich das aufgeteilt haben, die Bienen fliegen ja tagsüber, die Fledermäuse nachts.“ Siebrecht vermutet, dass die Fledermäuse, höchstwahrscheinlich von der Art „Braunes Langohr“, zuerst da waren. Die Bienen oder vielleicht auch Hummeln, eventuell Baumhummeln, die sich jedes Jahr neue Höhlen suchen, seien wahrscheinlich später hinzu gekommen.

Vor allem aber zeige die ungewöhnliche Kombination, welche hohe Bedeutung alte Bäume, vor allem alte Eichen, für die hiesige Fauna haben. Gerade Eichen seien Heimat für besonders viele Tiere. Im Wittinhaargehölz, erzählt Hönicke, stünden mehr als 100 alte Eichen. Auch deshalb, so Siebrecht, sei der ganze Park als Naturdenkmal eingetragen. Er empfiehlt den Bauhöfen, Totholz oder abgebrochene Äste lange liegen zu lassen.

Im Fall des jetzt abgebrochenen Astes ging das nicht, da er in der Nähe des Gehweges lag. Der Bauhof zersägte das Holz und räumte es weg. Und so sind vom Sturm-Drama nur noch die Waben, tote Fledermäuse, die vermutlich bei dem Absturz ums Leben kamen, und ein, zwei kleine Häufchen Sägemehl übrig geblieben.

Der Vorfall, so Siebrecht, zeige, welche Bedeutung gerade alte Kurparks für die Natur haben. „Deshalb sollte man bei der Baumpflege vorsichtig sein. Lieber absperren anstatt einen Baum wegzunehmen oder Pflegemaßnahmen vorzunehmen.“ Der Niendorfer Kurpark ist vor allem aber ein Ort, an dem besonders viele Pilzarten vorkommen. 1985 hatte ein Mikrologe ein für Deutschland sensationelles Pilzvorkommen festgestellt. Insgesamt 235 Pilzarten, von denen eine erstmalig und eine weitere erst zum zweiten Mal in Deutschland nachgewiesen wurden, haben die Fachleute im Niendorfer Kurpark gefunden. Einige dieser Pilzarten kommen deutschlandweit nur noch im Wittinhaargehölz vor, etwa „Russula flavispora (Blum) Romagn“, der Gelbsporige Täubling.

Grund für den Artenreichtum der Pilze ist ein hoher Magnesiumanteil im Boden. Er rührt daher, dass der Park auf einem ehemaligen flachen Meeresarm entstanden ist. 1881 stellte Hermann Krahn aus Häven der Dorfschaft Niendorf das Wittinhaargehölz als Kurpark zur Verfügung.

Niemand weiß, welche Tiere oder ungewöhnlichen Tier-Wohngemeinschaften, wie sie jetzt der Sturm zutage gefördert hat, noch in den alten Eichen oder im Park existieren. Siebrecht geht davon aus, dass die Bienen oder Hummeln beim Absturz weggeflogen sind und sich eine neue Höhle suchen werden. Auch einige Fledermäuse dürften den Sturmschaden überlebt haben und davon geflogen sein. Für sie dürfte es angesichts immer besser gedämmter Häuser aber schwer sein, eine neue Bleibe zu finden, so der Fachdienstleiter.

„Der Kurpark mit seinem alten Baumbestand ist ein idealer Lebensraum.“
Joachim Siebrecht, Fachdienstleiter

Susanne Peyronnet

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