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Ostholstein Tierhilfe Ostholstein: Ende 2018 ist Schluss
Lokales Ostholstein Tierhilfe Ostholstein: Ende 2018 ist Schluss
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21:47 04.07.2017
Anna Gomberg mit „Paul“. Ihr Hund wird auch nach der Auflösung des Vereins bei ihr leben. Quelle: ser
Stolpe

In den kommenden Monaten sollen Dauerbewohner wie die zwei Laufenten und die Schildkröte vermittelt werden.

Vorsitzende will Verein auflösen – Aufnahme läuft nur noch eingeschränkt.

Das Gesetz

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen“, heißt es im Tierschutzgesetz.

Der Tierschutz gehört seit 2002 zum Grundgesetz.

Wer ein Haustier findet, soll sich beim Fundbüro melden. Die Tiere werden dann weitervermittelt.

Das schnelle Ende der Tierhilfe Ostholstein, 1999 aus der Taufe gehoben, hat einen ernsten Hintergrund. Vor gut zwei Monaten ist Anna Gomberg schwer gestürzt und musste sich ins Leben zurückkämpfen.

„Ursprünglich wollten wir die 20 Jahre vollmachen“, erinnert sie sich. Doch der Sturz habe alles verändert. Ebenso wie ihre langjährige Mitstreiterin, die zweite Vorsitzende Gabriele Flick, hat Gomberg genug. Sie sei inzwischen 70 und wisse, dass sie nicht ewig Vollgas geben könne. „Wir wollen den Verein vernünftig auflösen. Das benötigt Zeit“, sagt sie.

Die Entscheidung ist Anna Gomberg schwer gefallen. Seit Jahren kümmert sie sich Tag und Nacht um Tiere. Anfangs hätten sieben Vogelkäfige in ihrem Schlafzimmer gestanden, Katzenkinder waren im Bad einquartiert. Die Pflege der Tierbabys ist es auch, was Gombergs Schlafrhythmus in all den Jahren ruiniert hat. Ob Eichhörnchen oder Schwalbe, sie alle wurden liebevoll aufgepäppelt. „Ursprünglich wollten wir auf Tierschutzthemen aufmerksam machen“, sagt Gomberg. An Ständen wurden die Bürger über Tierversuche aufgeklärt. Irgendwann seien schließlich die ersten Fundtiere bei ihr abgesetzt worden. „Die Vereinsgründung war nicht geplant. Aber wir mussten etwas machen“, so Gomberg. Im Laufe der Jahre seien Volieren, Käfige, Freigehege und ein Quarantänebereich hinzugekommen.

Ehrenamtliche Helfer kamen und gingen. Auch wurden Mitarbeiter ausgebildet. Gerade erst haben Janne Lempert und Maria Ohrtmann ihre Ausbildung zur Tierpflegerin erfolgreich abgeschlossen. Sie zu übernehmen und bis zur Auflösung des Vereins weiterhin zu beschäftigen, das ist für Anna Gomberg selbstverständlich.

Bis dahin will sich Gomberg vor allem aber dafür einsetzen, dass die Stadt Neustadt und die zum Amt Ostholstein-Mitte gehörenden Orte ein neues Angebot für Fundtiere aufbauen. „Die müssen kapieren, dass sie verpflichtet sind, etwas zu bauen. Sie brauchen nichts für Wildtiere zu machen, aber für Fundtiere“, so Gomberg.

Jährlich habe die Tierhilfe bis zu 100000 Euro für die genannten Orte ausgegeben. „Das Auto, die Tierarztkosten, die Kastrierungen, die Versicherungen und die Mitarbeiter-Gehälter – all das kostet. Wir haben der Stadt und dem Amt viel Geld gespart“, sagt die Vorsitzende. Zudem hätten sie immer wieder darauf hingewiesen, dass sie sich nicht für immer auf die Tierhilfe verlassen könnten.

„Das Tierschutzgesetz ist im Grundgesetz verankert. Es ist deren Pflicht und Schuldigkeit, sich darum zu kümmern“, so Anna Gomberg nachdrücklich.

 Sebastian Rosenkötter

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