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Ostholstein Timmendorf: Ersatz für den „zweiten Rettungsweg“ muss her
Lokales Ostholstein Timmendorf: Ersatz für den „zweiten Rettungsweg“ muss her
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22:27 07.11.2013
Fast 25 Jahre alt ist die Timmendorfer Drehleiter, die Bernd Friedrich (l.), Björn Jessen und Hatice Kara gestern begutachteten. Quelle: S. Latzel
Timmendorfer Strand

„Alte Dame“ nennt Björn Jessen die „DLK 23/12 CC“. Seit 1990 steht die 30-Meter-Drehleiter im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Timmendorfer Strand. Doch wenngleich angesichts dieser langen Zeit auch ein wenig Nostalgie aufkommen mag, ist für Wehrführer Jessen klar: Die Drehleiter muss durch eine neue ersetzt werden. Zwar funktioniere die „alte Dame“, erklärt er: „Der Leiterpark wird jedes Jahr geprüft.“ Dennoch sei die Leiter im Laufe der Jahre etwas instabil geworden. Sie ist überdies die erste ihrer Art, die per Computer gesteuert wird. „Ich frage immer: Wer hat noch einen 25 Jahre alten Computer auf dem Schreibtisch stehen?“, illustriert Jessen den Stand der Technik, auf dem sich die „DLK 23/12 CC“ befindet.

Dass eine neue Drehleiter angeschafft werden muss, ist innerhalb der Verwaltung unbestritten. Aber diese Anschaffung wird teuer: 650 000 Euro koste ein neues Fahrzeug dieser Klasse, schätzt Ordnungsamtsleiter Bernd Friedrich. Die maximale Förderung liege bei 150 000 Euro, bleibt mindestens eine satte halbe Million Euro für die Gemeinde. Damals, 1990, habe die Drehleiter eine Million Mark gekostet, rechnet Wehrführer Jessen vor: „Wenn jetzt eine neue gekauft wird, für 650 000 Euro und für die nächsten 25 Jahre, finde ich das nicht überteuert.“

Dennoch muss das Geld aufgebracht werden. Aufgrund von Verwaltungsvorschriften und um die Finanzierung sicherzustellen, müsse diese Anschaffung bereits jetzt in den Haushalt gestellt werden, damit in etwa zwei Jahren tatsächlich eine neue Drehleiter im Timmendorfer Feuerwehrhaus an der B 76 steht, berichtet Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD). Wobei der Timmendorfer Drehleiter neben der Lebensrettung eine weitere wichtige Funktion zukommt — denn ohne sie wäre in den vergangenen Jahrzehnten so manche Baugenehmigung nicht zustande gekommen.

Die Drehleiter gilt nämlich als zweiter Rettungsweg, das heißt: Gebäude müssen zwar über einen zweiten Rettungsweg verfügen, doch dieser muss nicht unbedingt gebaut werden, wenn die Feuerwehr vor Ort über entsprechende Leitern als alternative Rettungsmöglichkeiten verfügt (siehe unten stehenden Auszug aus der Landesbauordnung). Diese Regel gilt nach Angaben der Kreisverwaltung vor allem für Wohngebäude, gelegentlich aber auch für Hotels.

Das wiederum brachte die Mitglieder des Timmendorfer Ausschusses für Verkehr und Brandschutzes Anfang dieser Woche auf eine Idee: Warum nicht diejenigen Gewerbetreibenden, deren Betriebe keinen zweiten Rettungsweg haben und die demnach vom Vorhandensein der Drehleiter profitieren, um eine freiwillige Spende für eine neue Drehleiter bitten? Wie viele Betriebe in diese Kategorie fallen, ist offenbar nicht ganz klar. Doch die „Zuständigkeit“ der Timmendorfer Drehleiter ist laut Jessen eine überörtliche, zu ihren Einsatzgebieten gehören beispielsweise auch Scharbeutz und Ratekau.

„Fragen kann man ja“, meint der Vorsitzende des Brandschutz-Ausschusses Kay Kastner (SPD). „Es geht schließlich um die Sicherheit, und die neue Leiter ist eben sehr teuer.“ Eine Beteiligung der Betriebe wäre also im Sinne des Gemeinwohls. Verhalten reagiert Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des schleswig-holsteinischen Hotel- und Gaststättenverbandes, auf die Anregung. „Brandschutz ist Sache der Gemeinde, und auf die Betriebe kommen ohnehin genug Belastungen zu“, sagt er. „Wenn allerdings die Kollegen vor Ort diese Idee aufgreifen, ist es ja deren Entscheidung.“

Bürgermeisterin Kara und Ordnungsamtsleiter Friedrich wollen den Vorschlag nicht gleich verwerfen. „Brandschutz ist selbstverständlich die Aufgabe der Gemeinde, das ist keine Frage“, betonen sie.

„Aber wenn uns jemand dabei freiwillig unterstützen möchte, ist das sicher gern gesehen.“

So regelt es die Landesbauordnung
Auszug aus der Landesbauordnung Schleswig-Holstein, § 34: „Für Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum wie Wohnungen, Praxen, selbstständige Betriebsstätten müssen in jedem Geschoss mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie vorhanden sein. (. . .) Für Nutzungseinheiten (. . .), die nicht zu ebener Erde liegen, muss der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe führen. Der zweite Rettungsweg kann eine weitere notwendige Treppe sein oder über eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit führen. (. . .) Gebäude, deren zweiter Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führt (. . .), dürfen nur errichtet werden, wenn die Feuerwehr über die erforderlichen Rettungsgeräte wie Hubrettungsfahrzeuge verfügt. Bei Sonderbauten ist der zweite Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr nur zulässig, wenn keine Bedenken wegen der Personenrettung bestehen.“

Sabine Latzel

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