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Ostholstein Timmendorf debattiert weiter über bezahlbaren Wohnraum
Lokales Ostholstein Timmendorf debattiert weiter über bezahlbaren Wohnraum
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21:28 28.03.2018
"Wir brauchen weitsichtige Lösungen." Anja Meints (WUB)
Niendorf

Die hatte das Vorhaben maßgeblich vorangetrieben. Mit einer Sondersitzung am Karsonnabend sollte ein letzter Versuch unternommen werden, dem Vertrag über den Kauf des Geländes durch die Gemeinde per Beschluss der Gemeindevertretung doch noch Gültigkeit zu verschaffen (die LN berichteten). Eine Woche zuvor hatte das Gremium den Kaufvertrag abgelehnt. Aus formellen Grünen wurde die Sondersitzung wieder abgesagt. Damit kommt der Kaufvertrag – letzter Termin 31. März – nicht mehr zustande.

Zufriedenheit und Bedauern: Nach dem Scheitern des Kaufvertrages für ein Neubaugebiet in Niendorf, hinter der Hermann-Kröger-Straße, sind die Reaktionen der Parteien von Timmendorfer Strand sehr unterschiedlich. Einige üben deutliche Kritik an Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD).

Kara ist enttäuscht, dass aus dem Kaufvertrag nichts wird. „Ich bedauere diese mangelnde Mitwirkung der Gemeindevertretung, da hierdurch die Chance vertan wird, bezahlbaren Wohnraum in Timmendorfer Strand zu schaffen. Voraussetzung für weiteren Wohnungsbau ist der Erwerb von Bauland. Nur so kann die Gemeindevertretung auf eigenen kommunalen Flächen unsere Gemeinde in städtebaulicher Hinsicht weiterentwickeln.“ Mit eigenem Land sei die Gemeindevertretung freier in ihren Planungen. Die Verkaufserlöse könnten gezielt für die Subventionierung bezahlbaren Wohnraums eingesetzt werden.

Alles andere als Bedauern über den gescheiterten Kaufvertrag herrscht bei CDU, WUB und Grünen. Christian Freitag, CDU-Vorsitzender in Timmendorfer Strand, greift Kara wegen ihrer Pläne an:

„Bezahlbarer Wohnraum war mit dem geplanten und von der Gemeindevertretung völlig zu Recht gekippten Neubaugebiet in Niendorf nicht zu realisieren. Hierbei handelt es sich um ein Täuschungsmanöver von Frau Kara, welches einzig und allein dem Wahlkampf dient, den Bürgerinnen und Bürgern aber den so dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum weiter vorenthält.“ Kara tritt zur Bürgermeisterwahl am 22. April wieder an.

Genugtuung über den gescheiterten Kaufvertrag herrscht auch bei den Grünen, allerdings aus anderen Gründen. Sprecherin Nicole Derber: „Es ist gut, dass es keine Bebauung in der direkten Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet geben wird. Der Flächenverbrauch unserer Gemeinde ist bereits erheblich, jeder weitere will gut überlegt sein.“ Einzelhausbebauung sorge bei hohem Flächenverbrauch für wenigen, aber teuren Wohnraum. Das sei schlecht für die Umwelt und für die Menschen, die bezahlbaren Wohnraum in Timmendorfer Strand suchen.

Freitag moniert, das Vorgehen Karas und ihre Informationspolitik seien „schlichtweg dilettantisch und völlig inakzeptabel“. Eine Gemeindeentwicklung solle mit einer breiten Zustimmung von Politik und Bürgern erfolgen. Der Gemeinde seien weitere Grundstücke angeboten worden. Freitag rät, aus allen angebotenen Grundstücken ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Bezahlbarer Wohnraum solle „nicht in anonymen Wohnblöcken, sondern in ansehnlichen, dem Ortsbild entsprechenden Gebäuden, nicht am Rande des Ortes, sondern völlig integriert“ geschaffen werden. Möglichkeiten sieht er dazu zwischen Oeverdiek und Kleintimmendorf. Freitags Vorschlag: „Wir sollten uns alle an einen Tisch setzen, das ist keine Sache, die nur eine Partei alleine machen kann. Wir brauchen einen Konsens.“

Gebraucht werden aber auch weitsichtige Lösungen, sagt Anja Meints, WUB-Mitglied im Sozialausschuss. Durch ein weiteres Neubaugebiet der vorgeschlagenen Art wären Kapazitäten in der Verwaltung gebunden worden, die dringend benötigt würden, um den Mietwohnungsbau zu fördern. Die Niendorfer Fläche sei ungeeignet, den Mangel an Mietwohnraum zu beheben“, sagt die WUB-Fraktionsvorsitzende Kerstin Raber. Auch sie appelliert an alle: „Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben.“

 Von Susanne Peyronnet

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