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Ostholstein Tod auf dem Fischkutter: Untergang gibt Rätsel auf
Lokales Ostholstein Tod auf dem Fischkutter: Untergang gibt Rätsel auf
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08:19 09.02.2016
Die „Condor“ lag bislang im Heimathafen Burgstaaken. Die dortige Fischergenossenschaft Fehmarn besteht aus 22 Mitgliedsbetrieben. 2019 feiert sie das 100-jährige Jubiläum der ersten Fischergenossenschaft. Quelle: Michael Amme/laif
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Burgstaaken a. F

Eine groß anlegte Suchaktion am Abend mit Rettungsschiffen, Kuttern sowie zwei Hubschraubern kam zu spät. Die beiden Besatzungsmitglieder der „Condor“ mit Heimathafen in Burgstaaken, der 52-jährige Kapitän und ein 45-jähriger Decksmann, konnten nur noch tot aus dem vier Grad kalten Wasser geborgen werden.

Weiterlesen: Kuttertragödie der „Condor“ macht die Fischer sprachlos

Die mehrstündige Suchaktion, an der sich auch dänische Rettungskräfte beteiligten, wurde daraufhin abgebrochen. Doch zwei Tage nach dem schrecklichen Unglück wirft der Hergang weiter viele Rätsel auf. Niemand kann sich erklären, wie es dazu kommen konnte. Denn zur Unglückszeit herrschten im Seegebiet östlich vor Fehmarn südliche Winde der Stärke vier (bis 28 km/h Windgeschwindigkeit) – kein Unwetter, kein Sturm.

Noch viel mysteriöser ist, dass der Unfall offenbar stundenlang unbemerkt blieb. Weder hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) einen Notruf der beiden erfahrenen Fischer empfangen, noch wurde bislang eine Seenotboje gefunden. Sie setzt einen automatischen Notruf ab, wenn ein Schiff sinkt und sie mit Wasser in Berührung kommt. „Nur einer der Männer hat sich noch einen Rettungsring umgelegt“, so Christian Stipeldey (DGzRS). Beide Leichname trieben jedoch ohne Rettungswesten im offenen Meer.

Zuletzt war die „Condor“ rund 6,5 Kilometer östlich von Fehmarn gesehen worden. Die beiden Fischer waren morgens aufgebrochen. Nach LN-Informationen hatten sie gegen Mittag von Bord aus Unterstützung bei ihrer Rückkehr in Burgstaaken angefordert, weil sie ausgesprochen viel Fisch gefangen hätten. Das war der letzte Kontakt zum Kutter. Als die „Condor“ Stunden danach noch immer überfällig war, wurde die Seenotleitung der DGzRS alarmiert.

Die Such- und Rettungsaktion begann kurz nach 18 Uhr. Zwei Stunden später entdeckten die Rettungskräfte erst in der Ostsee treibende Fischkisten und Tauwerk, später auch einige Wrackteile – und die beiden leblosen Körper. Stipeldey: „Die Seenotretter konnten beide nur noch tot bergen.“

Für die DGzRS ist der Einsatz damit beendet. Die Suche nach dem Kutter beginnt erst. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Kiel. Schon reifen wilde Spekulationen. Erst Sonnabend hatte ein Fischer in der Eckernförder Bucht eine Seemine im Netz gefangen. Für möglich gehalten wird aber auch die Kollision mit einem Frachter.

Doch um Klarheit zu gewinnen, muss der Kutter gefunden werden. Sonntag und gestern wurde die Suche nach dem unter rätselhaften Umständen gesunkenen Kutter fortgesetzt. Dessen genaue Position steht immer noch nicht fest, so eine Sprecherin des Wasser- und Schiffahrtamtes Lübeck.

Hafen Burgstaaken

Die „Condor“ lag bislang im Heimathafen Burgstaaken. Die dortige Fischergenossenschaft Fehmarn besteht aus 22 Mitgliedsbetrieben. 2019 feiert sie das 100-jährige Jubiläum der ersten Fischergenossenschaft.

Gefischt werden vor allem Dorsch, Hering, Sprotte, Scholle, Flunder und Aal. Die Verarbeitung erfolgt in der eigenen Räucherei und im Fischlädchen – sowie direkt von den Kuttern im Hafen.

Von Gerd-J. Schwennsen und Louis Gäbler

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