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Ostholstein Todesmarsch und Zivilcourage: Unterricht in der Gedenkstätte
Lokales Ostholstein Todesmarsch und Zivilcourage: Unterricht in der Gedenkstätte
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22:14 22.06.2017
Gedenkstätten-Leiterin Ingaburgh Klatt erläutert den Polizeischülern das Modell des Konzentrationslagers Fürstengrube. Quelle: Fotos: S. Latzel

Polizisten haben während der Zeit der NS-Herrschaft häufig unrühmliche Rollen gespielt – aber nicht alle. In Ahrensbök gab es beispielsweise den Polizeikommissar Oltmer, der sich weigerte, einen misshandelten Häftling ins Konzentrationslager zurückzubringen, aus Sorge um dessen Leben. Ein Beispiel für Zivilcourage, auf das die Leiterin der Gedenkstätte Ahrensbök, Dr. Ingaburgh Klatt, in dieser Woche mehrfach hinweist – denn täglich sind Polizeischüler aus Eutin zu Besuch, um sich mit den Ausstellungen in der einstigen „Direktoren-Villa“ an der Flachsröste zu beschäftigen.

Polizeischüler aus Eutin besuchen in dieser Woche die Ausstellung in Ahrensbök.

Die Zeit des Nationalsozialismus werde auch im Unterricht behandelt, sagt der Politik-Lehrer Matthias Rehm. Dabei gehe es unter anderem um die Polizei im Dritten Reich, etwa um das Polizei-Bataillon 307, das in Lübeck gebildet wurde und für die Ermordung und Deportation Zehntausender Menschen verantwortlich war. „Wir besprechen aber auch die Machtergreifung“, erklärt Rehm, „etwa, wie es möglich war, innerhalb von hundert Tagen aus einer Demokratie eine Diktatur zu machen, und was wir aus dem Scheitern der Weimarer Republik lernen können.“

Die 23 Polizeischüler und -schülerinnen im Alter von 17 bis 32 Jahren erkunden die Schautafeln zum frühen KZ in Ahrensbök, zu jüdischen Schicksalen und zur Zwangsarbeit. Sie sollen die Lebenswege von Insassen der Konzentrationslager Dora-Mittelbau (Thüringen) und Fürstengrube (Auschwitz-Außenlager) nachvollziehen – deren Alter, ihre familiären Hintergründe, ihren Beruf und ihre Tätigkeiten im Lager. Was berichten diese Menschen über den Todesmarsch? Wie gelang es ihnen, zu überleben? Diesen Fragen gehen die künftigen Polizisten nach. Eine 20-Jährige schätzt vor allem die zahlreichen Original-Dokumente, die gezeigt werden, sowie die persönlichen Äußerungen Betroffener, die zitiert werden: „Daran kann man die Ereignisse gut nachvollziehen.“ Es sei erschreckend, „wozu Menschen fähig sind“, sagt ein 22-Jähriger: „Es ist kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten mussten. Ich glaube, ich hätte das nicht lange durchgehalten.“

Mitten im Raum steht ein großes Modell des KZ Fürstengrube. Ingaburgh Klatt berichtet von Max Schmidt aus Sarau, der als SS-Oberscharführer ab 1944 das Lager und schließlich den Todesmarsch bis nach Ahrensbök und Lübeck leitete. „Ein Mann mit vielen Seiten“, sagt die Gedenkstättenleiterin über den Kommandanten, der am Kriegsende einige Häftlinge auf dem Gut seines Vaters unterbrachte und andere per Lkw nach Lübeck fuhr, von wo aus sie nach Schweden reisen sollten. Viele landeten auf der „Cap Arcona“, die am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht versenkt wurde – ein weiteres Ereignis, mit dem sich die Polizeischüler beschäftigen. „Das Thema berührt sehr, das merkt man“, meint Lehrer Matthias Rehm. „Und es stellt sich auch die Frage, wie vor diesem Hintergrund die Aufgaben der Polizei heute aussehen.“

Über Manipulation

Die nächste Veranstaltung in der Gedenkstätte steht am Sonntag, 25. Juni, an: Ab 15 Uhr liest Evamaria Friedrichsen aus ihrem Buch „Ich war braun – bis auf die Knochen und bis zum bitteren Ende“. Die 90 Jahre alte Zeitzeugin berichtet, wie sie und ihre Altersgenossen während der Nazizeit manipuliert wurden.

Geöffnet ist die Gedenkstätte (Flachsröste 16) sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie dienstags von 9 bis 12 Uhr. Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.gedenkstaetteahrensboek.de.

Sabine Latzel

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