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Ostholstein Ton, Steine, Erden in Eutin
Lokales Ostholstein Ton, Steine, Erden in Eutin
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20:17 29.01.2016
Die Bilder von Carsten Westphal entstehen in der Wüste mit Sand, Salz und Pigmentstaub. „Die Wüsten der Welt sind mein Atelier“, sagt der Hamburger Künstler.

Wenn Carsten Westphal die Nachrichten von Terror und Krieg in Nordafrika und dem Nahen Osten hört, packt ihn der Schmerz. „Es bricht mir das Herz“, sagt der Hamburger.

Er kennt viele Menschen in den arabischen Ländern, hat sie als sehr gastfreundlich und angenehm erlebt. Carsten Westphal, von Haus aus Archäologe, hat sich in der Kulturszene als „der Wüstenmaler“

einen Namen gemacht. Mit Leinwand, Wasser, Farbe und Pinsel bereist er die Wüsten der Welt, wo seine außergewöhnlichen Bilder entstehen. „Die Wüste ist mein Atelier“, sagt er. Doch das Atelier unter freiem Himmel hat sich vielerorts in eine Gefahrenzone verwandelt.

Die Faszination dieser weiten, rauen Landschaften aus Sand und Geröll lässt sich ab Sonntag, 7. Februar, in Eutin nachempfinden. Die „LiteraturGalerie 64“ präsentiert Wüsten-Werke von Westphal. Sie bilden aber nur einen Teil der Ausstellung „Terra Natura“. Die Galeristen Hilde und Hartmut Gewert zeigen noch zwei weitere Künstler, deren Werke in Material, Farbe und Anmutung mit den erdigen Bildern Westphals harmonieren: Skulpturen der Eutiner Malerin und Bildhauerin Renate Ursula Becker sowie Gefäßkeramiken von Eva Koj aus Kiel. Westphal wird direkt nach der Vernissage am 7. Februar an den Persischen Golf aufbrechen. Eigentlich wollte er nach Tunesien. Doch angesichts der Unruhen in dem Land ist er auf Oman umgeschwenkt, denn diesmal hat er auch ein Filmteam dabei.

Westphal zieht es immer wieder in die Wüste, per Jeep oder mit dem Kamel, allein oder mit Einheimischen. „Die unvergleichliche Stille, die Abwesenheit von Ablenkung und Geräusch, das Zurückgeworfen-Sein auf das Wesentliche“, so beschreibt er den Reiz.

Mit dem Elementaren kommen auch seine Bilder aus. Westphal bringt die Wüste auf die Leinwand: Sand, Salz, Staub, vermengt mit Pigmenten, Binder, Wasser. Die Strukturen und Reliefs entstehen Schicht für Schicht in der Wüste, im Hamburger Atelier folgen Nach- und Feinarbeit. Von einer Reise hat er einmal 18 Bilder, von einer anderen nur ein Bild mitgebracht.

Erdverbunden sind auch die Skulpturen von Renate Ursula Becker. Die gebürtige Eutinerin arbeitet mit alten Steinen und verwitterten Hölzern, die sie am Strand oder auch mal im Bauschutt aufsammelt.

Die Fundstücke verbindet sie mit Raku-Tonelementen zu archaisch wirkenden Objekten und Figuren. Bis sie Hand an die Fundstücke anlegt, kann es dauern. „Ich betrachte sie lange und überlege, was ich daraus mache“, beschreibt Becker ihre Arbeitsweise. Was kein Museum erlaubt, ist von ihr ausdrücklich gewünscht. „Meine Plastiken sind alle zu begreifen. Ich finde dieses sinnliche Erleben wichtig“, sagt die frühere Lehrerin für Kunst und Technik. Sie hat Recht: Es fühlt sich gut an, über den glatt polierten Ton zu streichen.

Eva Koj, Künstlerin Nummer drei, dehnt ihre Tongefäße auf der Drehscheibe, bis die Ränder hauchdünn sind und ausfransen. Auch Risse und krustige Oberflächen sind gewollt. Ihre Arbeiten sollen Wiederbegegnungen sein mit Erinnerungen „an Schönheit, Harmonie und kraftvolle Lebendigkeit, aber auch Vergänglichkeit“, beschreibt die Künstlerin ihr Schaffen. „Ich hatte Eva Koj schon länger im Hinterkopf“, berichtet Hilde Gewert, wie es zu der Ausstellung kam. Auch Westphal und Becker kannte sie. „Ich habe die drei dann sehr schnell zusammen gedacht — und die waren auch gleich einverstanden“, freut sich Gewert.

Bis zum 20. März werden die Werke des Trios in der „LiteraturGalerie 64“ in der Plöner Straße 64 zu sehen sein, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.

Flankiert wird die Ausstellung von einem literarischen Abend zum Thema Wüste am 23. Februar und dem Dokumentarfilm „Die Tunisreise“ am 13. Februar im „Binchen“-Kino Eutin, wo auch ein Kurzfilm über Carsten Westphal gezeigt wird. Informationen unter www.literaturgalerie64.info. pet

„Die Wüste gibt mir
Raum, meine Gedanken fliegen zu lassen.“
Wüstenmaler Carsten Westphal

LN

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