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Ostholstein Top-Start für Ostholsteins Campingplätze
Lokales Ostholstein Top-Start für Ostholsteins Campingplätze
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20:30 05.04.2014
Angekommen am Wulfener Hals: Ralf (72) und Rosi Bröschke (70) aus Berlin bauen gestern Mittag das Vorzelt auf. Seit 25 Jahren campen sie hier.
Fehmarn

Dauerregen gestern in Ostholstein. Nicht einmal die Sonneninsel Fehmarn blieb davon verschont. Doch einen echten Camper kann das kühle Nass nicht die Vorfreude aufs eigene Wohlfühl-Erlebnis draußen auf dem naturnahen Platz an der Ostsee vermiesen. Mit großer Euphorie startet in dieser Woche die neue Campingsaison. Der milde Winter und das späte Osterfest machen Hoffnung auf eine bevorstehende Top-Saison.

Und tatsächlich: Die ersten Vorboten sind so vielversprechend wie seit vielen Jahren nicht mehr. Satte 12,5 Prozent Zuwachs bei den Buchungen schon zu diesem frühen Zeitpunkt bestätigt Jens-Peter Bumann. Der Vorsitzende des Vereines „Camping-Paradies Ostsee-Insel Fehmarn“, dem inselweit 16 Plätze mit rund 6500 Stellplätzen angehören, kennt solche Prognosen sonst allenfalls von Mitte Juni.

Mehr noch: „Auf der Insel sind zu Pfingsten einzelne Plätze schon jetzt ausgebucht.“

Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass auch das Jahr 2014 mit einem zweistelligen Plus enden muss. Nur: „Vor einem Jahr lagen die Plätze Ende März noch unter einer weißen Schneedecke, jetzt ist ein Großteil der Buchungen schon durch. Vor einem Jahr mussten wir dagegen noch acht Wochen nervös darauf warten, was auf uns zukommt.“

Bumann weiß, wovon er spricht. Denn vor Jahresfrist war die Vorsaison „völlig tot“ — überall in Ostholstein. Die Inselplätze erreichten im Schnitt nur ein Drittel der normalen Auslastung. Monatelang.

„Damit haben wir lange zu kämpfen gehabt“, so Bumann. Bis der Super- Sommer kam, der dann nicht enden wollte. Plötzlich ging es auf den Campingplätzen rund. Addiert mit der äußert mauen Vorsaison legten die Insel-Campingplätze im Jahresschnitt bei den Übernachtungen um etwa 7,5 Prozent zu. „Das lag an einer zweistellig besseren Hauptsaison, die bis in den September reichte und uns gerettet hat“, blickt Bumann zurück.

Seine Schlussfolgerung daraus gilt als Faustregel für die meisten Campingplatzbetreiber in Ostholstein, sofern sie überwiegend auf Touristikcamper (und nicht auf Dauercamper) setzen. Es gibt offenbar ein Potenzial von 15 bis 20 Prozent unter den Camping-Gästen, die sehr spontan entscheiden, ob sie ihre Urlaubszeit — die mit Ausnahme der Rentner vorher weitgehend feststeht — in Kroatien, Italien, Spanien oder zum Beispiel auf einem Campingplatz in Ostholstein verbringen.

Die Insel ist mit der hohen Anzahl der Plätze Top-Adresse der Campingurlauber in Ostholstein. Doch auch kreisweit war der Aufschwung 2013 deutlich spürbar. Es gab ein Plus 3,9 von Prozent bei den Übernachtungen, so Johannes Lüneberg von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh). Zum Vergleich: Das bislang letzte große Plus von damals 8,2 Prozent gab es 2009, seither stagnierte das Wachstum bei leichten Rückgängen zwischen 0,2 und 0,6 Prozent.

Vielerorts stehen die Plätze vor einem Umbruch. „Campinghütten“ lautet das Zauberwort. Die Egoh versucht mit der von ihr betreuten „Qualitätsoffensive Camping-Tourismus“, die 2013 ausgelaufen ist, die Pläne zu forcieren. Sie zielen vor allem auf ein verändertes Freizeitverhalten, ebenso auf älter werdende Stammgäste.

Es gibt kreisweit viel Bewegung in dieser Richtung — ob in Neukirchen/Heringsdorf, Neustadt/Schashagen, Wangels oder auf Fehmarn. Nur: „Es steht noch keine einzige“, verweist Lüneberg auf die zähe B-Plan-Änderungen. Die „Hütten-Euphorie“ hat auch Fehmarn erfasst, doch auch hier ist noch kein einziger B-Plan durch. Es ist aber ein Zukunftsmodell, zumindest für Teile der Campingplätze. Mit rund 50 000 Euro sind die Investitionskosten hoch. Aber: Sie könnten als wetterunabhängige Alternative die Vor- und Nachsaison stärken.

Zahlenspiegel: Camping in Ostholstein
85 Campingplätze gibt es in Ostholstein. Darunter bieten 70 Standplätze für Touristikcamper an. Landesweit sind es 304 (249 für Touristikcamper).



296 352 Touristikcamper kamen 2013 in Ostholstein an (landesweit 815 518). Es gab 1,39 Millionen Übernachtungen (landesweit 3,06 Millionen). Dauercamper sind nicht erfasst.

Zum Vergleich: Es gab 2013 landesweit 21,75 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben (mit mehr als zehn Betten). In Ostholstein waren es 5,63 Millionen Übernachtungen.



Der Umsatz durch Touristik- und Dauercamper wurde 2012 landesweit auf rund 229 Millionen, in Ostholstein auf knapp 103 Millionen Euro geschätzt.

Gerd-J. Schwennsen

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