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Tourismus boomt, aber die Jugend verlässt die Stadt

Heiligenhafen Tourismus boomt, aber die Jugend verlässt die Stadt

Der soziodemografische Wandel in Heiligenhafen, aber auch im gesamten Kreis Ostholstein, stimmt nachdenklich — es gibt immer weniger Jugendliche im Kreis.

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Hier entstehen 100 Arbeitsplätze: Vorbei an den Rohbauten von „Bretterbude“ (r.) und „Beach Motel“ geht es weiter zur Seebrücke.

Quelle: Mantik

Heiligenhafen/Ostholstein. Heiligenhafen befindet sich im Wandel. Der Tourismusort erhält ein neues Erscheinungsbild, wie die Großbauten auf dem Steinwarder und in der Innenstadt belegen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Ort zu entwickeln und in diesem Zuge junge Menschen in die Warderstadt zu locken, muss sich zeigen. Ein Blick in das Stadtentwicklungskonzept des Management- Beraters „Cima“ lässt Zweifel aufkommen. Unter dem Oberbegriff soziodemografischer Wandel finden sich statistische Größen, die eine düstere Zukunft beschreiben.

Von allen Städten Ostholsteins legt laut „Cima“ Heiligenhafen im Vergleich zum Landesdurchschnitt bei den ab 65-Jährigen am stärksten zu und verliert nach Neustadt die meisten Jugendlichen bis zum Jahr 2025. Schon heute gehören beispielsweise der Altersgruppe der 25- bis 26-Jährigen nur 99 Personen an, bei den 75- bis 76-Jährigen sind es dagegen 195. Laut Bertelsmann-Stiftung wird die Zahl der 80-Jährigen um 52,2 Prozent zunehmen und sich der Altenquotient von 53,9 Prozent (kreisweiter Spitzenwert) auf 81,3 erhöhen. Außerdem verliert Heiligenhafen nach Oldenburg pro Jahr am meisten Mitbürger. Es sterben mehr, als nachrücken — und zwar dokumentiert bereits seit 2004. Die „Cima“ bezieht sich dabei unter anderem auf Daten des Statistikamtes Nord.

Bisher wurden diese Zahlen aus dem Gutachten in Heiligenhafen noch nicht politisch diskutiert. Vielmehr liegt das Gutachten seit Monaten bei vielen Stadtvertretern in den Schubladen.

Derzeit beschäftigt sich jedoch die CDU mit den Daten. Stadtvertreter Georg Rehse sagt aus seiner Sicht: „Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.“ Der Ist-Zustand der Stadt sei nie in Gänze erfasst worden. Ein Versäumnis, wie Rehse gesteht. Er habe noch keine Lösung, wisse allerdings um die Probleme. „Fragen sie mal die Handwerksbetriebe. Die finden kaum Auszubildende, geschweige denn Wohnraum für ihre Mitarbeiter.“ Das Gleiche gelte für Hotellerie und Gastronomie. „Wir haben vieles richtig gemacht, aber eben nicht alles“, sagt Rehse. Positive Bausteine seien der Jugendclub „Moin Moin“ und die modernen Sroka-Hotels. Rehse: „Aber das kann nur der Anfang sein.“

Der Kreis Ostholstein bewertet das Thema weniger kritisch. Pressesprecher Jan-Wendelin Henrich erklärt: „Bei der Attraktivität für junge Leute ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie Ausbildungs- und Arbeitsplätze vorfinden, die sie ansprechen und die Perspektiven bieten.“

Grundsätzliche Hauptattraktivität des Kreises Ostholstein bliebe die Lage an der Ostsee mit für den Tourismus idealen Bedingungen. Was der Kreis an dieser Stelle verschweigt: Erstens sind die Gehälter im Tourismus eher gering, Wohnraum rar oder kaum bezahlbar sowie der Fachkräftemangel erheblich. Überall suchen Touristiker nach Arbeitskräften, können aber kaum Rahmenbedingungen schaffen, die dies ermöglichen.

Hotelbetreiber Jens Sroka, der in Heiligenhafen die „Bretterbude“ und das „Beach Motel“ bauen lässt, sagt: „Personal werden wir bekommen.“ Ein Teil aus den neuen Bundesländern, ein anderer von der Konkurrenz. 100 Mitarbeiter sollen es sein. Die größere Herausforderung sei bezahlbarer Wohnraum. Sroka denkt über verschiedene Modelle nach, auch über den Bau eines Mitarbeiterhauses. Denn der Markt biete nur Wohnraum, der entweder nicht bezahlbar oder nicht adäquat sei. Sroka sagt: „Wir befinden uns mit Maklern, Vermietern und Geschäftspartnern im Austausch, um für alle Mitarbeiter bezahlbaren Wohnraum zu finden.“ Von Verhältnissen wie auf Sylt oder in St. Peter sei Heiligenhafen noch ein Stück weit entfernt. „Da werden auch Garagen für 500 Euro im Monat vermietet.“ Wichtig sei, dass Heiligenhafen rechtzeitig die Kurve kriege, damit die düsteren Prognosen nicht eintreten.

Zahlen und Prognosen

Einwohner 9139, davon 4950 der Bevölkerungsschicht 65 Jahre Plus.

Einwohnerprognose: bis 2025 minus 2,7 %, Kreis: -3,6; Land: -1,5 %.

Sozialversicherungspflichtig sind 1950 Heiligenhafener.

Haushalte: Für drei und mehr Personen: 11,72 %; Ein-Personen-Haushalte: 44,10 %; Ein-Personen-Haushalte durch Sonderfälle wie Gemeinschaftsunterkünfte: 17,36 %; Zwei-Personen- Haushalte: 26,82 %.

Hochschulabschlüsse: 3,3 % der Einwohner, 303 Menschen.

Einkommen: 2010 hatte Heiligenhafen ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von 22464 Euro (Monatslohn 1872 Euro). Dazu im Vergleich Scharbeutz 36000 Euro, Timmendorf 35000 Euro, Deutschland: 36000 Euro.

Von Peter Mantik

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