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Ostholstein Training für Extrem-Situationen: Die Wüsten-Simulation
Lokales Ostholstein Training für Extrem-Situationen: Die Wüsten-Simulation
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17:35 12.08.2018
Wie in der Sahara: Die Teilnehmer des Überlebenstrainings erklimmen eine große Sanddüne im Kreuzfelder Kies- und Schotterwerk. Quelle: Fotos: Hfr (3), S. Bücker
Malente

Was für ein Sommer. Deutschland diskutiert über eine drohende Heißzeit, Landwirte fahren geringere Ernten ein, die Landschaft verdorrt. Ob es in Zukunft wohl hierzulande eine wüstenähnliche Vegetation gibt? Wie nur mit Hitze und Trockenheit klarkommen? Überlebenstrainer Detlef Kamerau macht es vor. Er hat sich seine eigene Wüste gebaut, in einem noch in Betrieb befindlichem Kies- und Schotterwerk in der Gemeinde Malente. Es gibt eine Dünenlandschaft, eine Wasserquelle, sogar Kakteen hat der Survival-Trainer in der Grube eingepflanzt und essbare Insekten und Skorpione ausgesetzt.

Überall heißer Sand. Flimmernde Luft, drückende Hitze, die Kleidung klebt auf der Haut, die Kehle ist trocken. So fühlt sich das an, wenn man in der Wüste ist. Detlef Kamerau bietet ein spezielles Training in extremer Dürre an – und zwar in Malente.

Möglichst realistisch soll alles aussehen für die Menschen, die sich für ein Überlebenstraining in der Wüste anmelden. Darunter sind abenteuerhungrige Familien, Jugendgruppen, Touristen, die sich auf eine Wüstenreise vorbereiten wollen, Soldaten. Sogar Menschen, die Angst vor einer nahenden Apokalypse haben und gerüstet sein wollen für den Ernstfall.

Manche bleiben nur wenige Stunden, andere harren mehrere Tage und Nächte zwischen den Sandbergen aus. „Das ist wie in der Wüste Gobi, auch hier orientieren wir uns am Polarstern“, sagt Kamerau. Und wenn es doch einmal regnet? „Dann machen wir ein Monsun-Training“, erklärt der Survival-Trainer. Kein Grund, die Simulation abzubrechen. Kamerau gewöhnt die Teilnehmer Stück für Stück an das Überleben in der Natur, zeigt beispielsweise, wie man mit wenig Hilfsmitteln einen „Menschen-Kühlschrank“ herstellt. Das ist ein Quartier, das Hitze und Sonnenstrahlen abhält. Mit einem Stock gräbt er eine Grube, darüber wird eine Erste-Hilfe-Rettungsdecke ausgebreitet, die Konstruktion mit Steinen befestigt. Wer sich unter der Plane flach in den Sand legt, hält die Hitze vom Körper fern. Um den Körper abzukühlen, könne man in Extremsituationen auch nassen Lehm oder den eigenen Urin auf der Kleidung verteilen. „Trinkwasser über den Kopf gießen ist Verschwendung“, sagt Kamerau.

Auch Nahrung kommt aus der Wüste. Ein Feigenkaktus etwa. Der sei komplett essbar. In Kameraus Wüste wachsen aber auch ein paar ungenießbare Exemplare. Man erkennt sie daran, dass sie einen milchigen Saft in sich tragen, der scharf und ätzend ist.

Das Credo des drahtigen Mannes: „Es gibt keine Extreme und es gibt keine Probleme.“ Das Überleben fange im Kopf an. „Wir können vieles instinktiv und müssen nur wieder lernen, wie das geht.“ Früher war Kamerau Soldat und in verschiedenen Wüsten im Einsatz. Der 49-Jährige weiß, was Durchhalten bei fast 50 Grad Hitze am Tag und bei minus zwölf Grad in der Nacht bedeutet. Wie es sich anfühlt, körperlich an die Komfortgrenzen zu geraten. Doch das schockt ihn nicht. So hat er schon den höchsten Berg Afrikas, die 5895 Meter des Kilimandscharo bezwungen. Hierzulande ist Kamerau zu Fuß nach Magdeburg gelaufen, 16 Tage lang, querfeldein, abseits der Straßen und Wege durch den Wald. Sein Navigationsgerät: Sonne, Mond und Sterne. Im Gepäck hat er stets nur seine Krankenversichertenkarte, „falls doch mal was passiert.“

Survival-Kurse

Die nächsten buchbaren Wüsten-Kurse bietet Detlef Kamerau am Dienstag, 14. August, von 10 bis 15 Uhr für Kinder (8 bis 14 Jahre) an. Am Wochenende, 25. und 26. August, gibt es einen Kursus für Erwachsene mit einer Übernachtung im Kieswerk. Anmeldung per Telefon unter

045 23/20 71 50

oder per Mail an:

info@survival-malente.de

Saskia Bücker

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