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Ostholstein Traumata – die schwere Last vieler Flüchtlinge
Lokales Ostholstein Traumata – die schwere Last vieler Flüchtlinge
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20:12 17.01.2017
„Viele haben Schaden genommen an Leib und Seele.Eberhardt Jänsch-Sauerland Traumata-Experte

„Wenn das Kugelschreiber-Klicken wie ein Maschinengewehr klingt “: Traumata-Experte Eberhardt Jänsch-Sauerland weiß, warum Flüchtlinge auf bestimmte Signale des alltäglichen Lebens anders reagieren, als es sich viele Ostholsteiner vorstellen können. Fehmarns Integrationsbeauftragte Nadine Witt freut sich, dass sie ihn als Gastredner für einen Info-Abend heute in Burg gewinnen konnte.

Die Veranstaltung

Der Info-Abend „Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen“ mit dem Traumata-Experten Eberhardt Jänsch-Sauerland findet heute, 18. Januar, auf Fehmarn statt. Beginn ist um 18.30 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Burg (Breite Straße 47).

Veranstalter: Integrationsbeauftragte der Stadt Fehmarn, Nadine Witt.

Kontakt: n.witt@stadtfehmarn.de oder Tel. 043 71/506-668.

Seine ersten Erfahrungen als Traumatherapeut machte er 2000 im Kosovo. Jänsch-Sauerland kann inzwischen auf eine 17-jährige Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen verschiedener Ethnien zurückblicken. Heute ist er Koordinator des Netzwerkes zur Versorgung traumatisierter Flüchtlinge in Ostholstein.

„Viele Flüchtlinge haben bei ihrer Flucht Schaden genommen an Leib und Seele, sind traumatisiert und müssen sich in einer ihnen fremden Welt zurechtfinden“, so Jänsch-Sauerland. Die heutige Veranstaltung „Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen“ auf Fehmarn sieht er als Chance, die Zuhörer für die Probleme der betroffenen Menschen zu sensibilisieren und Verständnis für deren veränderte Lebensbedingungen zu wecken.

„Dieses Thema ist in Deutschland durchaus bekannt. Es wurde aber nicht darüber gesprochen, weil es ein Zeichen von Schwäche war“, weiß auch der Fehmaraner und pensionierte Sozialpädagoge Jörgen Linneberg. Er hat selbst den Zweiten Weltkrieg miterleben müssen: „Die Traumata der Menschen, die damals ausgelöst wurden, sind ein Problem, weil sie nie behandelt wurden. Das Feuerwerk an Silvester kann ich bis heute nicht genießen, da ich als Achtjähriger mit einem nassem Tuch vor dem Mund im Bombenhagel durch Königsberg laufen musste.“

Linneberg steht stellvertretend für die vielen ehrenamtlich Aktiven in der Flüchtlingshilfe. Auch der Asylbetreuer der Stadt, Nuri Hasso, der seit September seinen Dienst in der Flüchtlingsunterkunft in Albertsdorf aufgenommen hat, weiß: „Wenn Traumata nicht behandelt werden, können Betroffene leicht ihr Selbstvertrauen verlieren. Sie sehen nach vorne, können aber nicht nach vorne gehen, sondern laufen nur im Kreis. Sie fühlen sich einsam, obwohl sie inmitten von Tausenden Menschen stehen“, so der ausgebildete psychologische Betreuer mit dem Schwerpunkt Traumatherapie und Vergangenheitsbewältigung.

„Die Flüchtlinge zu verstehen kann helfen, Brücken zu bauen zwischen den Einwohnern und den Menschen, die auf ihrer Flucht vor Krieg und Ungerechtigkeit in unser Land gekommen sind“, betont die Integrationsbeauftragte Witt: „Kaum jemand flieht aus seinem Heimatland und lässt alles hinter sich, wenn es ihm dort gut geht.“

Gerd-J. Schwennsen

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