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Ostholstein Trennt sich Bosau vom Kurgasthaus?
Lokales Ostholstein Trennt sich Bosau vom Kurgasthaus?
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22:31 30.10.2013
VHS-Leiter Jürgen Behnke im teilbaren Tagungsraum des Kurgasthauses: 60 Prozent der Volkshochschul-Angebote finden in dessen Räumen statt. Quelle: Fotos: Peyronnet
Bosau

Der Familien-Hospizverein „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“ erwägt, das Haus des Kurgastes in Bosau zu kaufen. Ein Ansinnen, über das bisher nur nichtöffentlich in den Bosauer Gremien gesprochen wurde. Am 2. Dezember ist der Kaufwunsch Thema im öffentlichen Teil des Tourismusausschusses. Mit offenem Ausgang. Zuvor, am 12. November, will der Vorstand des Schmetterlingsvereins konkret über den Kauf und das mögliche Raumkonzept beraten.

Der Verein, der einst plante, in Bosau ein Familienhospiz zu bauen und dann zunächst auf die ambulante Hospizarbeit umschwenkte, will zurück nach Bosau. „Satzungsziel ist weiterhin, das stationäre Hospiz zu bauen“, sagt Jutta Burchard, die Vorsitzende. Dafür besitzt der Verein bereits ein Grundstück in Bosau.

Zurzeit arbeiten die „Schmetterlinge“ im Pansdorfer Bahnhof — unter beengten Verhältnissen. Das Haus des Kurgastes würde die Raumprobleme lösen. „Wir haben uns das Haus angeguckt. Weiter sind wir noch nicht. Wir haben noch keine konkrete Planung und wissen nicht, ob es geeignet ist“, sagt Burchard zum Stand der Dinge. Am Ende stehe die Frage, ob die Mitglieder den Kauf wollen, darüber müsse eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden. Sollten die „Schmetterlinge“ das Haus des Kurgastes kaufen, würde die Geschäftsstelle des Vereins dort einziehen. Möglicherweise könnte die Arbeit in Bosau mit der in Pansdorf kombiniert werden, wo viele Ehrenamtler für den Verein arbeiten, so Burchard.

Das Haus des Kurgastes gibt mehreren Organisationen Heimstatt. Es beherbergt die Tourist-Information, ein Internetcafé und die Bosauer Bücherei, wird von Volkshochschule, Seniorenbeirat und DRK genutzt, ist Probenraum für die internationale Oboen-Akademie und Versammlungsort für viele Sitzungen.

Für die Bosauer Politik gibt es beim Verkauf des Kurgasthauses viel zu bedenken. Da ist zum einen die nicht unerhebliche Einnahme für den Gemeindehaushalt. Andererseits wird das Haus von verschiedenen Gruppen genutzt, die nun um die Zukunft ihrer Arbeit bangen. Allen voran die Volkshochschule. „Wir würden in Schwierigkeiten kommen, wenn wir das Haus verlieren“, sagt VHS-Leiter Jürgen Behnke. Elke Strauch, als ehrenamtliche Büchereileiterin und als Seniorenbeiratsvorsitzende doppelt mit dem Haus verbunden, fände es sehr schade, wenn es nicht mehr zur Verfügung stünde. „Es ist eine Art Dorfmittelpunkt.“

Etwa 60 Prozent aller VHS-Angebote, das sind 600 Stunden im Jahr, finden im Haus des Kurgastes statt. Dazu gehören auch Fitness- und Yogakurse, für die der große Sportraum im Obergeschoss ideale Bedingungen bietet. Alternativen hätte die VHS kaum, sagt Behnke. Die Schule sei nur bedingt geeignet, weil die Kurse auch in den Winterferien weitergehen, wie sei es dann mit dem Heizen?

Elke Strauch möchte als neue Seniorenbeiratsvorsitzende wieder einen Spielenachmittag ins Leben rufen — im Haus des Kurgastes. „In eine Gaststätte zu gehen, ist nicht so gut, die alten Leute wollen nichts zu trinken bestellen.“ Die Sitzungen des Beirates finden ebenfalls im Haus des Kurgastes statt. Dort hat auch die Bosauer Bücherei ihr Domizil.

Immer mittwochs und in den Sommerferien an jedem Werktag ist die kleine Bücherei geöffnet — als Selbstbedienungs-Bibliothek, in der die Leser ihre Ausleihen selbst in einer Kladde notieren. Immerhin fünf bis sechs Besucher kommen jeden Mittwoch. „Wenn die Bücherei dort weg müsste, brauchen wir einen neuen Raum. Es wäre schade, wenn das den Bach runterginge“, sagt Strauch.

Die Bosauer Politiker haben sich noch keine Meinung über einen Verkauf gebildet. CDU-Fraktionschef Manfred Wollschläger wollte sich nicht äußern. SPD-Fraktionschefin Birgit Steingräber-Klinke sagte: „Wir sind offen dem Thema gegenüber, haben aber noch Diskussionsbedarf. Man muss das in einem größeren Zusammenhang für die Ortsmitte sehen.“

Hospiz-Bau auf Eis gelegt
Der Verein „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“ wird 2006 von dem Pansdorfer Ehepaar Adler gegründet. Ziel ist es von Anfang an, ein Familienhospiz, den „Schmetterlingshof“, zu bauen.

Den Bauplatz für den „Schmetterlingshof“ kauft der Verein wenige Monate später. Es ist ein 12,6 Hektar großes Grundstück in Bosau, direkt am See.

Das Ziel eines Familienhospizes muss der Verein 2010 zunächst aufgeben.
Orkan schuf freien Blick
Vor dem Haus des Kurgastes kreischten gestern die Motorsägen. Arbeiter zerlegten zwei große Linden, die vom Orkan „Christian“ am Montag umgeworfen worden waren. Die großen Bäume gehören zu einer ganzen Reihe von Linden. Nachdem sie zersägt waren, wurde sichtbar, dass sie offenbar stellenweise morsch waren. „Wir haben die Bäume gerade erst auf Standfestigkeit überprüfen lassen, das Ergebnis war positiv“, sagte Bürgermeister Mario Schmidt (parteilos). Ob die Bäume nachgepflanzt werden, ist offen, darüber muss die Kommunalpolitik entscheiden. Die Lücke in der Baumreihe ist nicht besonders einschneidend und symmetrisch: Die gestürzten Bäume standen rechts und links des Weges zum Haupteingang.

Susanne Peyronnet

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