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Ostholstein Trotz Handicap: Auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt
Lokales Ostholstein Trotz Handicap: Auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt
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00:00 13.10.2012
Nico Meier und Magdalena Vogel sind mit ihrem Arbeitsplatz im Stadtcafé rundum zufrieden.
Ostholstein

Wer als Gast das Oldenburger Stadtcafé betritt und einen Blick auf das Personal wirft, der wird vermutlich feststellen: freundlich, engagiert, ein offensichtlich gutes Arbeitsklima. Was sich beim ersten Hinsehen nicht offenbart: 40 Prozent der Mitarbeiter sind Menschen mit einem Handicap. Das Stadtcafé ist einer von fünf Betriebszweigen, die die Ostholsteiner Dienstleistungsgesellschaft (OHDG) als 100-prozentige Tochter der „Horizonte Ostholstein“ (ehemals „Ostholsteiner Behindertenhilfe“) in Neustadt und Oldenburg betreibt. Im Oldenburger Kino, einem weiteren Arbeitgeber unter der Regie der OHDG, wurde gestern das fünfjährige Bestehen des kreisweit einzigen Integrationsunternehmens gefeiert.Guckt man in die strahlenden Gesichter von Nico Meier und Magdalena Vogel, dann braucht man nicht mehr zu fragen, ob ihnen die Arbeit Spaß macht. Die beiden haben vor gut zwei Jahren eine Anstellung im Oldenburger Stadtcafé gefunden. Nico Meier (25) hatte zuvor in den Oldenburger Werkstätten gearbeitet. „Das war nicht so mein Ding“, erinnert er sich rückblickend. Von Jugend an wollte er eigentlich immer schon Koch werden. Im Stadtcafé arbeitet er jetzt in der Küche, richtet kalte Platten an, hilft bei der Zubereitung warmer Speisen und springt auch mal ein, wenn es beim Service eng wird.Im Service arbeitet auch Magdalena Vogel: „Der Kontakt mit den Kunden macht mir am meisten Spaß, man trifft immer wieder neue Leute. Und das Arbeitsklima hier ist toll“, so die 23-Jährige.Ziel sei es, die Arbeitnehmer mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis und damit in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, schildert Stadtcafé-Chef Stephan Schlegel das Grundprinzip des Integrationsunternehmens. Nico Meier und Magdalena Vogel sind auf einem guten Weg dorthin. Ihre Ausbildung gründet sich auf sogenannte Bildungsbausteine der Industrie- und Handelskammer. Ihren jetzigen Ausbildungsabschnitt werden sie mit einem Zertifikat und einem Zeugnis abschließen.Ein Arbeitsplatz in einem fördernden und fordernden Umfeld, zudem noch nah am eigenen Wohnort – für Menschen mit Handicap alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wie auch Reinhard-Ehmke Sohns, Geschäftsführer der „Horizonte Ostholstein“, im Rahmen der Feierstunde betonte: „Die OHDG hat Arbeitsbedingungen für Menschen geschaffen, die ansonsten kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten.“ Geschäftsführer Wolfgang Langfeldt verwies auf die Problematik der Anfangsjahre, Hochwertigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bekommen. Denn neben der Personalführung gehörten die pädagogische Betreuung und Anleitung der Menschen mit Handicap zu den zusätzlichen Aufgaben des Unternehmens.Das gute Arbeitsklima zwischen Arbeitnehmern mit und ohne Beeinträchtigung machte Heike Müller-Ramm, Bereichsleiterin der Betriebszweige Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung und Hausmeisterdienste in Neustadt, zum Thema: „Integration spielt bei uns keine Rolle. Der beste Beweis dafür, dass sie bei uns zu 100 Prozent gelungen ist.“ Jeder Mitarbeiter werde geschätzt und entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt. Müller-Ramm: „Es gibt Raum für Weiterentwicklung, die Mitarbeiter wachsen an ihren Aufgaben und somit wird auch die Leistung insgesamt gesteigert.“ Viel Unterstützung „von der Chefetage bis ins kleinste Glied“ bescheinigten auch OHDG-Mitarbeiter der ersten Stunde ihrem Arbeitgeber.Stephan Schlegel hob im Gespräch mit den LN hervor, dass alle Betriebszweige die finanziellen Mittel aus eigener Kraft erwirtschaften müssen. „Wir stehen mit anderen Betrieben in einem ganz normalen Wettbewerb.“ Und vielleicht ist es gerade das, was Nico Meier und Magdalena Vogel so strahlen lässt: Sie führen ein ganz normales Arbeitsleben.

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