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Ostholstein Tunnel statt Brücke: Fehmarn braucht neuen Forderungskatalog
Lokales Ostholstein Tunnel statt Brücke: Fehmarn braucht neuen Forderungskatalog
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20:19 15.01.2016
Havarieunfall-Gefahr: Im Forderungskatalog von 2008 ging Fehmarn von einer Beltbrücke aus. Die ist längst vom Tisch.

Seit über einem Vierteljahrhundert ist es das Thema auf der Insel — inzwischen auch in ganz Ostholstein. Weil Fehmarn die am stärksten von der Beltquerung betroffene Kommune ist, genießt der Forderungskatalog der Stadt einen besonderen Stellenwert, vor allem beim Kreis Ostholstein. In Kiel, Berlin oder Kopenhagen fällt die Resonanz dagegen eher verhalten aus.

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Havarieunfall-Gefahr: Im Forderungskatalog von 2008 ging Fehmarn von einer Beltbrücke aus. Die ist längst vom Tisch.

Jetzt soll die offizielle Position der Stadt zum Jahrhundertprojekt feste Beltquerung umfassend aktualisiert werden. Denn ihre Kernthesen stammen von 2008. Aber auch die Tourismusanalyse von 2011, die pikanterweise von Femern A/S in Auftrag gegeben wurde, gilt nicht mehr als zeitgemäß. Hierfür regt Fehmarns Regionalmanagerin Dr. Johanna Heitmann eine Fortschreibung in Kooperation mit der IHK zu Lübeck an.

Schon eine flüchtige Lektüre zeigt: In beiden Papieren spielt die zunächst geplante Beltbrücke noch eine zentrale Rolle. Die Wirklichkeit hat Fehmarns Forderung „Erstellung eines gebohrten Tunnels anstelle eines Brückenbauwerkes“ aber längst überholt. Die Dänen favorisieren einen Absenktunnel.

Ohnehin sorgt dieser Forderungskatalog immer wieder für Irritationen: Harte Fakten mit großer Symbolkraft oder doch eher ein zahnloser Papiertiger für die Schublade? Dieser Zwiespalt in der Wahrnehmung speist sich auch daraus, dass Politik und Verwaltung von Fehmarn beharrlich an ihrer Grundsatzposition festhalten.

Denn wörtlich heißt es im Forderungskatalog gleich vorneweg: „Die Stadtvertretung der Stadt Fehmarn lehnt den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung ab und setzt sich für die Beibehaltung sowie Optimierung des Fährverkehrs ein.“ Für die Insulaner steht hinter dem bis heute gültigen Beschluss vom 29. September 2005 ein großes Ausrufezeichen. Für Tunnelbefürworter ist er ein längst überholter, oft belächelter Anachronismus.

Jetzt soll eine Arbeitsgruppe (AG) den seit 2008 bereits mehrfach ergänzten Forderungskatalog grundlegend überarbeiten. Ob dabei der alte Ablehnungsbeschluss auf dem Spiel steht, ist vorerst offen. Auf den Prüfstand kommen dagegen zahlreiche Kompensationsmaßnahmen, die die Stadt in ihren Verhandlungen mit Bund und Land durchsetzen will, sollte die feste Querung nicht zu verhindern sein.

Schon 2008 wurde gefordert, das drohende Nadelöhr am Sund zu beseitigen, bevor Baumaßnahmen wie die Beltquerung oder der Ausbau der B 207 realisiert werden. Von einer eindeutigen Festlegung auf einen Tunnelneubau unterm Sund rücken einige Stadtvertreter inzwischen ab. Es könnte auch eine Brückenlösung werden.

Neuer Knackpunkt ist die Zukunft der jetzigen Sundbrücke als Wahrzeichen der Insel. 2013 wurde ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Jetzt droht nach 2027 sogar ein Abriss. Fehmarn will aber nicht auf den Kosten für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerkes sitzenbleiben. Auch anderes muss neu diskutiert werden: Autobahnraststätte an der E 47, Bestandssicherung für den Fährhafen, ICE-Halt oder Lotsenpflicht im Belt.

Verändert haben sich die Vorzeichen. 2008 gab es eine starke Bürgerbeteiligung in Workshops, diesmal bildet der Hauptausschuss die AG — und will erst bei Bedarf die Unterstützung durch externe Experten einholen. Damit bleibt das Aktionsbündnis zunächst außen vor.

Gerd-J.- Schwennsen

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