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Ostholstein Tunnelbau-Broschüre für Touristen sorgt für mächtig Ärger
Lokales Ostholstein Tunnelbau-Broschüre für Touristen sorgt für mächtig Ärger
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23:14 05.08.2015
Stein des Anstoßes: Dieses Heftchen sorgt auf Fehmarn für Unruhe und Kritik.

Der Schuss droht nach hinten loszugehen: Eine soeben erschienene kleine Broschüre mit Informationen rund um den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels ist jetzt auf der Insel ins Kreuzfeuer der Kritik geraten — nicht nur beim Aktionsbündnis gegen die feste Beltquerung. Herausgegeben vom Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT), soll das quadratische 15-seitige Heftchen den Vermietern der Insel Fehmarn als Argumentationshilfe für ihre Urlaubsgäste dienen und die Urlauber selbst über das Bauvorhaben aufklären. „Durchaus auch als Gegengewicht gegen das Negativ-Image, das von den Kritikern und Gegnern verbreitet wird“, wie Regionalmanagerin Dr. Johanna Heitmann jetzt in der Sitzung des Hauptausschusses der Stadt Fehmarn einräumte.

Seit einem Jahr habe eine Arbeitsgruppe, zu der Femern A/S, die Deutsche Bahn AG, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, das Wirtschafts- und Verkehrsministerium des Landes und andere gehörten, mit einem Höchstmaß an Objektivität an der Broschüre gearbeitet, erklärte Heitmann.

Besonderen Protest bei den Politikern im Hauptausschuss rief die Tatsache hervor, dass auch die Stadt Fehmarn im Impressum der Broschüre vertreten sei, sozusagen im „trauten Einklang“ mit den heftigen Befürwortern des Tunnelbaus, und dass Fehmarn sich sogar finanziell an der Broschüre beteiligt habe. Und das, wie Werner Ehlers (CDU) betonte, obwohl sich die Stadtvertretung schon vor Jahren gegen eine feste Beltquerung ausgesprochen habe. Dr. Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne) sprach sogar von Unwahrheiten in der Broschüre. „Wir verkaufen unsere Urlauber für dumm“, erklärte sie. Es werde verharmlost und „eingelullt“, so zum Beispiel, wenn es im Broschürentext heiße, Baulärm und Staubbelästigungen würden sich „im gesetzlichen Rahmen halten“. Hier würden glatt „Lügen verbreitet“, stellte die Grünen-Vertreterin heraus, denn in den Planfeststellungsunterlagen heiße es ganz klar, die gesetzlichen Vorgaben könnten nicht eingehalten werden. Christiane Stodt-Kirchholtes forderte daher den sofortigen Einzug der Broschüre. Seitens der SPD unterstrich Marianne Unger, auch sie halte es für bedenklich, dass sich die Stadt finanziell an der Broschüre beteiligt habe, trotz des noch gültigen Beschlusses. Werner Ehlers (CDU) indes räumte ein, es handele sich hier um eine touristische Angelegenheit, an der sich die Stadt sehr wohl beteiligen müsse.

„Wir können ja schlecht zu den Urlaubern sagen: Bleibt während der Bauphase des Tunnels zu Hause“, sagte er. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) erklärte kategorisch, die Broschüre werde auf keinen Fall wieder eingezogen. Zumindest müsse sich die Stadtvertretung auf der nächsten Sitzung aber damit befassen, forderte Stodt-Kirchholtes.

„Das Heft muss wieder eingezogen werden.“
Christiane Stodt-
Kirchholtes (Grüne)

Michael Kirchner

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