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Ostholstein Turbo-Abi steht vor dem Aus
Lokales Ostholstein Turbo-Abi steht vor dem Aus
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21:56 12.01.2018
Die Jamaika-Koalition hat ein Gesetz beschlossen, nach dem die Gymnasien wieder zum Modell G 9 zurückkehren sollen. Quelle: Foto: Weigel/dpa
Ostholstein

„Mit der Rückkehr zu G 9 wollen wir dem Lernen wieder mehr Raum geben. Die Kinder sollen wieder mehr Zeit haben, sie sollen die Möglichkeit erhalten, den Stoff zu vertiefen und mehr zu üben“, teilt Bildungsministerin Karin Prien (CDU) in einem Schreiben an die Schulleiter des Landes mit.

Die Landesregierung hat die Rückkehr zu G 9 beschlossen. Nun müssen die Gymnasien im Land, die als einzige Schulform das Abitur nach acht Jahren anbieten, entscheiden, ob sie an G 8 festhalten. Anderenfalls wird G 9 eingeführt. Welchen Weg schlagen die Gymnasien mit Turbo-Abi in Ostholstein ein?

Am Voß-Gymnasium hat sich das Modell G 8 bewährt

Priens Argumente werden besonders an der Johann-Heinrich-Voß- Schule in Eutin diskutiert. Das Turbo-Abi hätte sich dort inzwischen bewährt, sagt Björn Kohlwes, Vorsitzender des Schulelternbeirats. „Wir haben festgestellt, das G 8 gut funktionieren kann“, erklärt er. Schulstunden im Block, die Entschlackung des Lehrplans und effizientere Strukturen hätten sich positiv ausgewirkt. Im Vergleich zu anderen Gymnasien im Kreis hätte er das Gefühl, dass die Voß-Schule einige G-8-Befürworter habe.

Um das Stimmungsbild am Voß-Gymnasium einzufangen, gab es eine Umfrage unter den Eltern. Wichtig war Kohlwes, dass auch die Eltern an der Gustav-Peters- Grundschule einbezogen wurden. „Die Rückmeldungen trudeln ein“, berichtet Kohlwes. In der Schulelternbeirats-Sitzung am kommenden Mittwoch wird das Ergebnis der Umfrage vorliegen. Allgemein gehe die Tendenz Richtung G 9, sagt Kohlwes. Trotzdem soll erst bei der Schulkonferenz endgültig über die Strukturen beschlossen werden. Der Elternbeirat hat einen Antrag auf Abstimmung gestellt, erst wenn dieser vorliegt, geht es in der Konferenz über den Verbleib von G 8. „Wir haben uns entschieden, dass wir gerne eine Abstimmung haben möchten“, sagt Björn Kohlwes.

Am 23. Januar werden sich Schüler, Eltern und Lehrkräfte, die jeweils zu einem Drittel in der Schulkonferenz vertreten sind, gegen oder für einen achtjährigen Bildungsweg aussprechen. Wenn G

8 bleiben soll, muss eine Zwei-Drittel-Mehrheit vorliegen, das fordert die Jamaika-Koalition. Wird diese nicht erreicht, geht’s automatisch zurück zum Abitur nach neun Jahren. Aufgrund der politischen Rahmenbedingungen sei es relativ unwahrscheinlich, dass Schulen bei G 8 bleiben, sagt Kohlwes. Es sei keine Fifty-Fifty-Entscheidung.

Drei Gymnasien ziehen mit

der Weber-Schule gleich

Findet das Voß-Gymnasium zu G-9-Strukturen zurück, zieht es mit der Carl-Maria-von-Weber-Schule in Eutin gleich, die als einzige im Kreis bei G 9 geblieben ist und bleiben wird. Falls G 9 kommt, hofft Kohlwes, dass nicht die alten Lehrbücher wieder zum Einsatz kommen, sondern an der Effizienz, der Lehrplan-Entschlackung und den Strukturen festgehalten wird.

Schon alles entschieden ist dagegen am Neustädter Küstengymnasium, das zum neunjährigen Bildungsweg zurückkehren wird. Schulleiter Karsten Kilian begründet dies mit einer langen und breiten Diskussion. Schüler, Eltern und Lehrkräfte hätten sich mehrheitlich für den Schritt ausgesprochen. „Wir sehen das mit relativ großer Gelassenheit, hatten viel Beteiligung. Das Bild war eindeutig für G 9“, schildert Kilian. Nun gehe es darum, das eine Extrajahr zu nutzen, um gute Schule zu machen und etwas mehr Luft ins System zu bringen. „Das ist eine Zeitressource, die für mehr Flexibilität sorgt“, ist Kilian überzeugt. Das Küstengymnasium bleibe Ganztagsschule, habe weiterhin eine Hausaufgabenbetreuung. G 9 einzuführen, sei kein Rückschritt.

Das sieht auch Michael Bartolf, Leiter des Ostsee-Gymnasiums Timmendorfer Strand (OGT), so. „Wir sind entspannt“, sagt Bartolf. Das OGT sei derzeit noch ein G-8- Standort für 600 Gymnasiasten. Schüler, Eltern und Lehrer hätten sich in ihren jeweiligen Gremien eindeutig für eine Rückkehr zu G 9 ausgesprochen, „deshalb gibt es bei uns zu diesem Thema auch keine Schulkonferenz“. Die Kinder, die in diesem Sommer in die fünfte Klasse kommen, würden noch als G 8 eingeschult und zusammen mit den Fünftklässlern des Jahres 2019 in G 9 überführt. Mehr Personal und mehr Räume würden erst dann benötigt, wenn es tatsächlich einen Jahrgang mehr am OGT gibt, „und das ist erst 2025 der Fall“.

Das Oldenburger Freiherr-vom- Stein-Gymnasium will ebenfalls zu G 9 zurückkehren. Die Schulkonferenz sei sich bereits bei dieser Entscheidung einig gewesen, berichtet Rektor André Bigott. „Wir haben das Thema im Vorfeld ausführlich besprochen“, sagt der Schulleiter. Das Stein-Gymnasium habe „gezeigt, dass wir beide Varianten können“. Schüler, Eltern und Lehrer hätten sich jedoch geschlossen für den jetzigen Weg ausgesprochen. Das Modell G 8 soll nun nach und nach auslaufen: Die derzeitigen Schüler machen noch das Turbo-Abi, alle zukünftigen Neuzugänge machen ihren Abschluss erst nach 13 Jahren.

Tendenz in Bad Schwartau

geht zu G 9

In Bad Schwartau muss man noch abwarten, die Zeichen stehen jedoch auf G 9. Hans-Joachim Werner, Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, geht davon aus, dass seine Schule zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren wird. „Doch es obliegt der Schulkonferenz, das zu entscheiden“, sagt er. „Ich sehe keine Signale in Richtung von G 8“, erklärt Werner, „doch es ist nicht auszuschließen, dass es einen Antrag auf der Konferenz geben wird, bei G 8 zu bleiben.“ Vermutlich werde der jedoch keine Zwei-Drittel- Mehrheit bekommen. „Und damit ist das Thema dann durch“, sagt der Schulleiter. Insgesamt werde das Thema am Leibniz-Gymnasium ziemlich unaufgeregt behandelt.

Aufregung kommt auch am Schwartauer Gymnasium am Mühlenberg nicht auf, bestätigt Schulleiterin Amira Yassine. „Es würde mich überraschen, wenn wir bei G 8 bleiben würden“, sagt sie. Trotzdem weist sie darauf hin, dass die letzte Entscheidung bei der Schulkonferenz liegt. Sie kommt nicht nur in Bad Schwartau noch in diesem Monat zusammen.

bz/jad/jen/latz/ser

LN

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