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Ostholstein „U-Hai“ - ein Mahnmal für die Sicherheit auf U-Booten
Lokales Ostholstein „U-Hai“ - ein Mahnmal für die Sicherheit auf U-Booten
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21:12 13.09.2016
Das Wrack von „U-Hai“ wurde fünf Tage nach dem Unglück durch den Bergekran „Magnus III“ gehoben, zur Untersuchung nach Emden geschleppt und dort abgewrackt. Quelle: dpa

Mit 20 Mann Besatzung hatte sich das seinerzeit in Neustadt beheimatete Schul-U-Boot „U-Hai“ auf eine Reise ins schottische Aberdeen begeben. Das U-Boot sollte sein Ziel nie erreichen. Während einer Überwasserfahrt im Sturm sank „U-Hai“ am 14. September 1966 knapp 140 Seemeilen nordwestlich von Helgoland auf 40 Meter Tiefe. Nur ein Besatzungsmitglied überlebte die Tragödie. Heute, 50 Jahre später, wird am Gedenkstein neben der Friedhofsverwaltung an das Unglück erinnert.

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Das Wrack von „U-Hai“ wurde fünf Tage nach dem Unglück durch den Bergekran „Magnus III“ gehoben, zur Untersuchung nach Emden geschleppt und dort abgewrackt.

„Die Rettung des Überleben- den war ein doppeltes Wunder.“ Ernst-August Petsch

Bürgervorsteher Sönke Sela erinnert sich noch schwermütig an die Trauerfeier, die nach dem Unglück in Neustadt abgehalten wurde. Sela, damals selbst Soldat bei der Luftwaffe, hatte einen guten Bekannten bei dem Unglück verloren. „Viele der auf See Gebliebenen hinterließen in Neustadt Familien oder Freunde“, erinnert sich Sela.

Auch Ernst-August Petsch, der ein Jahr nach dem Unglück als U-Boot-Fahrer ausgebildet wurde, erinnert sich nur zu gut an den Vorfall. Als späterer Kommandant des Marine-Ausbildungszentrums in Neustadt weiß er um die Verantwortung für Untergebene und hat sich zeitlebens immer wieder mit dem Vorfall beschäftigt. „Es war eine Mischung aus widrigen Witterungsbedingungen sowie menschlichem und technischen Versagen“, blickt Ernst-August Petsch zurück. In der Marine seien damals dringend Kommandeure und Besatzungen für neue U-Boot-Reihen benötigt worden. Petsch: „Die Ausbildung erfolgte individuell, aber nicht im Team.“

Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich später herausstellte. Als Wasser über einen so genannten Schnorchel ins Bootsinnere eingedrungen war, war offenbar Panik auf dem Boot ausgebrochen. Als ein Besatzungsmitglied beim Versuch, das Boot über das Zentral-Luk zu verlassen, eingeklemmt wurde, war anderen Kameraden der Fluchtweg abgeschnitten. Erst später stellte sich heraus, dass beim Umbau des „U-Hai“ (siehe Infokasten) auch technische Ursachen zu dem Unglück beitrugen.

Zu den Wenigen, die sich in das 12 Grad kalte Wasser retten konnten, zählte auch der Smut Peter Silbernagel. Ärzte hielten es für ein medizinisches Wunder, dass Silbernagel noch 13 Stunden später als einziger Überlebender von einem englischen Fischtrawler aus dem Wasser gefischt wurde. „Normalerweise“, sagt Petsch, „überlebt ein Mensch bei dieser Wassertemperatur nicht länger als zwei Stunden.“

Aufgebrachte Möwen, die als Leichenfledderer zum Zug zu kommen hofften, hatten die Trawlerbesatzung auf den völlig erschöpften Silbernagel aufmerksam gemacht. Statt den Mann, wie es bei starker Unterkühlung unerlässlich ist, langsam aufzuwärmen, hüllten ihn die Fischer in warme Wolldecken und verabreichten Silbernagel eine halbe Flasche Whiskey. Petsch: „Man kann sagen, Silbernagel hat auch seine Rettung überlebt.

Silbernagel war es auch, der 2005 den neuen Gedenkstein an der Friedhofsverwaltung enthüllte. Der ehemalige Gedenkstein hatte bis 1990 auf dem Wieksberg in Neustadt an das Unglück erinnert, war dann aber mit dem Umzug der U-Boot-Lehrgruppe nach Eckernförde dorthin versetzt worden. Da viele Neustädter Angehörige Tote unter den Opfern zu beklagen hatten, setzte sich die Marinekameradschaft dafür ein, dass ein neuer Gedenkstein angeschafft wurde.

Für Petsch ist der Stein nicht nur ein Ehren- sondern ein Mahnmal: „Es wurden seinerzeit aufgrund dringend benötigter U-Bootsbesatzungen in der Ausbildung Abstriche bei der Sicherheit gemacht. Nach dem Unglück wurden sowohl die Team- als auch die Gefechtsausbildung an die notwendigen Sicherheitsstandards angepasst.“ Das Mahnmal, so hofft er, sollte auch heute noch dazu dienen, die Sicherheit stets obenan zu stellen.

Zwei Mal gesunken – Die Geschichte von „U-Hai“

Das Schulschiff „U-Hai“ war am 2. März 1945 in Dienst gestellt worden und gehörte zur 4. U-Flottille. Der so genannte Regenbogen-Befehl hatte dazu geführt, dass der damalige Kommandant das Boot im Kattegat selbst versenken ließ. Im Juni 1956 wurde das Boot, damals noch unter dem Namen „U 2365“ aus mehr als 50 Meter Wassertiefe geborgen. Ausgelaufenes Öl hatte das U-Boot derart konserviert, dass es nach einer Generalüberholung und einem Umbau 1957 wieder in Dienst gestellt werden konnte. Dabei, so wurde später vermutet, war den Konstrukteuren ein Fehler beim Umbau des Ansaugstutzens für den Dieselmotor unterlaufen, so dass Wasser ins Bootsinnere eindrang. Aber auch menschliches Versagen – der Kapitän hatte offensichtlich zu früh den Befehl zum Verlassen des U-Bootes gegeben – hatte zu der Tragödie beigetragen.

Die Gedenkfeier, zu der die Stadt Neustadt heute zusammen mit der Marine, der evangelischen Kirche und der Marinekameradschaft am Gedenkstein neben der Friedhofsverwaltung einlädt, beginnt um 14.15 Uhr.

 Thomas Klatt

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