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23:16 30.06.2018
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (l.) unterhält sich mit Propst Peter Barz. Quelle: Foto: Zill
Eutin

In dem lockeren Gespräch im „Garten am frischen Wasser“ wirkte der Ex-Ministerpräsident von Bayern, der in Franken aufwuchs, entspannt. Auf die Frage nach seinen Wurzeln sprach er die Organisation Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM) an, die ihn menschlich wie religiös prägte. „Diesen kindlichen Glaube habe ich mir versucht, zu behalten“, sagte Beckstein. Nach seinem Jurastudium kam er zufällig in die Politik. Seit 1974 gehörte er dem bayerischen Landtag an, 1988 startete der evangelisch geprägte Christ als Berufspolitiker durch. Sein damals bester Freund, der Pfarrer war, sagte ihm: Politik sei ein schmutziges Geschäft. Trotzdem nahm Beckstein 1988 den Posten als bayerischer Staatssekretär des Inneren und ab 1993 den als bayerischer Staatsinnenminister an, den er bis 2007 innehatte. „Ich wollte dorthin, wo die Spannung am größten ist“, sagte der heute 74-Jährige.

Es solle kein Politik-Talk werden, betonte Propst Peter Barz gleich zu Anfang des Gesprächs mit Günther Beckstein. Beim „Talk im Garten“ vor etwa 60 Zuhörern in Eutin erzählte der ehemalige CSU-Politiker von Prägung, Wurzeln, Macht und Glaube – aber auch von Flüchtlingspolitik.

Immer an seiner Seite: der Heilige Antonius. „Die Figur erinnerte mich daran, dass alle Menschen vor Gott gleich sind“, sagte Beckstein, der von 2007 bis 2008 erster evangelischer Ministerpräsident von Bayern nach dem zweiten Weltkrieg war. Die Figur habe ihn beschimpft, aber auch gelobt. Leider fiel er am Ende dem Holzwurm zum Opfer, übrig blieb ihm eine Fotocollage.

Gelächter im Publikum.

Der Machtverlust schmerzte Günther Beckstein

Peter Barz lenkte die Aufmerksamkeit auf den Quellstein, an dem Taufen vorgenommen werden. „Der Stein erinnert uns, dass es Kraftquellen im Leben gibt“, sagte Barz. Der sechsfache Großvater Beckstein schöpft vor allem Kraft aus seinem Glauben. „Ich habe den Glauben als großes Geschenk empfunden“, sagt er. Vergebung, Mut und Demut waren für ihn wichtige Bausteine, und waren es vor allem in seiner hohen Position als Politiker. „Ich bin nicht der Allerhöchste. Ich bin nur im Allerhöchsten verantwortlich“, sagte er.

Der Glaube half ihm auch, als die CSU bei der Landtagswahl in Bayern 2008 das schlechteste Wahlergebnis seit 1954 holte und er auf Raten seiner Partei als Ministerpräsident nicht mehr zur Wiederwahl antrat. „Das war eine absolute Stresssituation, ich wollte die absolute Mehrheit holen“, erzählte er. Die Entscheidung, zurückzutreten, sei die richtige gewesen. Seitdem fand er seinen Namen nicht mehr täglich in der Zeitung, die er jeden Morgen aus dem Briefkasten holte. „Ich war plötzlich ein freier Mensch.“ Das Leben bestehe aus Höhen und Tiefen, mit beiden müsse man fertig werden. Der Machtverlust sei schmerzhaft gewesen. „Macht ist etwas Faszinierendes.“ Er umgab sich mit Ronald Reagan, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl – „letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit Angela Merkel“. Er sei in die Politik gegangen, um seinen Willen umzusetzen.

Ein harter Hund sei Günther Beckstein gewesen, zitierte Barz. Auch in der Flüchtlingspolitik folgte er einer klaren Linie. Beckstein sieht darin keinen Widerspruch zu seinem christlichen Glauben.

Neben der Gesinnungsethik, nach der alle Menschen gleich sind, muss auch die Verantwortungsethik im Fokus stehen. Der Unterschied sei eine Notwendigkeit. „Die Politik, ,wir lassen jeden Menschen nach Deutschland kommen’ ist nicht durchzusetzen“, sagte er. „Wir müssen darauf achten, dass sich der Rechtsstaat durchsetzt.“ In den nächsten Jahren müsse man sich mehr um Afrika kümmern.

Die Kirche spielt in der Flüchtlingsdebatte eine wichtige Rolle, Kernaufgabe der Kirche sei die Seelsorge. „Die Kirche steht nicht unter Druck der Produktivität. Bei aller Veränderung der Welt, die Beckstein Sorge bereitet, müssen die Menschen in der Kirche den Glauben zu sich selbst finden. Die Politik hat die Aufgabe, mit den Veränderungen umzugehen. „Die Samen einer gerechten Welt müssen Politiker als eine Riesen-Herausforderung annehmen.“

Sommerkirche

Im Rahmen der Aktion „Sommerkirche“ des Kirchenkreises Ostholstein und den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden findet der nächste Talk im „Garten am frischen Wasser“ in Eutin am Donnerstag, 12. Juli, statt. Von 19 Uhr an spricht Propst Peter Barz mit der dänischen Sängerin Lene Krämer, die seit 1982 in Malente lebt. Der Eintritt ist frei.

Weitere Veranstaltungen unter www.kirche-am-strand.de

Beke Zill

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