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„Über die Geburtshilfe wird seit zehn Jahren diskutiert“

Oldenburg „Über die Geburtshilfe wird seit zehn Jahren diskutiert“

Stephan Puke, der Chef der Sana-Klinik Oldenburg, erklärt die Nöte der Einrichtung, schildert aber auch das große Potenzial, das vorhanden sei und genutzt werden solle.

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Stephan Puke ist Geschäftsführer der Sana-Kliniken Ostholstein.

Quelle: Holger Marohn

Oldenburg. Die Schließung der Geburtshilfe hat die Sana-Klinik in Oldenburg in die Diskussion gebracht. Während der Bereich zum Sommer geschlossen werden soll, investiert die Klinik an anderer Stelle 40 Millionen Euro. Allein 30 Millionen Euro (19,5 Millionen davon vom Land) werden in das neue Bettenhaus gesteckt. Im Interview spricht Klinik-Chef Dr. Stephan Puke über die künftige Ausrichtung der Klinik Oldenburg.

Lübecker Nachrichten: Waren Sie erleichtert, als der Beschluss zur Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg öffentlich wurde?

Stephan Puke: Ich bin mit dem Abstimmungsprozess sehr zufrieden, weil wir im Vorfeld mit unseren Gesellschaftern sowie den Krankenkassen als Kostenträger und dem Land Schleswig-Holstein sehr viel diskutiert haben. Aber ich war zum Schluss dann auch froh, dass die Entscheidung gefallen ist und sie mitgetragen wird.

LN: Können Sie die Enttäuschung und auch die Ängste der Oldenburger nachvollziehen?

Puke: Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Letztlich ist aus Sicht einiger die Entscheidung überraschend gekommen. Aber ich möchte betonen, dass über die Geburtshilfe in Oldenburg schon seit zehn Jahren diskutiert worden ist. Bislang haben wir immer eine Lösung gefunden, aber jetzt ist es nicht mehr möglich. Die strukturellen Voraussetzungen sind künftig nicht mehr gegeben.

LN: Hätte ein öffentlicher Träger wie der Kreis die Geburtshilfe einfacher erhalten können?

Puke: Nein, ich gehe davon aus, das unabhängig davon, ob es ein privater, freigemeinnütziger oder öffentlicher Träger ist, diese Frage hätte genauso behandelt werden müssen. Denn im Vordergrund steht nicht das Wirtschaftliche, sondern die Frage nach der Erfüllbarkeit der strukturellen und medizinisch-fachlichen Voraussetzungen in der Zukunft. Die Wirtschaftlichkeit ist bei so niedrigen Geburtenzahlen natürlich auch eingeschränkt, aber sie steht nicht im Vordergrund.

LN: Müssen die Menschen in der Region Oldenburg mit der Schließung weiterer medizinischer Infrastruktur rechnen?

Puke: Nein, das ist nicht der Fall. Die Menschen müssen nicht fürchten, dass weitere Fachabteilungen geschlossen werden oder sich nicht weiterentwickeln. Das Gegenteil ist der Fall. Wir planen eine Ausweitung der einzelnen Fachgebiete und investieren zusammen mit dem Land und den Kommunen rund 40 Millionen Euro in den Standort Oldenburg.

LN: Welche Rolle spielt dabei das neue Bettenhaus?

Puke: Der Stationsneubau spielt eine große Rolle, weil wir dadurch einen gewaltigen Sprung machen. Wir kommen aus sehr beengten Stationsverhältnissen mit beengten Maßen für die Flure und Zimmer. Die sind heute nicht mehr aktuell und entsprechen auch nicht dem Standardprogramm des Landes. Jetzt gehen wir in eine neue Dimension: größer, funktionaler, heller, für den Patienten komfortabler. Die neuen Zimmer sind alle mit sanitären Einrichtungen ausgestattet, wie es der Patient heute erwarten darf. Das hat der Altbau einfach nicht hergegeben. Ich bin heilfroh, dass wir mit dem Land zusammen die ursprünglichen Pläne für eine Renovierung ad acta gelegt haben.

LN: Es heißt aber auch, mit medizinischer Grundversorgung lässt sich heutzutage kein Geld verdienen. Mit was will Sana denn diese Investitionen wieder hereinholen?

Puke: Innerhalb von Schleswig-Holstein verdienen die Kliniken für ihre Leistungen das gleiche Geld. Das Entscheidende ist, dass eine Klinik Bereiche hat, die sich von den Patientenzahlen her positiv entwickeln. Bei uns ist das insbesondere die Innere Medizin. Dort haben wir das Angebot von der Gastroenterologie über Intensivmedizin bis hin zur Kardiologie stark erweitert. Das sind Bereiche, die auch in der Lage sind, die Kosten zu refinanzieren. Es geht um Bereiche, in denen der Bedarf groß ist. Und in den genannten Feldern wächst er mit dem demographischen Wandel, der sich ja gerade ist Ostholstein sehr deutlich zeigt. Dass die Geburtshilfe keine steigenden Patientinnenzahlen hat, ist einleuchtend.

LN: In welchen Bereichen ist es denn so, dass sich Menschen zukünftig gezielt das Krankenhaus Oldenburg als Behandlungsort aussuchen werden?

Puke: Ein stark überregionales Einzugsgebiet haben wir in der Intensivmedizin im so genannten Weanings. Dort werden Menschen, die künstlich beatmet werden mussten, wieder auf die selbstständige Atmung trainiert. Aufgrund der Expertise von Chefärztin Dr. Koper als Pneumologin bekommen wir hier auch Patienten aus dem Lübecker oder Kieler Raum. Ein anderes Entwicklungsfeld ist die Kardiologie. Da stehen wir aber auch im Wettbewerb mit Neustadt und uns selbst in Eutin. Das ist eine ganz andere Situation als noch vor zehn Jahren. Früher musste alle nach einem Infarkt nach Lübeck. Das ist heute nur noch sehr selten der Fall. Andere Bereiche sind die Unfallchirurgie und die Orthopädie.

LN: Welche Rolle spielen zukünftig Belegarzt-Konzepte?

Puke: Die spielen auch heute schon eine wichtige Rolle bei uns. Wir haben verschiedene Disziplinen im Haus wie die Urologie, die Hals-Nasen-Ohren-Medizin und die Dermatologie. Für die großen Bereiche wie die Chirurgie bevorzugen wir eine Hauptabteilungsstruktur. Belegarztkonzepte sind immer ein Zeichen einer guten Kooperation mit niedergelassenen Ärzten. Eine andere Möglichkeit ist, niedergelassene Ärzte, die eine eigene Praxis betreiben, in der Klinik anzustellen. Die Verknüpfung einer angestellten Tätigkeit mit dem Betrieb einer eigenen Praxis ist auch eine Möglichkeit, dem Facharztmangel auf dem Land zu begegnen.

LN: Wie sehen Sie analog zu einer Sporttabelle den Stand und die Tendenz der Klinik Oldenburg?

Puke: In der Tabelle klettert Oldenburg derzeit wie auch in der Zukunft weiter nach oben — auch wenn das mit der Entscheidung zur Bündelung der Geburtshilfe in Eutin nicht so ersichtlich ist. Wir werden stärker die medizinischen Bereiche der über 65-Jährigen betreuen, deren Bevölkerungsanteil in Schleswig-Holstein und vor allem Ostholstein gewaltig steigt, allein in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent. Damit ist vorgezeichnet, dass die Bevölkerung eine exzellente Versorgung in der Inneren Medizin, der Neurologie, der Chirurgie und der Geriatrie brauchen wird. Das sind alles Entwicklungsfelder, in denen sich Oldenburg sehr gut entwickelt und weiter ausgebaut wird. Wegen der Enttäuschung über die Entscheidung zur Geburtshilfe steht das nicht so im Vordergrund. Aber ich sehe eine exzellente Entwicklungsperspektive für die Klinik Oldenburg.

Die Sana-Kliniken Ostholstein
24 400Kranke und Verletzte behandeln die Sana-Kliniken Ostholstein pro Jahr stationär und teilstationär. Hinzu kommen etwa 37 600 ambulante Behandlungen. Die Kliniken sind damit nach eigenen Angaben der größte Anbieter medizinischer Akutversorgung im nordöstlichen Schleswig-Holstein. 800 Mitarbeiter, davon 155 Ärzte, sind an den beiden Klinikstandorten Oldenburg und Eutin beschäftigt.
Spezialisierte Bereiche der Sana-Kliniken sind Kardiologie, Gastroenterologie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Hand- und Mikrochirurgie, Bauchchirurgie, Gefäßchirurgie und Angiologie, Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Frühgeborenen-Intensivstation im Perinatalzentrum, Onkologie, Brustzentrum, Lungen- und Bronchialheilkunde, Schlafmedizin, Diabetologie und Rheumatologie.

Interview: Holger Marohn

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