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Ostholstein Überraschung: Glockenturm in Landkirchen stammt von 1467
Lokales Ostholstein Überraschung: Glockenturm in Landkirchen stammt von 1467
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20:28 29.03.2016
Propst Dirk Süssenbach (r.) und Landkirchens Pastor Bertolt Karl-Carlson: „In der Kugel ist nichts drin.“

Lange Gesichter machten gestern Vormittag Propst Dirk Süssenbach und Landkirchens Pastor Bertolt Karl-Carlson. Am Fuß des Glockenturmes, der seit Monaten aufwändig saniert wird, wurde die blattgoldene Kugel der Wetterhahnes geöffnet. Alle waren voller Erwartung. Doch schon der flüchtige Blick ins Innere der Kugel offenbarte die Enttäuschung: „Da ist nichts drin“, bestätigte der Oldenburger Architekt Torsten Ewers.

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Architekt Torsten Evers begutachtet den Wetterhahn.

Warum — das weiß niemand. Fakt ist, die Kugel befand sich in ziemlich schlechtem Zustand. Schon vorher hatte Landkirchens Pastor daher die große Euphorie ein wenig gebremst. Aber noch hofften neben dem Kirchenvorstand auch der Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens und Fehmarns stellvertretender Bürgermeister Werner Ehlers (beide CDU) auf Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Doch vergebens.

Damit Ähnliches späteren Generationen erspart bleibt, wurde die Kugel gestern erst gut befüllt wieder von den Handwerkern Christian German und Martin Griechen verschlossen. Die Nachwelt wird darin, sollte der Wetterhahn eines fernen Tages noch einmal abgebaut werden, dann reichlich Erinnerungsstücke an den März 2016 vorfinden.

Walter Meß zeigte sie vorab den LN: ein hölzernes Dankesschild und Gottes Segen für alle Förderer und Handwerker, reichlich kleine Münzen, eine Chronik von Peter Wiepert aus dem Jahr 1936 über die St.Petri-Kirche, eingeschweißt die aktuelle Kirchenzeitung „Die Brücke“, außerdem in einer Rolle gesichert die Tageszeitungen von der Insel und ein Foto des jetzigen Kirchenvorstandes. Ebers selbst legte unter anderem noch Bauskizzen und Zeichnungen hinzu.

Das Ganze wandert jetzt aber in eine Malerwerkstatt. Denn die Kugel wird zunächst mit einem gelben Anstrich grundiert, dann folgen zwei oder drei Lagen mit transparentem Blattgold. Denn wenn der Wetterhahn noch in diesem Jahr wieder hoch oben auf seinen angestammten Platz in 24 Meter Höhe des Glockenturmes zurückkehrt, muss er mitsamt Kugel auch wetterfest sein.

Und trotzdem war es ein Tag, an dem noch eine ganz andere Überraschung publik wurde. Mit einem Schlag ist der Glockenturm nämlich um stolze 171 Jahre älter geworden. Das bahnte sich aber schon im Januar an, als die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) den offiziellen Förderbescheid für 200 000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes überreichte.

Schon damals vermutete man im Landesamt für Denkmalschutz, dass der marode Glockenturm wesentlich älter sei als bisher angenommen. Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski zweifelte an der bisherigen Jahreszahl 1638 — darin vermutete er lediglich das Datum einer Instandsetzung. „Das Gerüst stammt mindestens aus dem 16. Jahrhundert“, kommentierte er im Winter. Er sollte Recht behalten.

Experten am Hamburger Institut für Holztechnologie und Holzbiografie konnten anhand der Jahresringzählung mittlerweile konkrete Anhaltspunkte ermitteln. Danach stammt der Glockenturm wohl aus dem Jahr 1467. „Das passt zur älteren Glocke“, so Pastor Karl-Carlson — sie stammt nämlich von 1494. Der Grundstein für die dreischiffige St. Petri-Kirche nebenan wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelegt.

Daten und Fakten

400 000 Euro soll die Sanierung des Glockenturmes kosten. 200 000 Euro fließen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes. Dafür haben sich die Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU) eingesetzt.

40 000 Euro gibt der Kirchenkreis Ostholstein. Rund 75 000 Euro fließen nach einem Sturmschaden von der Versicherung, weitere fast 70 000 Euro durch Spenden, Veranstaltungen und Aktionen der Kirchengemeinde. Die Einweihung ist für den 10. Juli geplant.

Von Gerd-J. Schwennsen

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