Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Ulan“ — was für ein Prachtkerl
Lokales Ostholstein „Ulan“ — was für ein Prachtkerl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:32 10.03.2016
Mit Timo Schulz von der Zimmerei Mühlenberg wartet „Ulan“ brav auf den zweiten Einsatz. Quelle: Fotos: Petersen

„Ulan“ zog an — und schwupps war das erste Brutfloß über etwa 50 Meter Wiese ins Wasser gezogen. Was sind schon rund 300 Kilogramm Gewicht für ein Schleswiger Kaltblut, das kurzfristig bis zu einer Tonne schleppt. Und trainiert ist der 14-Jährige schließlich auch. Das Pferd vom Zimmerei- und Holzrückebetrieb Patrick Mühlenberg in Süsel zieht in seiner Arbeitswoche Baumstämme aus dem Wald.

Der Schleswiger Kaltblüter half mit, für die Flussseeschwalben einen Brutplatz auf dem Middelburger See zu verankern — Zwei Flöße wurden jetzt zu Wasser gelassen.

Schleswiger Kaltblüter

Schleswiger Kaltblutpferde sind — der Name sagt es — in Norddeutschland zuhause. Sie sind von mittlerer Größe, das Stockmaß liegt zwischen 154 und 162 Zentimetern. Ihr Charakter ist freundlich, sie sind lauffreudig und arbeitswillig. Wenn „Ulan“ nicht Stämme aus dem Wald zieht, wird er im Sommer für Kutschfahrten eingespannt.

Gestern Morgen gab es für „Ulan“ eine kleine Abwechslung. Auf dem Gelände des Buscherhofes von Elke und Martin Teich in Middelburg war seine Pferdestärke gefragt. Die beiden Brutflöße für Flussseeschwalben, die im vergangenen Sommer von einer Gruppe Jugendlicher im Rahmen eines Workcamps der Organisation SCI (Service Civil International) gebaut worden waren, wurden im Middelburger See zu Wasser gelassen. Rechtzeitig vor der Brutzeit — sie beginnt im Mai — sollen die beiden Neun-Quadratmeter-Pontons an der Südseite des Sees verankert werden. Vorher werden sie noch mit Sand bedeckt.

Die Flöße wurden gemeinsam mit dem Verein „Wasser Otter Mensch“ konstruiert. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises unterstützt das Projekt mit 12 500 Euro aus Ausgleichszahlungen.

Und auch „Ulan“ leistete gern einen Beitrag. Der Transport ins Wasser schien ihm zu gefallen, was sein Besitzer bestätigte. „Schleswiger Kaltblutpferde sind wesentlich ausgeglichener, wenn sie arbeiten“, erläuterte Patrick Mühlenberg. Fehle ihnen Beschäftigung, kämen sie schnell auf dumme Gedanken. Keine zehn Minuten brauchte „Ulan“, dann hatte er den Job erledigt. Brav zog er beide Flöße ins kalte Wasser. Zum Dank gab es ein paar Streicheleinheiten.

Wie Carsten Burkgraf vom Verein „Wasser Otter Mensch“ erläuterte, waren Flussseeschwalben noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts häufige Brutvögel an den deutschen Küsten und im Binnenland. Das hat sich stark verändert. Die eleganten Flieger mit gegabeltem Schwanz und rotem Schnabel mit schwarzer Spitze brauchen ungestörte Uferzonen und vegetationsfreie Inseln. „Diese Bruthabitate sind in unserer Kulturlandschaft selten geworden und somit ist der Brutbestand der Flussseeschwalben an den Seen der Holsteinischen Schweiz seit Jahren rückläufig“, so Burggraf. Die Flöße sollen nun helfen, den Bestand zu stabilisieren. Auch auf dem Barkauer See schwimmt solch ein künstlicher Brutplatz.  pet

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige