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Umstieg: Vom Schreibtisch auf den Hof

Ahrensbök Umstieg: Vom Schreibtisch auf den Hof

Andrea Weber und Thorsten Heide haben in nur wenigen Jahren ihre Nutztier-Arche in Ahrensbök aufgebaut.

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Toulouser und Pommern-Gänse sind — ebenso wie Enten — in den Wochen vor Weihnachten natürlich besonders gefragt. Ihr Fleisch ist „langsam gewachsen“ — das hat seinen Preis.

Ahrensbök. Aus der jahrzehntelang währenden Tretmühle aussteigen und endlich etwas Schönes machen, aufs Land gehen, einen Hof aufbauen, Tiere halten: Das ist für viele vielleicht nur ein Klischee von einem Lebenstraum — es kann aber auch Realität werden. Wie für Andrea Weber und Thorsten Heide: Das Paar hat im Ü-50-Alter recht radikal die Branche gewechselt und die Nutztier-Arche Hof Steindamm in Ahrensbök aufgebaut. Mit Hartnäckigkeit, mit einer Menge Einsatz und beeindruckend schnell.

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Ein Landhaus-Traum ist die Stube von Andrea Weber und Thorsten Heide, die mitunter auch als Café dient.

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Wobei der Lebenstraum zunächst gar nicht in Ostholstein, sondern in Dithmarschen, kurz vor St. Peter-Ording, verwirklicht werden sollte. „Dort hatten wir uns einen Haubarg aus dem 17.

Jahrhundert ausgeguckt“, berichtet Andrea Weber. In dem für die Westküste typischen Bauernhaus auf Ständern wollten sie und ihr Mann ein Café einrichten und Produkte aus der Umgebung anbieten, „die Produzenten effektiv vernetzen“, sagt Thorsten Heide. Das Projekt sollte den Schlusspunkt setzen unter seine aufreibende Tätigkeit als Industrie-Versicherungsmakler und unter Andrea Webers lange, harte Arbeit in der Werbeabteilung eines großen Unternehmens in Süddeutschland.

Doch die Aus- beziehungsweise Umsteiger konnten sich mit dem Haubarg-Eigentümer nicht einigen. Die Suche ging weiter, über 50 Resthöfe hätten sie besichtigt, schätzt Andrea Weber, alle in Schleswig-Holstein: „Ich liebe das Wasser und das Meer.“ Auch die Begeisterung für Tiere verbindet das Paar. Andrea Weber hat sich intensiv im Reitsport engagiert. „Ich hatte zwar früher nur einen Hamster, später einen Hund“, meint Thorsten Heide mit einem Lächeln, „aber da war immer diese Affinität zu Tieren.“ Gleichzeitig wuchs das Bewusstsein für gutes Essen — gut in Bezug auf die Tierhaltung und die Landwirtschaft. „Ich hatte einige Kunden in der Lebensmittel-Industrie“, berichtet Thorsten Heide. „Wenn ich mit denen gesprochen habe, wurde klar, dass vieles im Argen liegt.“

Schließlich stießen die Suchenden auf den Hof am Ahrensböker Steindamm. „Eine technisch gut sanierte Ruine“, erinnert sich Thorsten Heide lachend. „Wir haben uns trotzdem nach nur einer Besichtigung entschieden, den Hof zu nehmen“, ergänzt Andrea Weber. Im Juli 2011 kauften sie und stürzten sich in die Arbeit. Sie können Geschichten von Mäusen und Holzwürmern erzählen, von einem gewaltigen Wasserschaden und fensterlosen Räumen, entlaufenen Ziegen und zwei Jahren Sanierung.

Die ersten Tiere auf dem Hof waren drei Dexter-Rinder und vier Schafe — Skudden, eine alte, kleinwüchsige Rasse. „Und Katzen brauchten wir dringend, wegen der Mäuse“, wirft Andrea Weber ein. Es kamen Enten und Gänse hinzu, Pferde, Esel, Schweine, Hunde und Hühner. Jetzt tummeln sich etwa 200 Tiere auf dem Hof, den angrenzenden zwei Hektar Land und den weiteren sechs Hektar, die im Curauer Moor gepachtet sind. „Alle unsere Tiere können autark überleben, es sind historisch bewährte Rassen“, meint Thorsten Heide: Pommern-Gänse und Maran-Hühner, Thüringer Waldziegen und Turopolje-Schweine aus Kroatien.

Thorsten Heide schwärmt vom „langsam gewachsenen Fleisch“ und versteht diejenigen nicht, die die Preise von Qualitätsfleisch mit denen für „Discounter-Koteletts“ vergleichen. Andrea Weber erzählt, dass die Gänse und Enten auf dem Hof überwiegend Muskelfleisch aufweisen, „deshalb müssen sie für den Weihnachtsbraten natürlich viel länger und langsamer gegart werden“, und dass ein Ei von der Nutztier-Arche eben 50 Cent koste und nicht zehn. Sie verkaufen ihre Tiere an Züchter und zur Schlachtung und lassen ihre Produkte extern verarbeiten. Zwei Ferienwohnungen haben schon regelmäßig Gäste, eine dritte wird eingerichtet. Andrea Weber bietet im Hof-Café selbstgebackene Kuchen und Torten und nebenan selbstgemachte Marmeladen und Liköre an, es gibt Trödel- und Weihnachtsmärkte auf dem Hof und die Möglichkeit, dort Kindergeburtstage zu feiern oder eine Tierpatenschaft zu übernehmen. Nächster Neuzugang sollen Tarpans sein, eine kleine Wildpferd-Rasse, eine Stute ist schon da.

Inzwischen helfen ein Festangestellter und zahlreiche Praktikanten, die Arche am Laufen zu halten. Es sei viel Arbeit, „aber es fühlt sich oft nicht wie Arbeit an“, meint Thorsten Heide. Würde er anderen raten, ebenfalls so entschlossen umzusteigen, wie er und seine Frau es getan haben? „Ja“, findet er, „wenn jemand einen seelenlosen Job hat, vielleicht nur noch für Statussymbole arbeitet — auf jeden Fall.“ Und würden die Arche-Gründer ihren Schritt noch einmal wagen? „Uneingeschränkt ja“, sagt Andrea Weber: „Ich liebe es.“

Es gibt Fleisch, Eier, Likör — und manchmal sogar Hundewelpen
Das Angebot der Nutztier-Arche Hof Steindamm ist vielfältig. Tiere werden zur Zucht oder zur Schlachtung verkauft, es gibt Eier, und Schweine können auch geleast werden. Besucher können Tierpatenschaften übernehmen, und ab und zu stehen sogar Hundewelpen der Rasse „Magyar Vizsla“ (ungarische Jagdhunde) zum Verkauf.

Das Café mit selbstgebackenen Kuchen hat nach Angaben der Betreiber immer geöffnet, „wenn jemand vorbeikommt“. Zusätzlich werden Frühstücks-Vormittage oder Brunch angeboten. Außerdem gibt es selbstgemachte Marmeladen und Liköre, Trödel und Antikes sowie Oster- oder Weihnachtsmärkte. Zwei Ferienwohnungen warten auf Gäste.

Sabine Latzel

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