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Ostholstein Umzug sucht neuen Sankt Martin
Lokales Ostholstein Umzug sucht neuen Sankt Martin
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22:26 07.11.2017

Dass Martin Picht, Vollstreckungsbeamter bei der Stadt Eutin, zum Heiligen Martin geworden ist, geht auf Initiative von Lutz Tamchina, Pastor im Ruhestand, zurück, „Er hatte damals wohl mitbekommen, dass ich sehr aktiv im Reitsport war, und mich angesprochen“, berichtet der 47-Jährige. Mit seinem Pflegepferd „Charly“ führte er erstmals den Festumzug durch Eutin an. Es folgte sein erstes eigenes Pferd „Amor“, danach „Dakar Noir“, der seit 16 Jahren brav und zuverlässig am 11. November mehrere hundert Laternengänger durch Eutin geleitet. „Zwischen 400 und 600 Leute sind es immer“, sagt sein Besitzer.

Auf der heimischen Koppel: Martin Picht mit seinem Rappen „Dakar Noir“, der ihn viele Jahre beim Martinsumzug getragen hat. Quelle: Fotos: Benthien/privat
Martin Picht in seiner Verkleidung als Sankt Martin auf „Dakar Noir“ bei einem früheren Umzug.

Martin Picht hat „Dakar Noir“ als Dreijährigen bekommen, mittlerweile ist der Hannoveraner 23 Jahre alt. Umgerechnet auf Menschenalter – man nimmt mal vier – entspräche das 92 Jahren. „Er ist ein ruhiger Vertreter. Aber es gibt bestimmte Situationen, die ihn richtig hochfahren lassen. Wenn er etwas fürchterlich findet, habe ich oben im Sattel gut zu tun“, sagt Picht lachend. Zum Glück beschränkt sich das auf wenige, sehr spezielle Situationen. „Wenn wir beim Ausreiten im Wald einer größeren Gruppe von Radfahrern begegnen, putscht er sich daran richtig hoch“, berichtet der Reiter.

Die Martinsumzüge hat „Dakar Noir“ aber stets souverän gemeistert. Dennoch ist Picht erleichtert, wenn alles gut gegangen ist.

„Das ist schon ein toller Umzug, so mit Pferd, einem kleinen Schauspiel in der katholischen Kirche und mit der Mantelteilung, den wir hier bieten“, findet der Eutiner. Seines Wissens nach sei das in der Region einmalig. Geteilt werden später auch von der Bäckerei Klausberger gestiftete Quarkhefeteig-Gänse, die als Martinsschmaus für die Kinder im evangelischen Gemeindehaus bereitstehen. Die Werte des Heiligen Martin – gemeint ist Martin von Tours, der in der Zeit zwischen 316 bis 397 lebte, bei einem Ritt in der Nähe von Amiens einem Armen begegnete und ihm sofort die eine Hälfte seines Mantelumhangs abgab – zu vermitteln, ist auch Martin Picht ein Anliegen. „Mitgefühl haben, teilen können – das ist doch ganz wichtig für Kinder“, sagt er.

Die Umzüge haben ihm Jahr für Jahr viel Freude bereitet, wenngleich er festgestellt hat, „dass früher viel mehr Laternelieder gesungen wurden und die Kinder ebenso wie die Erwachsenen textsicherer waren“. Leider seien auch LED-Lichter in den Laternen immer mehr verbreitet. Dabei seien echte Kerzen doch viel stimmungsvoller, auch wenn dadurch ab und an eine Laterne in Flammen aufgegangen sei.

Gerne hätte Martin Picht den Martinsumzug auch noch weitere Jahre begleitet: „Aber ,Dakar’ war im Mai vollkommen lahm, und ich bin froh, dass wir ihn wieder so gut hinbekommen haben.“ Dazu waren erst Spritzen, dann Behandlungen mit Muschelextrakt und Teufelskralle vonnöten. Wenn er mit dem Hannoveraner künftig kleine Ausflüge in den Wald machen könne, sei das schön. Aber den Festumzug über Asphalt und Kopfsteinpflaster möchte er ihm ungern weiter zumuten. Außerdem könne er seine Zusage für den Martinsumzug durch den gesundheitlichen Zustand von „Dakar“ nicht zuverlässig geben. „Ich hoffe im Sinne der Kinder auf einen Nachfolger und würde auch mit ihm trainieren“, sichert Martin Picht möglichen Interessenten zu.

Von Kirche zu Kirche

Den Martinstag, 11. November, feiern die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Eutin und die Röm.-Kath. Kirchengemeinde St. Marien Eutin gemeinsam.

Um 17 Uhr ist Beginn in der katholischen Marienkirche an der Plöner Straße. Von dort startet der Laternenumzug durch die Stadt zur evangelischen Michaeliskirche am Markt.

Ein Martinsschmaus findet im Gemeindehaus statt. Wer daran teilnehmen möchte, bringt bitte einen Trinkbecher mit.

Gesucht wird ab 2018 ein neuer Martins-Reiter: Wer Interesse daran hat, melde sich bei Pastor Philipp Bonse, Telefon 04521/7613954.

Ulrike Benthien

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