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Unangepasst und kritisch zum politischen Erfolg

LN SERIE: JUGEND IN DER POLITIK Unangepasst und kritisch zum politischen Erfolg

Max Dittrich und Einhard Leichtfuß kämpfen um die Grüne Jugend Ostholstein.

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Engagieren sich in der Grünen Jugend: Abiturient Max Dittrich (19, l.) aus Hassendorf und Student Einhard Leichtfuß (19) aus Roge. FOTOS/MONTAGE: BEKE ZILL

Eutin. Der Igel ist das Symbol der Grünen Jugend – stachelig, provokant und unbequem. Die junge Partei habe im Land viel Zuspruch, berichtet Einhard Leichtfuß (19) aus Roge. Er studiert seit einem halben Jahr in Kiel Informatik. In seiner Heimat Ostholstein allerdings kämpft sein Parteifreund Max Dittrich aus Hassendorf allein auf weiter Flur. Der 19-jährige Abiturient ist der Einzige, der als Nachwuchspolitiker die Grüne Jugend im Kreis noch am Leben hält. Das Potenzial der Partei seien die Schüler, sagt Leichtfuß. Doch genau sie sind es, die zumindest in Ostholstein fehlen. Ist politisches Interesse eine Frage des Alters?

Es werde zwar viel über Politik diskutiert, beispielsweise im Debattier-Club in der Eutiner Kreisberufsschule, in der Max Dittrich derzeit sein Abitur in der Fachrichtung Elektrotechnik ablegt. Doch sich gezielt einer Partei zu widmen, bleibt aus. „Wenn ich in eine Partei eintrete, dann muss ich mich aktiv bekennen“, versucht er zu erklären, warum der „letzte Schritt“ bei vielen jungen Leuten fehlt. Eine Antwort auf die Frage, warum sich viele nicht in einer Partei engagieren, habe er noch nicht gefunden. Einhard Leichtfuß glaubt, dass viele Schüler recht jung und deshalb schwer zu begeistern seien. Sein Engagement bei der Grünen Jugend begann 2015, als ihm in der Schule „ein paar Dinge nicht gefielen“. Und da es allein schwierig sei, Dinge voranzubringen, trat er in die Partei ein. „Ich mag es, mit anderen Menschen zu diskutieren.“ Aus dem Grund fühlt er sich bei den „nicht stark festgefahrenen“ Grünen gut aufgehoben. „Ich kann eigene Ideen mit einbringen und offene Diskussionen führen.“

Eine liberale Fernseh-Politikshow in den USA, die er sich als Austauschschüler dort mit seiner Gastfamilie anschaute, motivierte Max Dittrich vor drei Jahren, sich politisch zu engagieren. „Man kann alles passiv konsumieren. Nur wenn man aktiv in eine Partei eintritt, kann man etwas ändern“, sagt Dittrich. Für ihn kamen von Anfang nur die Grünen infrage. Der Umweltschutz und weitere Themen der Partei bauen aufeinander auf. „Alles greift ineinander. Semantisch macht es alles Sinn“, sagt Max Dittrich. Außerdem findet er gut, dass die Grünen oft zu Antworten kommen, die vielleicht provokant und anregend seien.

Trotz ihres Engagements bei den Grünen wollen er und Einhard Leichtfuß eher im Hintergrund der Partei agieren. „Ich plane kein politisches Amt“, sagt Dittrich. Auch Einhard Leichtfuß will sich eher innerhalb der Grünen Jugend weiter in Diskussionen einbringen. „Für ein Amt braucht man mehr Lebenserfahrung“, sagt er.

Die haben auf jeden Fall Umweltminister Robert Habeck und Finanzministerin Monika Heinold, die vor der Wahl am 7. Mai für die Grünen-Zweitstimme werben. Mit der Landespolitik ist Leichtfuß

zufrieden. „Die Periode ist sehr gut gelaufen. Die Positionen gehen nicht weit auseinander“, sagt er. Für die Wahl erhoffen sich die Jungen Grünen, dass ihre Partei an das Ergebnis herankommt, das sie bei der letzten Wahl erzielt hatte – 2012 waren es 13,2 Prozent.

Dittrich erhofft sich mehr. „Natürlich über 50 Prozent, aber das ist wohl nicht allzu realistisch“, sagt er grinsend. Die Grünen-Politiker werden aber wieder eine Rolle spielen. „Wir sind in Schleswig-Holstein gut aufgestellt“, sagt Leichtfuß.

Während Heinold und Habeck für bezahlbare gute Ernährung, eine weltoffene Gesellschaft und Mut kämpfen, ist für Leichtfuß das bedingungslose Grundeinkommen ein spannendes Thema. „Jeder hat ein Recht auf ein gutes Leben“, sagt der 19-Jährige. Wie die praktische Gestaltung nachher aussehen werde, müsse man gucken. Dittrich beschäftigt die Zukunft der Robotik und Automatisierung und wie die Gesellschaft damit umgeht. „Studien zufolge fallen in den nächsten 25 Jahren bis zu Zweidrittel aller Arbeitsplätze weg. „Das Thema muss als Ganzes gelöst werden“, betont er.

Dinge reflektieren, unbequem sein – das schätzt Dittrich an der Grünen Jugend, die selbst für die Grünen noch eine Initialzündung sein kann. „Das vermisse ich bei den anderen Parteien“, sagte er.

Deshalb kämpft Dittrich weiter – noch auf einsamem Posten in seinem Kreisverband.

 bz

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