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Ostholstein Unser Grundwasser lagert im Eiszeit-Speicher
Lokales Ostholstein Unser Grundwasser lagert im Eiszeit-Speicher
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11:23 31.07.2018
Welchen Weg Regenwasser nimmt, wird in dieser Grafik am Beispiel von Timmendorfer Strand dargestellt. Dort wird das Nass als Grundwasser hochgepumpt. SKIZZE: T. PLATH
Sierksdorf

Bereits vor etwa 150000 Jahren begannen sich die bis heute existierenden verschiedenen Erdschichten auszubilden (bis vor etwa 10000 Jahren). Die Speichergesteine im Bereich Klötzin bei Heringsdorf sind noch deutlich älter (Erdzeitalter Tertiär, vor Millionen Jahren). Aus Sicht von Rüdiger Lange- Jost, Geschäftsführer der ZVO Energie GmbH, ist das ein Glücksfall. Eine der Schichten besteht aus 20 bis 25 Metern Lehm, Ton und Mergel (ein Sedimentgestein aus Ton und Kalk). Diese Kombination lasse kaum Wasser durch und wirke zudem wie ein natürlicher Filter.

Der Zweckverband Ostholstein versorgt weite Teile des Kreises mit Trinkwasser. Doch um dieses zu gewinnen, gibt es hier – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – keine Stauseen. Stattdessen wird Grundwasser hochgepumpt. Der Ursprung des natürlichen Speichers liegt in der Eiszeit.

Unterirdische Adern aus Skandinavien gibt es laut Experten nicht, auch wenn das immer wieder zu hören ist.

Dennoch ist die Situation im sogenannten Lübecker Zungenbecken beinahe einmalig in Schleswig-Holstein und eine geologische Besonderheit. „Viele Gegenden haben Probleme mit Nitrat im Grundwasser.

Wir nicht“, betont Gesine Strohmeyer, ZVO-Verbandsvorsteherin. Das Nitrat werde durch die Schichten herausgefiltert.

Regen gelangt nach Jahren in den Grundwasserspeicher

Ohne Regen gäbe es irgendwann kein Grundwasser und somit auch kein Trinkwasser mehr. Das kühle Nass von oben versickert und bahnt sich langsam seinen Weg in die Tiefe. „Es dauert Jahre, bis es im Grundwasser ankommt“, sagt Lange-Jost. Auf dem Weg durch die Erdschichten nehme das Regenwasser Mineralien auf. Anschließend bewege es sich äußerst langsam weiter. „Es gibt keine unterirdischen Seen oder Becken. Das Grundwasser ist mit Kies vermischt. Wir haben spezielle Filter. Dort strömt das Wasser rein und wird dann hochgepumpt“, erklärt Lange-Jost. Der Diplom-Ingenieur vergleicht diesen Prozess mit einem Sieb am Strand, mit dem Kinder Wasser und Sand voneinander trennen.

Neben dem Hauptwasserwerk in Süsel gibt es weitere Anlagen in Ahrensbök, Timmendorfer Strand, Farve, Oldenburg und Klötzin. Jedes Werk ist für die Versorgung eines Gebietes zuständig. Im Notfall können die Netze auch zusammengeschlossen werden, wobei dies aktuell kaum möglich ist. Der Wasserbedarf ist extrem hoch. „Insbesondere in den Morgenstunden ist das Limit erreicht“, sagt Gesine Strohmeyer. Sie begründet dies mit dem gleichzeitigen Duschen von Einheimischen und Urlaubern sowie dem Einsatz von zahlreichen Sprinkleranlagen aufgrund des anhaltend heißen Hochsommers. Allein im Juli sei der Verbrauch um rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

9,8 Millionen Kubikmeter

Wasser jährlich gefördert

Trotzdem braucht sich niemand Sorgen zu machen, dass bald kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. „Die Versorgungssituation ist gut. Das Lübecker Zungenbecken im Südkreis wird seit 20 Jahren untersucht. Es gibt genug Wasser“, betont Lange-Jost. Einen Wert, die die genaue Menge an Grundwasser beziffert, gibt es nicht. Bekannt ist, dass jährlich rund 9,8 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden. Eine gewaltige Menge – in etwa 39200 Mal so viel wie in den Eutiner Wasserturm passt.

So geht’s weiter: In den nächsten Tagen berichten die LN über den Besuch im Wasserwerk des Zweckverbandes Karkbrook (Grömitz): „Vom Brunnen bis zum Wasserglas“.

Nur zehn Prozent des Grundwassers werden zu Trinkwasser

36 Brunnen betreibt der Zweckverband Ostholstein im Kreis. Das Grundwasser wird aus 40 bis 160 Metern Tiefe nach oben gepumpt.

Laut Land entstehen jährlich im Schnitt pro Quadratmeter 150 Liter Grundwasser. In Schleswig-Holstein werden „pro Jahr rund 2,3 Milliarden Kubikmeter Grundwasser neu gebildet, wovon nur etwa zehn Prozent für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt werden“, ist auf der Internetseite www.schleswig-holstein.de nachzulesen. Die Grundwasserstände werden an Hunderten Messstellen überwacht. Die Versorger sollen den Pegelstand möglichst halten.

Sebastian Rosenkötter

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