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Untergang der „Condor“ ist aufgeklärt

Fehmarn Untergang der „Condor“ ist aufgeklärt

Nach dem Untergang des Fischkutters „Condor“ im Februar 2016 vor Fehmarn fordern die mit der Unfalluntersuchung beauftragten Experten eine Überprüfung aller deutscher Fischkutter. Das geht aus dem Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hervor.

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 Am 6. Februar 2016 kehrte der Fischkutter „Condor“ von einer Tagesfangreise nicht mehr in seinen Heimathafen Burgstaaken zurück. Er sank rund 3,5 Seemeilen östlich von Fehmarn. 

Quelle: dpa

Hamburg/Fehmarn. Die Tragödie wirkt bis heute auf der Insel nach. Am 6. Februar 2016 kehrte der Fischkutter „Condor“ von einer Tagesfangreise nicht mehr in seinen Heimathafen Burgstaaken zurück. Er sank rund 3,5 Seemeilen östlich von Fehmarn. Der 52-jährige Kapitän und sein Decksmann (45), zwei erfahrene Fischer, wurden in den Abendstunden nach einer großen Suchaktion tot aus der Ostsee geborgen. Ihr Schiff blieb zunächst tagelang verschollen und wurde erst Anfang März in einer spektakulären Aktion geborgen (LN berichteten).

LN-Bild

Nach dem Untergang des Fischkutters „Condor“ im Februar 2016 vor Fehmarn fordern die mit der Unfalluntersuchung beauftragten Experten eine Überprüfung aller deutscher Fischkutter. Das geht aus dem Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hervor.

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Der Unfallhergang wirft seither aber immer wieder Fragen auf – und sorgt für anhaltende Spekulationen. Bis gestern: In Hamburg legte die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) unter großem Medieninteresse ihren 143 Seiten umfassenden Abschlussbericht zu dem Vorfall vor, der von der Behörde als „sehr schwerer Seeunfall“ eingestuft wird.

Mit einer überraschenden Erkenntnis: Die BSU-Experten Ferenc John und Dirk Dietrich monierten eine „unzureichende“ hydrostatische Stabilität des Kutters. Verantwortlich dafür sei eine „fehlerhafte“

Auswertung beim Stabilitätsnachweis, der 2005/2006 von der damaligen See-Berufsgenossenschaft ausgefertigt wurde. Sie fordern als Konsequenz eine außerplanmäßige Überprüfung aller deutschen Fischkutter. Denn Ferenc John befürchtet: „Bei mehreren hundert Kuttern könnte akuter Handlungsbedarf bestehen.“

Verhängnisvoll wurden die Stabilitätsprobleme des vor über 70 Jahren gebauten Kutters durch andere Faktoren. Der außerordentlich gute Tagesfang, den die Fischer noch am späten Vormittag nach Burgstaaken meldeten, wurde auf dem Oberdeck und nicht im unteren Stauraum, in dem bis zu fünf Tonnen hineinpassen, gelagert. John: „Der war geradezu klinisch sauber.“ Gleichzeitig fehlte dem Fischkutter mit nur noch wenig Treibstoff an Bord das nötige Gegengewicht.

Als die „Condor“ kenterte, kam noch weiteres Unheil hinzu. So hat das sich im Normalfall automatisch aufblasende Rettungsfloß überhaupt nicht ausgelöst. Verantwortlich dafür war, wie in den LN berichtet, dass es von einer dänischen Service-Firma zuvor bei der Wartung nicht ordnungsgemäß verpackt worden war. Die bittere Folge: Die Leine verklemmte sich, deshalb trieb das Rettungsfloß auch nicht an die Wasseroberfläche. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat aber bereits Ende 2016 ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. Die Herstellerfirma hat, so gestern die BSU, jedoch reagiert und der Wartungsfirma die Zulassung entzogen.

Außerdem sendete die Notfunkbake kein Notsignal. Die Ursachen dafür konnte die BSU nicht eindeutig klären. Hätte sie funktioniert, hätten die Fischer eventuell eine Überlebenschance gehabt – allerdings nur bei anderen Temperaturen – nicht im Winter.

Die BSU empfiehlt in ihrem Abschlussbericht daher, eine zweite Bake auf den Kuttern zu installieren: zur Absicherung gegen einen Systemausfall. Die kompletten Sicherheitsempfehlungen der BSU werden an das Bundesministerium für Verkehr weitergeleitet. Direktor Ulf Kaspera verdeutlichte: „Unsere Untersuchungen zielen auf die Ermittlung der Umstände, Ursachen und begünstigenden Faktoren bei Seeunfällen. Sie dienen nicht der Feststellung von Verschulden, Haftung oder Ansprüchen.“

Der Abschlussbericht zum Download: www.bsu-bund.de

 Von Gerd-J. Schwennsen

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