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Ostholstein Unterwasser-Radrenn-Show mit Joey Kelly
Lokales Ostholstein Unterwasser-Radrenn-Show mit Joey Kelly
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23:55 27.06.2013
Von Peter Mantik
Start am Sund: Joey Kelly (Mitte), Wolfgang Kulow (r.) und Marcel Heinig werden von 2500 Fans angefeuert. Quelle: Fotos: Peter Mantik (3)

Morgenidyll in Lensahn. Einige ältere Damen ziehen im temperierten Becken des Waldschwimmbades in Lensahn gemächlich ihre Bahnen, als mit einem Mal sportliche Männer mit Mountainbikes, Tauchanzügen und lauter Equipment am Beckenrand auftauchen. Wer stört da die morgendliche Schwimmstunde?

Extremsportler Wolfgang Kulow und Team waren  ins Waldschwimmbad in Lensahn gekommen, um für die Generalprobe zur Weltpremiere anzutreten.

Extremsportler Wolfgang Kulow und Team waren gekommen, um für die Generalprobe zur Weltpremiere anzutreten. Denn am Nachmittag sollte in Großenbrode „das erste“, wie Kulow es ausdrückte, „seriöse Radrennen der Welt unter Wasser“ stattfinden. Der 64-Jährige hatte für diesen sportlichen Spaß zwei prominente Mitstreiter gefunden. Ausdauersportler und Musiker Joey Kelly (40) sowie Marcel Heinig (31), der ehemalige Weltmeister im Zehnfach-Triathlon, waren von Kulows verrückter Eingebung gleich begeistert gewesen, als sie davon hörten. Doch als Kelly im Outfit eines Michelin-Männchens mit lauter Bleigewichten und Druckluftflasche neben Kulow am Beckenrand auftauchte, fragte der Medienprofi trocken: „Wolfgang, was machen wir hier?“ „Ja Joey, das werden wir sehen.“ Dann ging es ins Wasser, zuerst die Räder, dann die Fahrer. Ein Jammer: Die drei gesponserten Stevenson- Mountainbikes zu je 2500 Euro dürften nach ihrem Einsatz wegen des Salzwassers eine maximale Lebenserwartung von zwei Jahren haben. Ostsee, Friedhof der Fahrräder.

Mittagspause ohne Essen. Kulow: „Bloß nichts essen, das würde sonst beim Rennen wieder hoch kommen.“ Hungern für die Herausforderung. Dann verzogen sich die Wolken, stand die Sonne steil am Himmel und lockte 2500 Schaulustige zur Großenbroder Seebrücke am Südstrand. Volksfeststimmung. Wann hat es das zuletzt am Sund gegeben? Vorab starteten die drei — wie es im großen Rennsport üblich ist — ein Qualifying. Kulow: „Wer das gewinnt, darf als Erster ins Rennen starten. Das ist wie bei der Formel 1. Denn wir starten von einer Matte, auf der nebeneinander nicht alle Platz haben.

Schließlich wollen wir ja Stürze vermeiden.“ Den Kampf um die Poleposition gewann Joey Kelly, schwer nach Luft ringend. Das war anstrengend. Jubel in Großenbrode. Für das Hauptrennen spielte auch die Reifentaktik eine wichtige Rolle. Bei welchem Reifendruck lässt es sich unter Wasser, aber auch auf der Sandbank am optimalsten fahren? Jeder hatte da so seine eigene Idee. Und: Welche Bleigewichte würden optimal sein, um keinen Auftrieb in der Strömung zu haben? Kelly hatte gut 50 Kilogramm am Körper. Auftrieb? Unmöglich! Das einzige was fehlte, war das Safety-U-Boot. Aber dafür waren die LN ja mit unter Wasser, begleiteten die drei Wettkämpfer in den Fluten.

Die Startsirene. Kelly vor Kulow und Heinig. Die erste Sandbank, dann bis zum Kopf im Wasser und auf die zweite Sandbank hinauf. Moderator Hans-Heinrich Schröder kommentierte: „Ja, jetzt geht es über die Großenbroder Rockys.“ Für die Sportler war es harte Arbeit. Die Strömung, das Wasser, die Sandbänke und sogar Gestein im tiefen Bereich forderten den Athleten alles ab. Mit zweiter Luft und großem Ehrgeiz verteidigte das ehemalige Mitglied der Band „Kelly Family“ seine Führung. Und hinter ihm wechselten die Verfolger die Positionen, bis schließlich Gastgeber Kulow, immerhin 64 Lenze jung, als Zweiter ins Ziel wankte, wo ihn sein Kumpel Kelly („wir kennen uns seit 15 Jahren vom Ultra-Triathlon“) mit einem Becher Wasser in der Hand empfing. Die Freunde waren wieder vereint, lächelten schon wieder — und die Zuschauer am Strand hatten jede Menge Spaß. Die ganze Seebrücke war besetzt, viele standen im Wasser und am Strand herrschte reges Gedränge um die besten Blickwinkel auf das Rennen. Später im Ziel sagte Kelly: „Hey, Wolfgang, was haben wir jetzt schon wieder erlebt. Ich mag gar nicht daran denken, was wohl als nächstes folgt.“

Sagte es, packte seine Sachen und stieg wenig später lässig in die Limousine. Abfahrt nach Kiel, wo er heute und morgen zwei Vorträge hält und auch ein Besuch der Kieler Woche geplant ist.

• Ein Video finden Sie im Internet unter: www.ln-online.de

„Wolfgang, was machen wir hier?“
Joey Kelly zu Wolfgang Kulow

Peter Mantik

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