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Ostholstein Unverzichtbar: Dolmetscher im Einsatz
Lokales Ostholstein Unverzichtbar: Dolmetscher im Einsatz
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20:25 12.12.2015
Dolmetscher Ali Bouhali trifft in der Sprechstunde des Familienzentrums Küste Nabil (13) und dessen fünfjährige Schwester Saha. Sie wollen Arzttermine absprechen und Kontakt zu einer Helferin aufnehmen.

Beim Arztbesuch alles richtig verstehen: Das ist schon dann nicht immer leicht, wenn Mediziner und Patient die selbe Sprache sprechen. Für Flüchtlinge gestalten sich Untersuchungen und Termine um ein Vielfaches schwieriger. Hilfesuchende, die jetzt in Ostholstein leben, sind deshalb froh, dass es Ali Bouhali gibt. Der 46-jährige Algerier übersetzt vom Arabischen ins Deutsche und umgekehrt und ist damit für das Familienzentrum Küste des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in Neustadt als Dolmetscher und Koordinationshelfer im Einsatz — oder besser: im Dauereinsatz.

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Dolmetscher Ali Bouhali trifft in der Sprechstunde des Familienzentrums Küste Nabil (13) und dessen fünfjährige Schwester Saha. Sie wollen Arzttermine absprechen und Kontakt zu einer Helferin aufnehmen.

Knieschmerzen habe er, sagt der 13-jährige Nabil aus Syrien, der in die offene Sprechstunde des Familienzentrums gekommen ist. Nabil kann sich schon gut auf Deutsch verständigen, er geht seit einem Jahr in Deutschland in die Schule. Neben ihm sitzt seine fünfjährige Schwester Saha und blickt aus großen Augen schüchtern in die Welt. Einen Teil des Gesprächs übersetzt Nabil für seine Mutter, sie braucht auch einen Arzttermin, und die Familie wünscht sich Unterstützung von einer ehrenamtlichen Helferin. „Wir verabreden ein erstes Treffen mit einer Ehrenamtlichen“, berichtet Sven Reimann, Integrationsfachkraft beim DKSB, „und ich mache einen Termin beim Arzt aus. Ali ruft euch dann an.“

Zwei junge Männer betreten den Raum, „please, sit down“, sagt Reimann, der sich den ganzen Nachmittag lang mit einer Mischung aus Englisch und Deutsch verständigt — und mit einigen Sätzen auf Arabisch. „Ich habe Islamwissenschaften studiert“, erzählt er. „Deshalb kann ich Arabisch recht gut verstehen. Aber ich kann nicht so gut antworten.“ Wieder übersetzt Bouhali: Einer der Männer, ein Iraker, versteht sich nicht mit seinen Mitbewohnern, er möchte das Zimmer wechseln. Reimann telefoniert mit dem Ordnungsamt. „Morgen“, kann er verkünden, „morgen kannst du umziehen.“

„Beim Ankommen begleiten — und bei unzähligen wichtigen Details helfen“: So lässt sich die Aufgabe von Reimann und Bouhali beschreiben. Sie übersetzen Briefe und beantworten Fragen nach Kühlschränken oder Fahrrädern. „Wir unterstützen natürlich auch Eltern bei der Schulanmeldung ihrer Kinder“, erklärt Reimann. Die Helfer gehen mit zur Schule, und sie füllen zusammen mit den Flüchtlingen die Formulare aus.

Ein Iraker erscheint mit seinem 17-jährigen Neffen. Der Jugendliche soll die berufliche Schule besuchen — aber wer übernimmt die Fahrtkosten? Wieder telefoniert Reimann los. „Ihr müsst einen Antrag beim Jobcenter stellen“, meint er dann. „Wenn das nicht klappt, müsst ihr noch einmal wiederkommen, vielleicht finden wir eine Alternative.“

In einer kurzen Pause koordinieren Reimann und Bouhali weitere Arzttermine, zusammen mit Marina Breis, die stundenweise für den DKSB als Dolmetscherin arbeitet. Sie hat 15 Jahre im Libanon gelebt und spricht auch Arabisch. Das verstünden auch viele Flüchtlinge aus Eritrea, sagt sie. Für das ebenfalls in dem afrikanischen Land verbreitete Tigrinya gibt es noch keinen Übersetzer in Ostholstein.

Ein Flüchtling aus dem Kosovo hilft dem Team inzwischen auf ehrenamtlicher Basis mit seinen Kenntnissen des Serbischen und Albanischen, erklärt Reimann. Übersetzungsaufgaben würden aber nicht einfach so vergeben. „Es ist wichtig, dass die Dolmetscher wirklich das transportieren, was man sagt — und dass sie möglichst immer ruhig bleiben.“ Geschulte Kräfte sind gefragt, aber die müssen eben auch bezahlt werden — und sind derzeit schwer zu haben. „Es suchen ja viele“, so Reimann.

Für seine jüngeren Klienten wie Nabil und seine Schwester Saha hat Ali Bouhali schmale Zettelstreifen auf dem Tisch liegen. Es sind Hinweise auf einen Wunschbaum des DKSB, über den die jungen Flüchtlinge ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Die Einladungen hat der Dolmetscher auf Arabisch verfasst, natürlich, damit die Kinder sie garantiert verstehen.

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Sabine Latzel

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