Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Urlauber entdecken verwahrlostes Pferd - Hilfe kommt zu spät
Lokales Ostholstein Urlauber entdecken verwahrlostes Pferd - Hilfe kommt zu spät
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 14.03.2016
Der Veterinär auf der verschlammten Koppel. Quelle: Peter Mantik
Anzeige
Ostholstein

Gestern musste ein Pferd im Kreis Ostholstein eingeschläfert werden. Das Tier war mit zwei anderen Pferden auf einer matschigen Koppel gehalten worden. Urlaubern war aufgefallen, dass den drei Tieren keine trockene Stelle zur Verfügung stand. Sie riefen Hans-Detlef Stölken und seine Frau Carola von „Tiere in Not“. Als die beiden gestern Morgen zu den Tieren fuhren, lag eines der drei Pferde im Morast. Sie benachrichtigten sofort Polizei, Kreis-Veterinär und Tierarzt Dr. Werner Peyinghaus.
Das Pferd lag auf der Seite, versuchte sich immer wieder aufzurichten, doch die Läufe rutschten vergeblich im Schlamm. „Das ist das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe. Das arme Tier liegt seit Stunden so“, sagte Carola Stölken mit Tränen in den Augen.  Als Tierarzt Werner Peyinghaus eintraf, schaute er sich das Tier aus der Nähe an. Sein Eindruck: „Das Pferd hat sich im Schlamm festgesaugt.“ Es könne sich aus eigener Kraft nicht mehr aufrichten. Das Tier habe Untertemperatur, sei abgemagert. Die Chance auf Rettung stünde bei 50 zu 50. Der Tiermediziner weiter: „Wir müssen versuchen, das Tier mit der Seilwinde herauszuziehen.“ Die beiden an deren Pferde waren laut Peyinghaus ebenfalls gefährdet, im Schlamm zu versinken. Vom Kreis Ostholstein aus Eutin kam dann über Handy die Botschaft, dass die beiden Tiere noch am gleichen Tag auf eine andere, feste und trockene Koppel gebracht werden sollten.

Mittlerweile war auch die Tierhalterin eingetroffen. Sie beteuerte, erst am vorigen Abend die Tiere versorgt zu haben, gestand aber, dass der Zustand der Koppel katastrophal sei. Hans-Detlef Stölken von „Tiere in Not“ sagte: „Es wurde von Urlaubern seit Tagen beobachtet, dass die Tiere nicht versorgt wurden.“

Dr. Peyinghaus unternahm einen Rettungsversuch, zog das Tier mit der Seilwinde seines Jeeps. Beim ersten Versuch riss das Halfter, beim zweiten konnte das Tier einige Meter aus der Kuhle gezogen werden. Traurige Erkenntnis von Dr. Peyinghaus: „Das Pferd macht nicht mit, zeigt keine Lebenskraft. Ich werde es einschläfern und erlösen müssen.“ Stölken, die Tierhalterin und zwei weitere Helfer unternahmen noch einen letzten Versuch, das Pferd zum Aufstehen zu bewegen. Einen Moment lang sah es sogar danach aus, als könne es ein glückliches Ende nehmen, doch vor allem die Hinterläufe waren zu geschwächt, um in den Stand zu kommen. Schließlich entschied Tierarzt Peyinghaus: „Ich muss das Tier von den Qualen befreien.“

Alle Anwesenden waren tief traurig, berührt vom Schicksal des Pferdes. Die Tierhalterin sagte leise: „Ich wollte die Pferde doch heute von der Koppel holen.“ Der Polizist erklärte ihr schließlich, dass sie an der Koppel bleiben solle, bis die Behörden aus Eutin eintreffen. Kreisveterinär Dr. Wolf Vogelreuther erstattete anschließend bereits Anzeige gegen die junge Frau. Die Sache wird nun an die Staatsanwaltschaft Lübeck weitergeleitet. Schon gestern Nachmittag wurden die beiden anderen Pferde wie angekündigt von der Koppel genommen. Sie befinden sich nun auf einem anderen Hof.

Peter Mantik

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige