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Ostholstein Verdi sieht Versorgung der Ostholsteiner gefährdet
Lokales Ostholstein Verdi sieht Versorgung der Ostholsteiner gefährdet
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21:18 09.11.2017
Schnell, schnell: Je weniger Personal im Dienst ist, desto höher ist die Belastung der Pflegekräfte. Quelle: Foto: Jens Schlueter/ddp
Eutin/Oldenburg

Der Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Cords hat den Eindruck, die Sana-Kliniken in Ostholstein versuchten alles, um Personal einzusparen. Das Klinikunternehmen verlagere viele Leistungen ins Landesinnere. Chirurgische Notfälle würden nach 16 Uhr nicht mehr in Oldenburg behandelt. „In Oldenburg gibt es nur noch einen Bereitschaftsdienst, die meisten Fälle gehen nach Neustadt oder Eutin“, sagt Cords. Pädiatrische (kinderärztliche) Notfälle würden sogar direkt nach Lübeck gebracht. Deshalb müsse man Sana den Vorwurf machen, dass sich das Unternehmen immer weiter aus der Fläche zurückziehe. Cords: „Das erhöht die Gefährdung für die Bevölkerung. Es ist unhaltbar, dass man bei einem Notfall bis zu 100 Kilometer fahren muss, etwa von Fehmarn aus. Das ist für Ostholstein katastrophal.“ Und obwohl sich Sana immer weiter zurückziehe und seine Strukturen verändere, ändere sich nichts an der belastenden Personalsituation.

Pflegenotstand und Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi: Die Sana-Kliniken Ostholstein stehen von zwei Seiten unter Druck. Mit einem Brandbrief haben die Pflegekräfte auf ihre übermäßige Belastung hingewiesen. Es geht aber auch um die ortsnahe Versorgung der Ostholsteiner.

Ganz anders sieht das die Sana-Geschäftsführung. In der Diskussion um die Struktur der Versorgung Ostholsteins, vor allem im Nordkreis, sei sie seit Jahren in enger Diskussion und Abstimmung mit den Krankenkassen und dem Sozialministerium, teilte Sana-Sprecher Michael Hesse mit. Die Sana-Klinik Middelburg (Gemeinde Süsel), in der Leiharbeiter in der Pflege die Arbeit am Patienten stützen, sei bewusst erworben worden, um die Struktur der Gesundheitsversorgung zu stärken.

Hesse sieht auch keine einseitige Ausrichtung in Richtung Eutin oder gar Lübeck. „Die Klinik hat bei der Bewältigung der Notfallversorgung für alle Patienten das Ziel, alle internistischen und chirurgischen Notfälle in Oldenburg sowie zusätzlich die pädiatrischen Notfälle in Eutin zu versorgen. Je nach Schwere der Erkrankung kann es vorkommen, dass einzelne Notfälle nach Erstsichtung an den jeweiligen Standort weiterverlegt werden müssen.“

Um die medizinische Versorgung der Ostholsteiner durch die Sana-Kliniken gab es immer wieder politische Debatten. Im Februar dieses Jahres hatte die Klinik in Oldenburg nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat alle nächtlichen Notfalloperationen ausgesetzt. Erst nachdem das Sozialministerium in Kiel die Klinik angewiesen hatte, gab es wieder eine 24-Stunden-Versorgung bei Notfällen.

An allen Sana-Standorten in Ostholstein sind die Pflegekräfte extrem belastet. So sehr, dass sie eine sach- und fachgerechte Pflege nicht mehr gewährleistet sehen und deshalb Gefährdungsanzeigen geschrieben haben. Ein Vorgang, der die Geschäftsführung laut Hesse beschäftigt. „In der Diskussion mit den Betriebsräten werden im Arbeitssicherheitsausschuss die Gefährdungsanzeigen der jeweiligen Standorte und Bereiche diskutiert und aufgeschlüsselt.“ Nachdem zehn Pflegekräfte neu eingestellt wurden, seien die Anzeigen weniger geworden. „Für den Standort Eutin zeigt sich hier ein deutlicher Rückgang von Ende 2016 bis Oktober 2017 um rund die Hälfte. Die Sorgen und Anliegen der beschäftigten Mitarbeiter nimmt die Geschäftsführung im Dialog mit den jeweiligen Führungskräften jederzeit, auch ohne vorliegende Gefährdungsanzeige, sehr ernst“, teilte Hesse mit. In der Nacht seien die Stationen der Sana-Kliniken Ostholstein bereits seit Jahren mit 1,5 bis zwei Mitarbeitern je Station besetzt, auf der Intensivstation mit fünf Mitarbeitern selbstverständlich deutlich höher.

Von Susanne Peyronnet

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