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Ostholstein Vereine fordern mehr Geld für Trainer
Lokales Ostholstein Vereine fordern mehr Geld für Trainer
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22:10 28.08.2018
Heide Raese ist seit über 30 Jahren Übungsleiterin. Das Eltern-Kind-Turnen wird bei der BSG Eutin als zweitgrößte Sparte geführt. Quelle: Fotos: Benthien
Ostholstein

„Mit einem Übungsleiterentgelt in dieser Höhe kann in der heutigen Zeit nun wirklich kein Übungsleiter mehr gefunden werden. Aber sie sind das Rückgrat eines jeden Sportvereins“, hatte der Schatzmeister der Ballspielgemeinschaft (BSG) Eutin, Ekkart Wedig, schon auf der Mitgliederversammlung 2017 erklärt. In diesem Jahr brachte er das Anliegen erneut zur Sprache. Der stellvertretende Bürgervorsteher Karlheinz Jepp trug die Angelegenheit weiter.

Über 20 Jahre ohne Gehaltserhöhung, da hätte vermutlich jeder Arbeitnehmer schon mal aufgemuckt. Das tun Sportvereine in der Region jetzt auch. Federführend ist die BSG Eutin. Sie arbeitet auf eine deutliche Erhöhung der Übungsleiterzuschüsse hin. Der Satz liegt bei 4,60 Euro pro Stunde.

Ein Schreiben von Klemens Nitsche, Fachdienstleiter Jugend, Sport und Soziales, macht der BSG und allen anderen Sportvereinen Mut. „Sicherlich ist nach so vielen Jahren über die Höhe der Förderung nachzudenken, es ist jedoch der ,Dreiklang’ der Förderung beizubehalten“, so Nitsche. Dieser Dreiklang, auch „Drittel-Zuschuss-Regelung“ genannt, bedeutet, dass sich Stadt/Gemeinde (1,53 Euro), Kreis Ostholstein (1,53 Euro) und der Verein (1,54 Euro) die Kosten für eine Übungsleiterstunde (4,60 Euro) teilen.

Stadt plädiert für einheitliches Vorgehen

Eine Erhöhung der Kreis-Förderung und der Eigenmittel der Sportvereine sei aber ebenfalls notwendig, sagt Klemens Nitsche und regt ein einheitliches Vorgehen auf allen Ebenen an. „Sollte sich dieses abzeichnen, wird sich sicherlich auch die Stadt Eutin einer Diskussion über die Höhe der Sportförderung nicht verschließen“, meint der Fachdienstleiter.

„Viele Sportvereine stocken ihren Anteil längst auf, um ihre Übungsleiter zu behalten. Sie bestreiten das aus den Beitragseinnahmen. Aber das Geld fehlt dann an anderer Stelle, zum Beispiel für neue Angebote“, sagt BSG-Pressewart Klaus Bierend. Sein Verein will jetzt Dampf machen, um die Übungsleiterzuschüsse zu erhöhen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AG) der Eutiner Sportvereine, Ernst Hermann Brütt, erklärt als „Sprachrohr“ für mehr als 6000 Eutiner Sportler: „Ich stehe in dieser Angelegenheit voll hinter der BSG.“

Auch der Kreissportverband (KSV) Ostholstein – er vertritt 189 Vereine mit rund 58000 Sporttreibenden – bestärkt die BSG. Die kommissarische 1. Vorsitzende Birgit Kamrath-Beyer sagt: „Die BSG hat recht. Sie gibt jetzt den Startschuss. Nach zwei Jahrzehnten ist es wirklich an der Zeit, dass bei ihrem großen sozialen Engagement ein bisschen mehr für die Übungsleiter an Entschädigung abfällt.“ Der Kreis und die Kommunen müssten sich daran beteiligen. „Allein schaffen wir es nicht“, so Kamrath-Beyer. Sie unterstützt Klaus Bierends Argumentation: „Wir müssen die Übungsleiter höher honorieren, damit wir sie halten können. Es gibt mittlerweile einen Konkurrenzkampf zwischen Vereinen. Ein gut ausgebildeter Trainer kann sich aussuchen, wo er arbeiten will.“

Kreissportverband

will Gespräche aufnehmen

Birgit Kamrath-Beyer will Gespräche führen. „Der Kreis ist unser guter Partner. Er wertschätzt die Arbeit, die in den Vereinen geleistet wird. Er hat aber auch hohe Erwartungen. Denn Sport verbindet – zum Beispiel Migranten und Einheimische.“ Der KSV nehme die Ansage der BSG und sich solidarisierender Vereine ernst, beteuert die 1. Vorsitzende. „Sie befassen sich schon lange damit, und wir werden jetzt aktiv werden.“

Klaus Bierend regt eine Erhöhung eines jeweiligen Drittels auf 2,50 Euro an. „Ein Stundensatz von 7,50 Euro würde den Vereinen unheimlich helfen.“ Die BSG hat entsprechende Anträge für die zuständigen Ausschüsse bei Stadt und Kreis bereits eingereicht.

Zustimmung

Der Vorsitzende des TSV Neustadt, Jörg Henkel, sieht die derzeitige Höhe der Übungsleiterpauschale ebenfalls kritisch. Diese reiche bei weitem nicht aus. Wer ein Ehrenamt als Helfer oder Trainer beim TSV übernehme, bekomme zwischen 30 und 200 Euro pro Monate. Die Summe sei abhängig von der Zahl der Trainingsstunden sowie der Position. Pro Stunde seien dies zwischen fünf und zehn Euro. „Das ist ein Satz, den wir zahlen können.“ Jedoch dürfe man nicht vergessen, dass zahlreiche weitere Stunden anfielen, die nicht entschädigt würden. Dazu zählten zum Beispiel im Bereich Fußball die Spiele am Wochenende. „Das ist bei Ballsportarten extrem“, betont Henkel. Der Vorsitzende spricht sich für steuerliche Begünstigungen aus und sagt, dass es durchaus einen Konkurrenzkampf um gute Trainer gebe. Jedoch: „Wenn ich das mache, um Geld zu verdienen, dann bin ich im Sport falsch.“ ser

Ulrike Benthien

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