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Ostholstein Verletzt im Wald: Mit Kunstblut für den Ernstfall proben
Lokales Ostholstein Verletzt im Wald: Mit Kunstblut für den Ernstfall proben
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21:31 18.11.2016
Wie bei einem Ernstfall: Die Rettungskräfte versorgen die 14-jährige Leonie, die in der Übung unter einem Baum begraben wurde. Quelle: Jan Dresing
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Ratekau

Es ist der letzte Praktikumstag für Leonie im Landesforst. Ausgerechnet dann wird die 14-Jährige unter einem tonnenschweren Baum begraben. Es dauert nicht lange, da wimmelt es in dem Waldstück nahe der Blüchereiche bei Ratekau von Sanitätern und Feuerwehrleuten. Ein bedrohliches Szenario. Aber zum Glück ist alles nur eine Übung.

„Unfälle kündigen sich nicht an“, sagt Herbert Borchert, zuständig für den Arbeitsschutz bei den schleswig-holsteinischen Landesforsten. „Unsere Mitarbeiter müssen dann aber sofort reagieren können.“

Seit 2011 gibt es jährlich zwischen neun und 13 Unfälle bei etwa 90 aktiven Forstwirten . „Sicherheit ist bei uns ein hohes Gut“, erklärt Borchert. „Die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass ihnen im Notfall geholfen wird.“

Deswegen haben die Landesforsten, das DRK Stockelsdorf und die Freiwilligen Feuerwehren Ratekau und Sereetz gestern Nachmittag den Ernstfall geprobt – unangekündigt. Lediglich der Rettungsdienst und die Leitstelle in Bad Oldesloe waren informiert. „Wir stellen mit der Übung sicher, dass die Rettungskette funktioniert“,betont Borchert. Die Übung soll dabei so realitätsnah wie möglich simuliert werden. Dafür sorgt der Übungskoordinator Jan Rühmling. Er ist Mitarbeiter beim Erste-Hilfe-Dienstleister Amins, der realistische Unfalldarstellungen inszeniert. Ganz nebenbei ist Patientin Leonie Rühmlings Tochter. Ihr Gesicht wird geschminkt und mit künstlichen Wunden „verziert“. Dann wird sie vorsichtig in eine Kuhle unter den Baumstamm gelegt. Zum Schluss kommt noch etwas Kunstblut zum Einsatz.

Um exakt 14.30 Uhr geht’s los. Hilfe-Schreie gellen durch den Wald. Schon nach wenigen Sekunden sind die ersten Forstwirte, die sich zeitgleich wegen einer Fortbildung im Wald befinden, zur Stelle.

David Bandholz und Mark Westphal kümmern sich um die vermeintlich verletzte Leonie, leisten Erste Hilfe, sprechen mit ihr und zeigen ihr so, dass jemand bei ihr ist. Gleichzeitig setzt ein Kollege einen Notruf per Handy ab.

Nur sieben Minuten später ertönt die Sirene des Rettungswagens im Wald. Lucas Fischer und Peter Rocksien, Sanitäter des DRK aus Stockelsdorf, versorgen die Patientin medizinisch und fordern die Feuerwehr zur technischen Rettung an. Nach weiteren sieben Minuten rücken die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Ratekau an. Mit vereinten Kräften schleppen sie Schere, Spreizer und Generator an die etwas höher gelegene Unfallstelle. Mit der Kettensäge schneiden sie Entlastungsschnitte in den etwa fünf Tonnen schweren Baum. Für das letzte Stück müssen Hebekissen her. Die hat nur die Feuerwehr aus der Nachbargemeinde Sereetz, die nachalarmiert wird. Am Ende sind 21 Feuerwehrleute an der Unfallstelle.

Sie schaufeln das feuchte Laub und Erdreich weg, um die Kissen zu platzieren. Mit Druckluft werden sie aufgepumpt und heben den Stamm um die entscheidenden zehn Zentimeter an. Nach genau einer Stunde kann Leonie gerettet werden.

Wehrführer Markus Thiel zieht ein positives Fazit: „Das ist natürlich eine ungewöhnliche Übung. Aber solch ein Unfall kann jederzeit passieren. Ich bin froh, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat.“ Übungskoordinator Jan Rühmling zeigt sich ebenfalls zufrieden. „Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist die Übung mustergültig gelaufen.“ Sein Hauptkritikpunkt: Die Rettungswege waren zugeparkt. „Aber ich bin stolz auf euch“, sagt er, während sich Forstwirte, Retter und Patientin bei Kaffee und Erbsensuppe aufwärmen.

 Jan Dresing

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