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Ostholstein Verlobte getreten — keine weitere Bewährung
Lokales Ostholstein Verlobte getreten — keine weitere Bewährung
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20:21 05.01.2016

Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit, Gewalt, weitere Straftaten: Ein eher trostloses Leben wurde gestern vor dem Amtsgericht in Eutin nach und nach aufgeblättert — das Leben des 32-jährigen Andrej D. (Name geändert), welches durch eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit einer zusätzlichen negativen Nuance versehen wurde. Ob das den Ostholsteiner allerdings noch beeindruckt, mag dahingestellt sein. Die nächste größere Anklage steht bereits ins Haus. Zudem ist Andrej D. offenbar an Leberzirrhose erkrankt.

Im gestrigen Prozess musste er sich wegen eines Vorfalls verantworten, der beinahe ein Jahr zurückliegt. Andrej D. soll mitten in Eutin seine langjährige Verlobte Simone P. (32, Name geändert) geohrfeigt und sie, als sie zu Boden sank, getreten haben. Ein älteres Ehepaar hörte die Hilfeschreie der Frau, und eine bis heute anscheinend unbekannte Person rief die Polizei. Als die Beamten vor Ort eintrafen, waren jedoch sowohl Täter als auch Opfer spurlos verschwunden. „Meiner Einschätzung nach konnte es sich aber eigentlich nur um D. handeln“, erklärte einer der als Zeugen geladenen Polizisten vor Gericht. „Die Familie wohnt ganz in der Nähe, und wir hatten dort schon öfter Einsätze.“

Auf dem Weg zu Andrej D. sei dieser „sichtlich aufgebracht“ an den Beamten vorbeigestürmt. Simone P. habe verweint und „bedröppelt“ im gemeinsamen Zuhause gesessen und sich von einer Freundin trösten lassen. Er habe sie darüber aufgeklärt, dass Andrej D. der Wohnung verwiesen werden könne, so ein Polizist. Doch davon hat Simone P. keinen Gebrauch gemacht.

Überhaupt schien sich die Frau, die mit Andrej D. ein Kind hat, mit ihrem Verlobten wieder versöhnt zu haben. Sie sagte vor Gericht nicht gegen ihn aus. Der Anklagte selbst schwieg ebenfalls. „Er hat seine Verlobte nicht geschlagen oder getreten“, meinte der Verteidiger von Andrej D., „sondern ist dem Jagdinstinkt der Polizei zum Opfer gefallen.“ Daran zweifelte das Gericht allerdings, auch mit Blick auf die zehn Vorstrafen des Anklagten, die von Beleidigung und Bedrohung über Körperverletzung bis zur räuberischen Erpressung reichen. Eine weitere Anklage wegen versuchter räuberischer Erpressung liegt vor, zudem laufen noch mehrere Bewährungen.

Er habe nie einen Beruf erlernt, sagte Andrej D., versuche aber zumindest, vom Alkohol loszukommen, und warte auf einen Therapieplatz. Nach einer bereits absolvierten dreiwöchigen Entgiftung hat er jedoch wieder getrunken. Er sei „hochgradig alkoholabhängig“ und neige unter Alkoholeinfluss zu Gewalttaten, hieß es in einer Stellungnahme seines ehemaligen Bewährungshelfers. „Ich sehe keine positive Sozialprognose“, erklärte der Staatsanwalt. Schließlich wurde Andrej D. zu sechs Monaten Haft verurteilt — bleibt abzuwarten, wie hoch die Strafe nach dem nächsten Prozess tatsächlich ausfallen wird. latz

„Vielleicht müssen Sie im Gefängnis darüber nachdenken, wie ernst Ihre Lage ist.“
Richterin Annette Rakel

LN

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