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Ostholstein Verschlingt die Ostsee den Graswarder?
Lokales Ostholstein Verschlingt die Ostsee den Graswarder?
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08:30 28.01.2014
Blick über den Graswarder in Richtung Erlebnis-Seebrücke. Der Strand ist fast komplett weggespült. Quelle: Peter Mantik
Heiligenhafen

Es ist das vielleicht schönste Fleckchen Festland in der gesamten Region. Doch Spaziergänger kommen dieser Tage nicht trockenen Fußes von einer Spitze zur anderen. Und auch das Leben in den Millionen-Villen auf dem Graswarder vor Heiligenhafen wird augenscheinlich zu einem Risiko.

Ansteigender Meeresspiegel und Stürme sorgen dafür, dass den Anwohnern das Ostseewasser häufiger als früher sehr nah ans Haus schwappt.

Timo Steltner lebt auf dem Graswarder — und zwar von Kindheit an. „Ich mache mir Sorgen, ganz klar“, sagt er. Es handle sich um ein heikles Thema. „Denn während das Wasser Jahr für Jahr steigt und der Sand immer weniger wird, findet sich an Land keine führende Hand, die ein effektives Gesamtkonzept für alle anschiebt. Genau das wäre es, was wir brauchen.“

Bisher habe jeder Hausbesitzer auf dem Graswarder sein eigenes Süppchen gekocht. „Einige Maßnahmen haben dafür gesorgt, dass anderen dadurch geschadet wurde. Wir müssen von diesem Ich-bezogenen Denken wegkommen“, betont Steltner. Er weiß auch: „Wir Eigentümer sind zum Teil selbst verantwortlich, aber die Häuser stehen ja auch unter Denkmalschutz.“

An dieser Stelle kommt das Land Schleswig-Holstein ins Spiel. Dr. Hendrik Brunckhorst vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig- Holstein sagt: „Uns ist die Situation bekannt, aber das Land Schleswig- Holstein wird hier nicht aktiv.“

Er beruft sich auf das Landeswassergesetz, Paragraf 62, wo es heißt: Der Küstenschutz ist eine Aufgabe derjenigen, die davon einen Vorteil haben. Heißt: Es wird erst zur Aufgabe des Landes, wenn es dem Allgemeinwohl dient. Dr. Brunckhorst: „Dies tritt hier nicht ein. Allerdings weiß ich von privaten Maßnahmen auf dem Graswarder, die vom Land genehmigt wurden. Die Privateigentümer sind hier tätig.“

Allerdings offenkundig nur jeder für sich - und teilweise auch nicht effektiv. So sieht es Naturschützer und Graswarder-Kenner Klaus Dürkop (Naturschutzbund Deutschland), der die Situation vergleichsweise gelassen bewertet: „Die Daten der vergangenen 60 Jahre zeigen uns, dass immer wieder Strand abgespült und dann wieder aufgespült wird.

Der Strand war schon mehrfach komplett weg, kam dann wieder. Ich sehe das als Naturschützer nicht als dramatisch an, allerdings kann ich mir vorstellen, dass sich die Menschen auf dem Graswarder sorgen.“ Einige Probleme seien seiner Meinung nach hausgemacht. Dürkop: „Grundsätzlich hätten auf dem Graswarder niemals Häuser gebaut werden dürfen. Zusätzlich wurden von Privateigentümern Fehler begangen.“ Er meint damit beispielsweise auch Schutzmauern wie die vor dem Haus von Stararchitekt Meinhard von Gerkan.

„Ich habe darüber auch mit von Gerkan gesprochen“, sagt Naturschützer Dürkop. „Er hat das Haus ja so gekauft. Aber diese 90-Grad-Wand fordert die See doch nur heraus. Kein Wunder, dass der Beton von der Ostsee bereits angegriffen ist.“

Die Stadt Heiligenhafen steht in dieser Sache nicht in der Verantwortung. Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) sagt aber: „Wir haben wegen des ansteigenden Meeresspiegels ja unseren Küsten- und Hochwasserschutz für die Stadt angepasst. Ein Gesamtkonzept für den Graswarder würde sicher auch Sinn machen.“

Doch in diesen Wintertagen sind die meisten der zwölf Häuser ohnehin unbewohnt. Zum Frühjahr entspanne sich die Situation jedoch naturgemäß — und das Problem bleibt knapp über der Wasseroberfläche im Verborgenen. Vorerst.

Denkmalschutz ist Ländersache
Denkmalschutzgesetze: Aufgrund der Kulturhoheit der Länder (Art. 30 GG) ist die Denkmalschutz-Gesetzgebung Sache der 16 Bundesländer.

Denkmalförderung: Förderprogramm des Bundes „National wertvolle Kulturdenkmäler”: Von 1950 bis 2007 wurden mehr als 500 Kulturdenkmäler mit insgesamt rund 280 Millionen Euro gefördert.

Peter Mantik

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