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Vertrauen gewinnen unter Aufsicht

Neustadt Vertrauen gewinnen unter Aufsicht

Beide Elternteile haben in Deutschland ein Recht darauf, ihre Kinder zu sehen. Auch wenn sie getrennt leben, gewalttätig waren oder Drogen nehmen. Sozialpädagoge Bernhard Fritz (59) und Begleiter Christian Sellmann (36) machen die Treffen mit dem „begleiteten Umgang“ möglich.

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Neustadt. Ein Vater sitzt mit seinen beiden Töchtern auf dem Spielteppich. Die drei ziehen einen Bagger über den Fußboden, lassen Miniaturautos ins Spiel-Parkhaus hineinfahren, blättern dann in einem Bilderbuch. Es könnte eine alltägliche Szene zwischen Vater und Kindern sein. Doch diese Situation ist künstlich hergestellt. Sie findet nicht zu Hause im Wohnzimmer, sondern im Spielzimmer der Neustädter Geschäftsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes statt.

LN-Bild

Beide Elternteile haben in Deutschland ein Recht darauf, ihre Kinder zu sehen. Auch wenn sie getrennt leben, gewalttätig waren oder Drogen nehmen. Sozialpädagoge Bernhard Fritz (59) und Begleiter Christian Sellmann (36) machen die Treffen mit dem „begleiteten Umgang“ möglich.

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Begleiteter Umgang – so heißt es, wenn Kinder ihre Eltern nur in Anwesenheit von geschultem Personal treffen. Die meisten Kinder leben nach der Trennung bei der Mutter. „Bei 80 Prozent der begleiteten Umgänge kommt der Vater zu uns“, sagt Bernhard Fritz. Nach einer Trennung einigen sich Eltern im Idealfall darauf, dass beide Partner Zeit mit ihren Kindern verbringen. Es gibt aber auch Fälle, in denen wird dem Ex-Partner der Umgang verweigert. „Manche Paare sind so zerstritten, dass keine Entscheidung mehr im Sinne des Kindeswohls getroffen werden kann“, erläutert der Sozialpädagoge.

Hochgradig zerstrittene Partner, häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch – in diesen Fällen komme es vor, dass der betreuende Elternteil dem Ex-Partner den Umgang verweigert. Der kann dann vor Gericht dagegen klagen. Um die Situation zu entschärfen, bekommt der Kläger in den meisten Fällen zunächst zehn Treffen beim Kinderschutzbund zugesagt. Ziel der Pädagogen ist es, danach eine bessere Lösung für alle Beteiligten zu finden. Alle zwei bis vier Wochen finden die Treffen statt. Zwei Stunden, unter Aufsicht von Fritz und jemandem aus seinem fünfköpfigen Team ehrenamtlicher Mitarbeiter.

25 solcher Fälle begleiten sie in diesem Jahr in Ostholstein. Bei den Treffen im Neustädter Spielzimmer sitzt Begleiter Christian Sellmann nur wenige Meter entfernt in einem Sessel. Der 36-Jährige beobachtet Kind und Elternteil. „Manchmal helfe ich den Eltern auch, wenn sie nicht wissen, wie sie ihre Zeit mit dem Kind verbringen sollen“, erzählt Sellmann. Und Fritz ergänzt: „Hier verbringen Elternteil und Kind eine schöne Zeit, unter Umständen ist die gemeinsame Zeit viel intensiver als das Zusammenwohnen am Wochenende.“ Eine Etage tiefer wartet währenddessen das andere Elternteil – damit vor dem Kind keine erneuten Auseinandersetzungen stattfinden.

Während der Treffen beim Kinderschutzbund müssen die Eltern bestimmte Regeln einhalten. Kein Ausfragen des Kindes über den Ex-Partner, keine Gewaltandrohung, kein Alkohol im Blut, Handy aus. „Unser Ziel ist es, durch Verbindlichkeiten das verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen“, erklärt der Sozialpädagoge. Egal, was zuvor vorgefallen ist, die Forschungsliteratur belege, dass der Kontakt des Kindes zu beiden Elternteilen wichtig sei. Fritz führt eine Statistik über den Erfolg des begleiteten Umgangs. „Mit Erfolg meinen wir, dass sich die Eltern nach den zehn Treffen auf eine Regelung zum Umgang mit dem Kind einigen konnten.“ In 60 Prozent der Fälle klappe das dann auch.

 Von Saskia Bücker

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