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Ostholstein Vier restaurierte Bücher kehren nach Fehmarn zurück
Lokales Ostholstein Vier restaurierte Bücher kehren nach Fehmarn zurück
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18:18 22.12.2015
Vor Papierzerfall und Tintenfraß gerettet: So sieht jetzt im Stadtarchiv das aufwändig restaurierte Dorfbuch für Teschendorf (angelegt ab 1731) aus. Quelle: Fotos: Schwennsen

Für die Mitarbeiter im Stadtarchiv Fehmarn ist das „ein richtiges Weihnachtsgeschenk“. Vier aufwändig restaurierte historische Bücher sind jetzt auf die Insel zurückkehrt. Behutsam packen Stadtarchivar Heinz Voderberg und seine drei Mitstreiter die Raritäten aus dem Karton. Geblättert wird darin nur mit übergestreiften weißen Handschuhen — es sollen bloß

keine Fett- oder andere Spuren entstehen.

Das alles sah im Frühjahr noch ganz anders aus. Auch damals ging man im Stadtarchiv nur äußerst vorsichtig mit den vier Büchern um — aber aus Angst, sie könnten vollends zerfallen. Ausführlich haben die LN darüber berichtet, wie die vier Dorf- und Nachbarschaftsbücher vom Lübecker Restaurator Boguslaw Radis gerettet wurden. Mit Schere und Zahnarzt-Besteck, mit Kautschuk-Schwamm und Bürste sowie einem Bad im destilliertem Wasser. Schließlich stoppte er den Tintenfraß, bevor die Bücher geglättet und neu geklebt wurden.

Eine riesige Herausforderung selbst für den erfahrenen Restaurator, zumal vorherige, eigentlich gut gemeinte Rettungsversuche „gegen alle Regeln verstoßen hatten“. Und auch finanziell ein Kraftakt: Denn das Ganze hat rund 16 000 Euro gekostet. Ermöglicht wurde die Restaurierung nur dank Fördergeldern in Höhe von 14 673 Euro aus dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Justiz, Kultur und Europa. Weil zusätzlich die VR Bank Ostholstein-Nord 1500 Euro spendete, belastete die noch von Ex-Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt beantragte Maßnahme die Stadt Fehmarn mit keinem einzigen Cent.

Jetzt sind sie endlich wieder da: vier gerettete Bücher — anstatt der vormals fast schon losen, reichlich vergilbten Blattsammlung. Das älteste Buch stammt aus dem Jahre 1731. Das „Dorfbuch für die Ortschaft Teschendorf auf Fehmarn von 1731—1875“, eine schmalformatige Handschrift ohne Einband, war vorher fast schon dem Zerfall preisgegeben. Als ähnlich desolat stufte Radis den Zustand vom „Erd und Nachbarbuch für die Dorfschaft Bisdorf“ (1788—1888) und vom „Mardelssdorffer Nachbahren-Buch“ von 1714—1900 ein — allesamt einzigartige Dokumente zur fehmarnschen Geschichte und dem damaligen Zusammenleben und Rechtswesen in den Dörfern.

Besonders ans Herz gewachsen ist den Mitarbeitern im Stadtarchiv aber ein Schiffstagebuch: „Das Logbuch des Casper Claussen von Vitzdorf auf Fehmarn“ von 1838—1841. Wer sich in diese Schrift vertieft, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Denn sein Verfasser ist auf dem Frachtschiff seines gleichnamigen Schwiegervaters in Europa weit herum gekommen — bis nach Trondheim oder Stettin.

Gelebt hat er von 1816 bis 1848, als Claussen von einer Windmühle erschlagen wurde. Trotzdem zeugte er vier Kinder. Ein Mann, der offenbar sehr wissbegierig alles aufgeschrieben hat, was er als wichtig befand. Dazu gehörte die Familiengeschichte. Sein Schwiegervater, der ebenfalls Casper Claussen (1780—1871) hieß, war erfolgreicher Reeder.

Das Stadtarchiv
Geöffnet ist das Stadtarchiv im Rathaus Burg dienstags von 14 bis 17 Uhr.



Hans Wilken ist neuer Mitarbeiter (neben Jörn Bahrs, Elisabeth Frohberg und Archivleiter Heinz Voderberg).

Gerd-J. Schwennsen

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