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20:18 14.09.2013
Anflug auf die Ancora Marina in Neustadt. Der Gyrokopter ermöglicht eine beeindruckende Rundumsicht. Quelle: Fotos: Gyro-Flights/ Klatt (4)

Ob das jetzt eine wirklich gute Idee war? Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt nicht. Pilot Arne Rieber bringt den rückwärtigen kleinen Propeller auf Touren. Er sorgt für die Anfangsgeschwindigkeit des fünf Meter langen Gyrokopters (ausgesprochen: Dscheirokopter). Der Hauptrotor mit seinen 8,5 Metern Durchmesser wird dagegen ausschließlich durch den Fahrtwind angetrieben. Auf 100 Kilometer pro Stunde wird der Tragschrauber beschleunigt. Dann hebt er ab.

Die Bodenverkleidung reicht gerade bis zur Hälfte meiner Waden, ein kleiner Windschutz zum Vordersitz des Piloten, mehr gibt es zwischen mir und der Welt dort unten nicht. Schon nach wenigen Metern Höhe wird klar: Das ist ein anderes Flugerlebnis, als man es aus dem kleinen Sportflugzeug oder dem Motorsegler kennt.

Unter meinen Füßen bewegen sich Pedalen, mit denen Rieber den Gyrokopter steuert. Die Funkverständigung über den Helm klappt reibungslos. Nein, in seine Steuerbewegungen könne ich über die Pedalen nicht eingreifen. Aber den Motor könnte ich ausschalten, sagt er schmunzelnd. Will ich jetzt nicht.

Der Reiz der Vogelperspektive hat Rieber schon im Teenageralter in den Bann geschlagen. Mit 14 Jahren lernte er das Gleitschirmfliegen in den Bergen. „Da hast Du keine Fluggeräusche und kreist nur mit den Vögeln durch die Luft“, schwärmt Rieber. Das Jugendhobby ruhte dann erstmals, bis Rieber Jahre später wieder auf das Fliegen zurückkam. Da ihm die Berge zu weit weg waren, nutzte er einen Gleitschirm mit einem Motor auf dem Rücken. „Der Motor war zu windanfällig, ermöglichte außerdem nur ein langsames Vorankommen“, berichtet er. Dann sah er einen Gyrokopter. Bis zu acht Stunden kann der Tragschrauber in der Luft bleiben. Im Durchschnitt sei er dabei mit einer Reisegeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Wir nähern uns mittlerweile Neustadt. Der Pilot fliegt noch eine Rechtskurve und ich beeile mich, mir Riebers Worte in Erinnerung zu rufen, dass der Gyrokopter zu den sichersten Fluggeräten zählt.

Das habe auch mit der Antriebsart zu tun. Selbst bei einem Ausfall des Motors gleite der Gyrokopter sanft zu Boden und könne auf den Punkt gelandet werden.

In Spanien erfunden, wurde der Gyrokopter bereits im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. James-Bond-Fans werden das Fluggerät als „Little Nelly“ aus dem Film „Man lebt nur zweimal“ kennen.

Ich konzentriere mich derweil auf dieses Leben und genieße den sagenhaften Ausblick auf die Ostseeküste, die weißen Strände, die Häfen in Neustadt oder Grömitz mit ihren Spielzeugbooten.

60 000 Euro hat die Anschaffung des Fluggerätes gekostet. Rieber will mit dem Angebot von Event- und Rundflügen einen Teil der Kosten wieder hereinbekommen. Ein Hochzeitstermin mit einem besonderen Erscheinen der Braut oder die Beobachtung von Segelwettbewerben oder anderen Großveranstaltungen aus der Luft schweben ihm vor. Auch Flüge für Fotos und Videos für Werbezwecke will er anbieten.

Wieder auf dem Boden frage ich begeistert den Mann in der Bodenstation, ob er denn auch schon mit dem Gyrokopter geflogen sei. Der winkt ab: „Das brauche ich nicht, bin früher selbst Motorrad gefahren.“ Und ergänzt auf mein verdutztes Gesicht hin: „Das ist wie Motorrad fahren in der dritten Dimension.“

• Infos über Preise, Zeiten und Technik des Gyrokopters sind auf der Internetseite www.gyro-flights.de einzusehen.

Thomas Klatt

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