Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Vollgas auf der Datenautobahn
Lokales Ostholstein Vollgas auf der Datenautobahn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:40 25.02.2015
Sieben bis acht Jahre soll der flächendeckende Netzausbau im Kreis dauern.
Anzeige
Damlos

Das schnelle Internet via Glasfaser soll kommen. In Damlos bei Oldenburg skizzierten jetzt Vertreter der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh), wie die Internetversorgung in den Gemeinden Ostholsteins in nicht mehr allzu ferner Zukunft einmal aussehen kann. Und sie nannten öffentlich auch erstmals konkrete Zahlen.

Die Ausgangslage in Damlos dürfte sich von vielen Gemeinden im Kreis kaum unterscheiden: Eine Datenübertragung von weniger als zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sei auch in Damlos die Regel, beschrieb Egoh-Geschäftsführer Claus-Peter Matthiensen den Ist- Zustand. Für Multimedia, Cloud- Computering, aber auch Schulen oder Kliniken sei das schon lange nicht mehr ausreichend.

Übertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr seien schon in den nächsten Jahren möglich und auch erforderlich. Campingplätze, denen schon jetzt die Gäste aufgrund fehlender Internetversorgung fernblieben und die Entwertung von Grundstücken nannte Matthiensen als weitere Gründe für den dringend erforderlichen Ausbau.

Wie schon kürzlich in den Gewerbezentren in Oldenburg und Eutin stellte Egoh-Mitarbeiter Torsten Hindenburg die Pläne für ein kreisweites Glasfasernetz mit Übertragungsraten bis zu 1000 Mbit/s vor.

Angedacht ist die Gründung einer zusätzlichen Sparte „Breitband“ beim Zweckverband Ostholstein (ZVO). Der ZVO hatte jedoch bereits im Vorfeld zu bedenken gegeben, dass die verbandsinternen Gremien darüber erst noch beraten müssten. 2016 solle dann eine europaweite Ausschreibung erfolgen, Ende 2016/Anfang 2017 könnte Baubeginn sein, kündigte Hindenburg an. Bereits für die Spartengründung würde eine Gemeinde wie Damlos mit rund 6000 Euro zur Kasse gebeten werden.

„Das ist für eine kleine Gemeinde wie Damlos viel Geld“, gab Gemeindevertreterin Michaela Hohmann-Speck (SPD) zu bedenken. Das Risiko für die Gemeinden: Wird die erforderliche Anschlussquote von 60 Prozent der Haushalte in einem der fünf geplanten Ausbaubereiche nicht erreicht, findet auch kein Ausbau statt — und die Gemeinde bliebe auf ihren Kosten sitzen. Matthiensen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Gemeinden nicht anschließen wollen, stufe ich als sehr gering ein. Die Menschen wollen ein schnelleres Internet und die großen Mobilfunkanbieter haben derzeit keinerlei Interesse, im ländlichen Raum auszubauen.“

Hindenburg nannte auch konkrete Kosten, die im Falle des kreisweit insgesamt rund 240 Millionen Euro teuren Netzausbaus auf die Gemeinde Damlos zukämen. Dem Verteilerschlüssel zufolge (siehe Infokasten) wären das für Damlos jährlich rund 7000 Euro.

Wann der Ausbau in den jeweiligen Bereichen erfolgen soll, steht noch nicht fest. Dies sei Verhandlungssache zwischen dem ZVO und dem künftigen Netzbetreiber. Jedoch würden Kosten für den Netzbetrieb erst mit Beginn des Ausbaus in der jeweiligen Gemeinde anfallen.

Ein Raunen ging hinsichtlich der Rendite durch den Raum, die eine Gemeinde wie Damlos ab dem Jahr 2040 erwarten könnte. Wenn dann die Ausbaukosten bezahlt und beim ZVO Eigentum geschaffen sei, könne die Gemeinde jährlich mit rund 82000 Euro Rendite rechnen, kündigte Matthiensen an und fügte hinzu: „Diese Gewinnspannen machen deutlich, warum der Mobilfunkmarkt so hart umkämpft ist.“

Der Netzausbau sei deshalb auch als ein „Generationenprojekt“ zu sehen. „Dann möchte ich gerne noch Finanzausschuss-Vorsitzende sein“, platzte es aus einer Gemeindevertreterin heraus.

Die Egoh hofft jetzt möglichst viele Kommunen im Kreis von der Notwendigkeit eines Netzausbaus mit Glasfasertechnik zu überzeugen. Erste Gespräche haben zuvor bereits mit den amtsangehörigen Gemeinden des Amtes Ostholstein- Mitte stattgefunden. Als nächste Station will die EGOH die Einwohner in Scharbeutz über die Ausbaupläne informieren.

So berechnen sich die Kosten für die Gemeinde
Ein Kostenschlüssel entscheidet über die Höhe der Ausbaubeiträge. Maßgebliche Faktoren sind die Einwohnerzahl (30 Prozent), die Gemeindefläche (40 Prozent) und die Steuereinnahmen (30 Prozent).



Als schwarze Flecken gelten Städte oder Gemeinden, die bereits über eine gute Internetversorgung verfügen. Zu ihnen zählen Bad Schwartau, Eutin, Neustadt und Timmendorfer Strand. Je nachdem, ob diese Städte dem Zweckverband beitreten, verändern sich die Ausbaubeiträge für die übrigen Mitglieder. Die Anschlusskosten für die Haushalte sollen vergleichbar zu Kosten der Mobilfunkanbieter sein, kündigte die Egoh an.

Thomas Klatt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige