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Ostholstein Vollsperrung der B 76: Kollaps in Niendorf befürchtet
Lokales Ostholstein Vollsperrung der B 76: Kollaps in Niendorf befürchtet
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20:44 11.04.2016
Voll ist es jetzt schon auf der B 76 in Niendorf: Auf Höhe der Baustelle für den Edeka-Markt läuft der Verkehr einspurig mit Ampelschaltung.
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Niendorf

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LSV) Schleswig-Holstein lässt die Asphaltdecke erneuern. Vertreter von Tourismus und Wirtschaft sind sauer, die Gemeinde bemüht sich bei der Verkehrsplanung um Schadensbegrenzung.

Landesbetrieb saniert die Asphaltdecke vom 2. Mai bis zum 3. Juni.

Deck- und Binderschicht der B 76 müssen abgefräst und erneuert werden. Als Umleitung von Travemünde nach Niendorf wird ein gewaltiger, 25 Kilometer langer Bogen ausgeschildert: über die B 75 und die A 226 auf die A 1 und von dort von der Abfahrt Ratekau nach Timmendorf und Niendorf. Die Niendorfer Strandstraße wollen die Planer nicht offiziell als Ausweichstrecke ausweisen — aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie genau als solche genutzt werden. Dabei staut sich der Verkehr dort ohnehin schon regelmäßig wegen der am Straßenrand parkenden Autos. Die Gemeinde prüfe deshalb die Einrichtung eines absoluten Halteverbotes, heißt es in einer Mitteilung.

„Das ist eine zusätzliche Belastung für den Ort“, ärgert sich Tourismuschef Joachim Nitz. In die Bauzeit fallen auch die Feiertage Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 5. Mai) und Pfingsten (Sonntag, 15. Mai, und Montag, 16. Mai). „Witterungsbedingt kann die Maßnahme in den kalten Monaten nicht durchgeführt werden“, erklärt dazu das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Und die „Sommerreisezeit“ als Zeitpunkt wäre „vielen dann auch wieder nicht recht“. „Mit gutem Willen wäre auch ein Termin zwischen November und März möglich gewesen“, meint hingegen Nitz. „Natürlich ist das Bauen im Mai sicherer und einfacher. Aber wir bauen auch immer im Winter, das geht durchaus.“

Er rechnet mit großem Ärger der Gäste. „Diese werden kein Verständnis haben, sondern uns fragen, warum wir ausgerechnet in dieser Zeit bauen.“ Niendorf werde abgeschnitten, glaubt Andreas Müller, Vorsitzender des örtlichen Fremdenverkehrsvereins: „Das ist unglücklich und problematisch, zumal der Schwerlastverkehr die Strandstraße belasten wird.“ Es werde einen „Kollaps“ geben, glaubt Heinz Meyer, Vorsitzender der Aktivgruppe für Handel und Gewerbe. „Wer macht solche Planungen?“, fragte er. „Das ist unglaublich, die Hälfte unserer Gäste kommt doch über die Autobahn und Travemünde zu uns.“

Ebenso kritisch äußert sich Stephan Muuss, Chef des Niendorfer Hotels „Atlantic“. „Diese vier Wochen werden der Horror“, sagt er. „Nachts werden die Lkw, die weiter nach Neumünster wollen, durch den Ort rollen. Und wer zur Post in Niendorf will, kann nicht mal eben an der Strandstraße anhalten.“ Bedenken hat Muuss aber auch als Gemeindewehrführer. „Die Kameraden von der Niendorfer Wehr werden Probleme haben, zum Feuerwehrhaus zu gelangen“, erklärt er. Das nämlich liegt im Niobeweg an der Kreuzung B 76/Hävener Allee. „Und bei Einsätzen beispielsweise in Timmendorfer Strand muss sich die Feuerwehr dann durch den Ort, also durch den Verkehrsfluss arbeiten.“

Laut Verkehrsministerium sei „das Zeitfenster der Maßnahme beim Verkehrslenkungstermin mit den betroffenen Gemeinden besprochen worden“. Diese hätten „keine Kritik geäußert“. Die Gemeinde habe mehrere Bedenken geäußert, heißt es hingegen in einer Stellungnahme der Verwaltung. Zum einen müssten die Anwohner der Straßen Hermann-Kröger-Straße, Wikinger Ring, Störtebeker Weg, Waßmund-Straße, Peter-Hardt-Straße und Friedrich-Bebensee-Straße bei einer Vollsperrung der Kreuzung B 76/Hävener Allee erhebliche Umwege in Kauf nehmen — „hier sollen Verbesserungsvorschläge mit dem Landesbetrieb erörtert werden“. Zum anderen wäre durch die Vollsperrung der Kreuzung B 76/Waldweg der Schulbusbetrieb nicht möglich. Diesbezüglich gibt es offenbar eine Lösung: „Schulbusse und Einsatzfahrzeuge sollen jederzeit die Möglichkeit einer Befahrung der Bauabschnitte erhalten.“

Bau der Anschlussstelle

Ein etwa 200 Meter langes Stück B 76 zwischen der Kreuzung Hävener Allee und Vogelpark soll nach Angaben der Timmendorfer Gemeindeverwaltung bei der Deckensanierung vorerst ausgespart werden: Es ist der Bereich für den künftigen Anschluss von Parkplatz und neuem Supermarkt an die Bundesstraße, den die Gemeinde im Zuge des B-Plans 20 baut.

Offenbar soll versucht werden, diesen Anschluss in der Zeit der Vollsperrung zu bauen. Wenn dieser fertig ist, wird auch das ausgesparte Stück B 76 saniert.

Von Sabine Latzel

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