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Ostholstein Vom Polizeichef zum Drehorgelspieler
Lokales Ostholstein Vom Polizeichef zum Drehorgelspieler
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20:22 07.06.2016

Als einer der ranghöchsten Polizeibeamten in Schleswig-Holstein drehte Harald Kripgans viele Jahre am großen Rad. Bis zu seiner Pensionierung 2012 war der 64-Jährige stellvertretender Chef des Landespolizeiamtes in Kiel. Seit eineinhalb Jahren führt der ehemalige Schutzpolizist nun die kleine Kurbel einer Drehorgel. Mit dem Kauf dieses Musikinstruments erfüllten sich Kripgans und seine Ehefrau Carola einen Traum.

Harald und Carola Kripgans aus Malente haben ihre Drehorgel am Bodensee gekauft. Quelle: T. Gründemann

Bekleidet mit auffälligen, knallroten Westen und weißen Hemden stellen sich die Malenter Eheleute mit ihrer schmucken, von einer Malerin nach ihren Vorgaben handbemalten, 50 Kilo schweren Drehorgel für karitative Zwecke zur Verfügung. Nach den Jahrzehnten bei der Polizei mit ungezählten Belastungen und Konflikten, die Kripgans in seiner Führungsfunktion habe tragen und lösen müssen, sei es ihm wichtig gewesen, im Ruhestand genau das zu tun, was ihm Freude mache, sagt er. Eine schwere Erkrankung des ehemaligen Leiters der PD AFB unmittelbar nach seiner Pensionierung habe jedoch zunächst alle Pläne des Ehepaares über den Haufen geworfen. Nachdem diese jedoch überwunden worden war, konnte das Vorhaben mit der Drehorgel endlich umgesetzt werden.

Eine Fernsehsendung über alte Handwerke, bei der auch die Drehorgel-Manufaktur des Orgelbaumeisters Josef Raffin am Bodensee gezeigt wurde, weckte das Interesse des Ehepaars an dem vor allem in Berlin, im Süden Deutschlands und der Schweiz verbreiteten Musikinstrument. Es folgte eine Besichtigung der Herstellerfirma in Überlingen und der Besuch eines Promenaden-Konzerts des ehemaligen Firmenchefs. „Der unglaublich schöne Klang dieser Orgel ließ uns seither nicht mehr los“, erzählt Harald Kripgans begeistert: „Es ist erfüllend für uns, wenn wir anderen Menschen mit unserer Musik Freude schenken und ihren Alltag und Sorgen vergessen lassen.“

Zu festen Regelterminen gehören inzwischen Besuche der Altenpflegeheime Ruhleben in Bösdorf und des DRK in der Eutiner Waldstraße. Die warmen, schwebenden und schwingenden Klänge ihrer Drehorgel zeigten gerade dort oft überraschende Wirkungen. „Meine Frau und ich sind immer gerührt, wenn wir erleben, dass sogar Demenzkranke aufmerksam den Klängen unserer Musik lauschen, mit den Füßen wippen oder sogar mitsingen“, erklärt Kripgans.

Bislang waren es 30 Auftritte, die Carola und Harald Kripgans mit der 15000 Euro teuren Drehorgel absolvierten. Das Musikrepertoire ist dabei fast grenzenlos, reicht von Kirchen- über Volks-, Wander- und Weihnachtslieder bis hin zu klassischer Musik, Serenaden, Schlagern, Walzern und Stimmungsliedern.

Besonders wichtig: Die beiden Eheleute spielen mit ihrer Drehorgel grundsätzlich unentgeltlich und überwiegend für wohltätige Zwecke. Wo es angebracht sei, würde jedoch für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit dem Spendenschiffchen gesammelt, so Kripgans.

Für Zusammenkünfte jeglicher Art von sozialen und gemeinnützigen Vereinen und Organisationen, christlichen Kirchen und ihren Einrichtungen sowie in Krankenhäusern oder Heimen, aber auch zu privaten Anlässen, können Carola und Harald Kripgans gebucht werden.

Thomas Gründemann

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