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Ostholstein Vom Teichgut zum Wasservogelreservat
Lokales Ostholstein Vom Teichgut zum Wasservogelreservat
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23:15 12.05.2016
Naturerlebnispfad: Die Urlauberfamilie Vahlenkamp (Buchholz) testet die Wassersäule. Quelle: Fotos: Schwennsen

Die Anfänge waren holprig. Es gab spürbaren Widerstand in Westfehmarn, als das ehemalige Teichgut Wallnau in ein Wasservogelreservat verwandelt werden sollte. 40 Jahre danach hat es sich längst als bundesweites „Leuchtturm-Projekt“ für den Naturschutz etabliert. Das betonte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller gestern auf einem großen Jubiläumsempfang auf Fehmarn – und schloss dabei den Widerstand gegen den feste Beltquerung mit ein.

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40 Jahre Wallnau: Feierstunde erinnerte gestern an die holprigen Anfänge und die heutigen Erfolge.

Dabei schien die Hürde um 1976 riesengroß zu sein. Eine Million Deutsche Mark mussten aufgebracht werden – aus heutiger Sicht vergleichsweise wenig für ein 300 Hektar großes Areal. „Doch der Deutsche Bund für Vogelschutz hatte das Geld nicht“, so Reservatsleiter Martin Altemüller. Zum Glück gelang es dank Klaus Dürkop, der bis heute als „Wallnau-Pionier“ gilt, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und ihren prominenten TV-Star Prof. Bernhard Grzimek als Unterstützer zu gewinnen. Zudem engagierten sich das Land und der Kreis Ostholstein.

Jürgen Schindler, Eva Jürgens, Malte Siegert, Martin Altemüller und Nikola Vagt – sie haben als Reservatsleiter oder Stellvertreter starke Akzente gesetzt. Nicht zu vergessen über 3000 ehrenamtliche Mitarbeiter, die in Wallnau ihren Dienst geleistet haben. Diplom-Biologe Altemüller: „Ich selber habe schon rund 2000 geschult. In der Naturschutz-Szene Deutschland gibt es ganz viele, die früher einmal bei uns gewesen sind.“

Der Natur auf der Spur: In Wallnau kann der Besucher, wenn er Glück und Geduld hat, viele der rund 270 Zugvogelarten beobachten – und vor allem die etwas weniger als 100, die auf den Naturschutzflächen brüten. Ganz neu ist eine Lachmöwen-Kolonie, die ein Gelände belegt, das weitgehend vorm Fuchs geschützt ist. Altemüller betonte: „Wir können vielen Vögeln einen attraktiven Brutplatz bieten, aber nicht reparieren, was woanders kaputtgemacht wird.“ Deutlich spüre man in Wallnau den Rückgang bei den Zugvögeln. Eine große Ausstellung zum Erlebnis Vogelzug im Infozentrum informiert die Besucher umfassend.

„Aus heutiger Sicht ist das Wasservogelreservat eine Erfolgsgeschichte“, bescheinigte Fehmarns stellvertretender Bürgermeister Werner Ehlers (CDU) den Naturschützern in Wallnau. Er würdigte insbesondere, dass dort jungen Besuchern aus Kindergärten und Schulen die Natur eindrucksvoll vermittelt werde. Stark gefragt ist in Wallnau aber auch bei Urlaubern der Naturerlebnispfad mit Spielstationen und Themensäulen. Dennoch gestand Altemüller: „Es ist bis heute nicht gelungen, Wallnau auch zu einem ökonomischen Erfolgsmodell zu machen.“

Als unsicher stufte er zudem die Zukunft ein. Ob das Info-Zentrum 150 Jahre, nachdem Wallnau dem Meer abgerungen wurde, für immer und ewig allen Sturmfluten standhalte, sei fraglich. Altemüller. „Für die Natur ist das kein Problem. Aber wir wissen nicht, wie lange wir hier noch wie bisher arbeiten können.“ Willi Franck, dessen Familie früher die Teichwirtschaft betrieben hat, übergab Altemüller ein dickes Paket mit alten Dokumenten und Prozessakten – und schmunzelte: „So sorglos wie Sie hat in Wallnau noch keiner gelebt.“

Pfingstgrillen in Wallnau

Pünktlich am Pfingstsonntag lädt das Wallnauer Team zum Grillfest (12.30 bis 15.30 Uhr) ein. Gaumenschmaus auf der Obstwiese: Zwischen Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen gibt’s leckere Galloway-Burger und saftige Bratwürstchen.

Die robusten Galloways weiden ganzjährig auf den Salzwiesen. Ohne Störungen unter den brütenden und rastenden Vögeln zu verursachen, halten sie die Grasnarbe für bodenbrütende Vögel attraktiv bleibt – sanfte Landschaftspflege direkt hinterm Deich.

 Gerd-J. Schwennsen

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