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Lokales Ostholstein Vom Zuckerguss eines Reiterlebens
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20:13 17.09.2016
Ulrike Bergmann, Autorin der Wolfgang-Marlie-Biografie, liest „Hella“ am Strand aus dem Buch vor. Quelle: Sabine Hanse/hfr

Dass dieser Mann bereits seit 62 Jahren reitet, ist kaum zu glauben. Dass er 76 Jahre alt ist, auch nicht. Dass er eine Lebensgeschichte aufzuweisen hat, die es wert ist, in Buchform gegossen zu werden, ist im Gespräch mit ihm schnell spürbar. Das Buch aber ist mehr als die Geschichte des Pferdeflüsterers aus Klingberg. Es ist auch eine lesenswerte Geschichte des Ortes, des Hauses, in dem er seit 1953 lebt, und seiner Entwicklung vom Buttje auf dem Rücken eines Kaltblutpferdes hin zu einem der bekanntesten und geschätztesten Pferdeversteher Deutschlands.

Lieblingsbild von Ehefrau Kari: Wolfgang Marlie auf „Stern“. Quelle: Isabell Albrecht/hfr

Wolfgang Marlie, geboren 1939 in Klingberg und dort zusammen mit Ehefrau Kari Betreiber einer Reiterpension, hat sein Leben aufschreiben lassen. „Pferde – wie von Zauberhand bewegt“ heißt das Buch, das die Journalistin und Reiterin Ulrike Bergmann anhand seiner Lebenserinnerungen als Ghostwriterin (nein, nicht als Ghostreiterin) über ihn verfasst hat. Es ist eine Innenansicht: Sie war Praktikantin in Marlies Reiterpension, er ist ihr Trainer und sie hat ihren Shetty „Hella“ dort stehen. Das Pferdchen ist, sagt Bergmann mit einem Augenzwinkern, einer der größten Fans des Buches.

„Sie kann das Kapitel, in dem sie vorkommt, gar nicht oft genug vorgelesen bekommen.“

„Sie hat wunderbar zu Papier gebracht, was ich nicht in der Lage gewesen wäre auszudrücken“, lobt Marlie die Autorin. Gleich am Anfang des Buches findet sich der Kernsatz, der über dem Leben von Wolfgang Marlie steht: „Es ist meine Passion, verunsicherten Pferden Halt, Orientierung und Ordnung zu geben.“ Einen anderen Satz sagt er oft und gern. „Von den Pferden, die mich an den Rand des Wahnsinns getrieben haben, habe ich am meisten profitiert.“ Immer im Hinterkopf hat er dabei die Einstellung, die ihm eine Lehrerin mitgeteilt hat, die in seiner Pension zu Gast war: „Sie sagte, sie habe ein zärtliches Gefühlt für ihre Klasse. Alle, die das Glück haben, so empathisch zu sein, haben eine Lebensqualität, die nicht zu toppen ist.“

Aber was hat das alles mit beißenden, schlagenden, steigenden Pferden zu tun? Marlies Philosophie: „Es hat mit einem selbst zu tun, wie das Pferd reagiert, es ist nicht grundsätzlich widersetzlich.“

Auslöser für Probleme sind entweder Angst oder zu viel Druck. „Ich habe immer wieder erlebt, wie ähnlich Pferde uns sind.“ Wer mit Pferden umgehe, müssen sich bei ihnen bewerben, sie für sich gewinnen.

Nach diesen Maximen gestalten Marlie und seine Mitarbeiter den Reitunterricht. Er vermittelt den Reitschülern die richtige Kommunikation mit dem Pferd, wie sie sich als glaubwürdig und berechenbar erweisen. Dabei verteufelt er nicht die englische Reitweise, aber sein Weg dorthin ist ein anderer. Dafür ist er früher angefeindet worden, doch er hat seine Anhängerschaft gefunden – zweibeinig und vierbeinig. Am Ende des Buches zieht Marlie sein Fazit: „Menschen und Pferde, wie von Zauberhand bewegt, das ist für mich der Zuckerguss auf meinem Reiterleben.“

Obwohl sich im Buch fast alles um Pferde dreht, ist es auch ein Heimatbuch. Marlie, gebürtiger Klingberger, wohnt im ältesten Haus des Ortes an der Uhlenflucht. In seinen Lebenserinnerungen erzählt er, wie er die Nachkriegszeit erlebte, wie seine Mutter als Kriegerwitwe sich und ihn mit der noch recht spartanischen Pension im ehemals feudalen Sommersitz einer Berliner Unternehmerfamilie durchbrachte. Ulrike Bergmann hat so viele Details, so viele Anekdoten aus ihm herausgekitzelt und gekonnt aufgeschrieben, dass es ein Genuss ist, dieses Buch zu lesen. Ob Reiter oder nicht.

Buchpremiere der Autorin

Ulrike Bergmann volontierte an der Axel-Springer-Journalistenschule, arbeitete bei Bild am Sonntag und im PR-Bereich einer Bank sowie bei der Sylter Rundschau. Seit 2010 ist sie freiberuflich tätig. Die Wolfgang- Marlie-Biografie ist ihr erstes Buch. Dafür hat sie Marlie vier Jahre lang begleitet.

„Pferde – wie von Zauberhand bewegt“, Kosmos-Verlag, 272 Seiten, 54 Farb-, neun Schwarzweißfotos, 26,99 Euro, als E-Book 22,99 Euro.

Susanne Peyronnet

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