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Ostholstein Von Schriftstellern und Glühbirnen
Lokales Ostholstein Von Schriftstellern und Glühbirnen
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20:32 19.05.2017
Melanie Zühlke mit der Schautafel zum Hotel Kasch, in dem sich die Schriftsteller trafen. FOTO/REPROS: S. LATZEL

Drei berühmte Schriftsteller und ein ebenso berühmter Verleger sitzen um einen großen Pappkarton und scheinen zu feilschen. Auf dem Karton steht „Osram“ – aber darin werden doch wohl keine Glühbirnen sein, oder? Doch: Die 1952 fotografierte Szene, die jetzt in der Gemeindebücherei Timmendorfer Strand zu sehen ist, zeugt von einer munteren Begebenheit während eines Treffens der „Gruppe 47“ in Niendorf vor 65 Jahren. Die Firma Osram hatte den Literaten tatsächlich 500 Glühbirnen gespendet, „und der Verleger Ernst Rowohlt hat sie ersteigert – so war dann genug Geld für die Abschiedsparty vorhanden“, berichtet Melanie Zühlke vom Timmendorfer Gemeindearchiv.

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Bekannte Literaten: Ilse Aichinger und Erich Fried spazierten 1952 über die Niendorfer Promenade.

Sie hat die Ausstellung gemeinsam mit der Journalistin Inka Gottschalch konzipiert und zusammengestellt. Dafür dankte Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) gestern bei der Eröffnung „voller Begeisterung“. Bis zum 30. Juni hängen diverse Schautafeln zwischen oder über den Bücherregalen – schlicht, aber voller Informationen und alter Fotos. Eine Aufnahme der kompletten Gruppe, die sich 1952 im Niendorfer Hotel Kasch traf, gibt es leider nicht, bedauert Melanie Zühlke. Dabei waren 30 Schriftsteller vor Ort, unter anderen Heinrich Böll, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Siegfried Lenz, Walter Jens und Paul Celan – und dazu etwa 40 Verleger, Lektoren und Journalisten. Allerlei spannende Geschichten rund um dieses Beisammensein haben die Ausstellungsmacherinnen ausgegraben.

So bekam Ilse Aichinger in Niendorf für ihre „Spiegelgeschichte“ den Preis der „Gruppe 47“. Siegfried Lenz las seine Erzählung „Nacht im Hotel“ vor – „die ist allerdings vor dem Aufenthalt im Hotel Kasch entstanden“, sagt Melanie Zühlke.

An das Hotel, das 1990 abgerissen wurde, erinnert eine Schautafel mit kleinen Klappfenstern. Außerdem findet sich viel zur Geschichte Niendorfs in den 1950er Jahren. „Der Tourismus lief langsam wieder an – aber noch 1949 waren weniger als 30 Prozent des Wohnraums für Kurgäste freigegeben“, berichtet die Archivarin. Denn durch den Zustrom an Flüchtlingen nach Kriegsende habe sich die Bevölkerungszahl in Timmendorf und Niendorf vervierfacht, lag 1948 bei 11300 Menschen. Wer mehr darüber wissen will, möge sich die Ausstellung ansehen, und zwar zu den Öffnungszeiten der Gemeindebücherei am Timmendorfer Platz – Glühbirnen gibt es dort aber nicht.

latz

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