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Ostholstein Von Windkraft bis Asyl: Großer Ansturm — hitzige Debatte
Lokales Ostholstein Von Windkraft bis Asyl: Großer Ansturm — hitzige Debatte
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12:34 11.02.2016

Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) spürte während der Dorfschaftsversammlung am Dienstag heftigen Gegenwind für die Pläne von Politik und Verwaltung, die Feuerwehr-Fahrzeughalle so umzubauen, dass im Obergeschoss vier Wohnungen für zusammen 16 Flüchtlinge eingerichtet werden können. Einige der kritischen Wortbeiträge arteten sogar in persönliche Angriffen aus. „Warum“, so fragte beispielsweise eine Ovendorferin, die ihren Anwalt aus Niedersachsen mitgebracht hatte, „gibt es in Techau, im Wohnort von Herrn Keller, keine Flüchtlinge?“ Techau zählt knapp 1590 Einwohner. Dort, so der Verwaltungschef, gebe es keine kommunalen Wohnmöglichkeiten. Und von privater Seite sei der Gemeinde „nichts zu vernünftigen Konditionen“ angeboten worden. Es habe nur eine Offerte gegeben, aber: „Für das geforderte Geld hätten wir auch gleich ein Haus in der Strandallee in Timmendorfer Strand mieten können.“ Keller beteuerte: „Keiner hat ein größeres Interesse daran, dass Flüchtlinge nach Techau kommen als ich.“

„Wir werden weiter kämpfen, denn wir haben nicht angefangen, um auf halber Strecke aufzugeben.“

Ein Ovendorfer Bürger zu den Windpark-Protesten

Mehrere Diskussionsbeiträge begannen mit den Worten: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber . . .“. Aufgezählt wurden dann fehlende Einkaufsmöglichkeiten, weite Wege zu nächstgrößeren Orten, fehlende Praxis beim Fahrradfahren sowie Gefahren durch Feuerwehreinsätze. „Wollen Sie dann erst immer vier Bobby-Cars zur Seite räumen?“ fragte ein Ovendorfer.

Für den Fahrzeughallenbau sei nichts Konkretes geplant, sagte Keller. Grund sei das Fehlen von verlässlichen Daten über die Zahl der Asylbewerber, die der Gemeinde Ratekau noch zugeteilt werden. „Wir hängen in der Luft“, bekannte der Bürgermeister. Die Frage: „Sollen wir jetzt bauen oder warten wir die nächsten Monate erst einmal ab?“ sei von den Verantwortlichen mit „abwarten“ beantwortet worden. Keller bekannte: „Es gibt bessere Standorte als Ovendorf“, wies aber auch darauf hin, dass die Menschen gleichmäßig verteilt werden sollen. In großen Orten gebe es im Übrigen weniger Proteste. Nachdem mehrfach massive Kritik an den Umbauplänen für die Fahrzeughalle geäußert worden war, platzte einer Frau der sprichwörtliche Kragen: „Offensichtlich hat hier jeder Verständnis für die Asylbewerber, aber keiner will sie bei sich nebenan haben. Das geht doch gar nicht.“ Dafür gab es mindestens ebenso viel Beifall wie für den Vorschlag eines jungen Ovendorfers: „Lasst uns mal eine Pause machen. Dann kriegen wir alle Luft an die Birnen.“

Die war in der Fahrzeughalle der Feuerwehr auch dringend nötig. Dicht gedrängt saßen dort etwa 100 Bürger aus dem Ort. Gekommen waren sie auch, um die neuesten Informationen zu Windkraft und Kies zu erhalten. Für beide Bereiche gilt Kellers Worten zufolge: „Wir dürfen keine Verhinderungsplanung machen. Wir müssen noch selbst bestimmen können.“

Besonders aufmerksame Zuhörer waren die Mitglieder der Bürgerinitiative Windpark Ratekau, die 2015 einen Bürgerentscheid gewonnen hatten. Demnach dürfen rund um Ovendorf lediglich Anlagen in einer Höhe von bis zu 99 Metern errichtet werden. An diesen Bürgerentscheid, so Keller, halte sich die Verwaltung auch weiterhin. Dennoch sei die Gemeinde durch die Landesplanung aufgefordert, eine rechtssichere Planung vorzulegen. Es werde eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung geben müssen, da nun auch ein Gebiet nördlich des bisherigen Windparks überplant werden soll. Keller: „Wir haben es hier mit ganz neuen Abwägungen zu tun, gehen aber weiterhin mit 99 Metern ins Rennen.“ Ein Ovendorfer kündigte unmissverständlich an: „Wir werden weiter kämpfen, denn wir haben nicht angefangen, um auf halber Strecke aufzugeben.“

Christina Düvell-Veen

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